Corona-Pandemie

Nur wenige Infizierte, aber viele Todesfälle – warum ist das so?

Immer weniger Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Dennoch werden weiter Todesfälle gemeldet - im Juni bislang 34 im Kreis RE, heute allein vier. Ist das ein Grund, alarmiert zu sein?
Dass ältere Menschen schneller zu Opfern der Corona-Pandemie werden, ist bekannt. Wie dramatisch gefährlicher das Virus für Ältere ist, zeigt aber erst ein genauer Datenvergleich. © picture alliance/dpa

Überall im Vest sinken die Corona-Fallzahlen. Am heutigen Dienstag (22.6.) meldet das Kreis-Gesundheitsamt nur noch 163 Infizierte – und einen einzigen Neuinfizierten. Diesem entspannten Blick auf die Pandemie-Lage stehen immer wieder Meldungen über neue Todesopfer gegenüber. Im Monat Juni waren es im Kreisgebiet 34, heute allein vier.

Und der Blick auf die Seite des DIVI-Intensivregisters zeigt, dass auch auf den Intensivstationen des Kreises nur noch wenige Menschen wegen Covid-19 behandelt werden müssen. Drei Patienten sind es am Dienstag, die allerdings alle invasiv beatmet werden müssen. Wie kann das zusammenpassen? Die Kreisverwaltung gibt eine überraschende Antwort.

Jetzt gibt es Zeit, um Totenscheine nachzutragen

Pressesprecherin Svenja Küchmeister erklärt, dass es gerade die ruhigere Lage sei, die zu vermehrten Meldungen von Todesfällen führt. Beim Kreis sei jetzt, wo nicht alle Kapazitäten darauf verwendet werden müssen, Corona-Fälle zu registrieren und deren jeweils bis zu 100 und mehr Kontakte nachzuverfolgen, Zeit für andere Aufgaben. Dazu gehört es auch, Daten nachzutragen. „Todesfälle werden erst offiziell gemeldet, wenn wir den Totenschein haben“, sagt sie. Er enthält auch immer die genaue Todesursache, was wichtig ist, um zu wissen, ob ein Todesfall in Zusammenhang mit dem Coronavirus steht.

In den Hochzeiten der Pandemie war nicht nur beim Gesundheitsamt des Kreises „die Hölle“ los. Nicht immer erreichte den Kreis ein Totenschein, zum Beispiel auch bei Bürgern, die in Krankenhäusern außerhalb des Kreises behandelt wurden. Jetzt, so Svenja Küchmeister, telefonieren Mitarbeiter solchen Bescheinigungen hinterher. Manche müssten seit Monaten da sein.

Der Mensch kann schon im März oder April verstorben sein

Hinweise bekommen sie zum Beispiel vom Team, das die Patientenbetreuung übernimmt. Deren Mitglieder erfahren von Todesfällen oder fragen selbst in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen nach, wie es den bei ihnen registrierten Infizierten geht. Es kann also sein, so bestätigt Svenja Küchmeister, dass hinter dem Todesfall, den der Kreis in diesen Tagen meldet, ein Mensch steckt, der bereits im März oder April gestorben ist.

Dadurch kann es in Einzelfällen zu Korrekturen in der Statistik im Dashboard des Kreises Recklinghausen kommen. So kann es vorkommen, dass Fälle wieder „verschwinden“, weil jemand gar nicht im Kreis Recklinghausen wohnt.

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