Corona

Kreis Recklinghausen: Prüfungs-Stau in den Fahrschulen

Bis zu vier Wochen müssen Fahrschulen derzeit beim TÜV auf einen Prüfungstermin warten. Deshalb gibt es Frust bei Schülern und finanzielle Sorgen bei Fahrlehrern.
In den Fahrschulen ist die Situation zurzeit schwierig. © dpa

Die Fahrstunden sind absolviert, die Prüfung steht an – endlich den Führerschein machen. Doch hier gibt es zurzeit ein Problem – einen Prüfungs-Stau: „Die Fahrschulen warten bis zu vier Wochen auf einen Prüfungstermin durch den TÜV. Das ist sehr unbefriedigend“, sagt Erhard Netta, Unterbezirksleiter des Fahrlehrerverbands Recklinghausen. Der Oer-Erkenschwicker Fahrschul-Inhaber fügt hinzu: „Wenn wir zum Beispiel als Fahrschule acht Termine für einen Monat beantragen, bekommen wir gerade einmal vier.“ Sein Recklinghäuser Kollege Markus Flögel bestätigt: „Wir hätten gerne mehr und schneller Termine – das ist im Moment eine echte Prüfungsmisere. Das ist frustrierend, geht zu Lasten der Fahrschüler und ihrer Eltern sowie der Fahrlehrer.“

„Das geht auf Dauer nicht, ist ein Riesenproblem“

„Wir haben laufende Kosten, die bleiben. Aber bei weniger Prüfungen verdienen wir weniger Geld, haben einen geringeren Umsatz. Das geht auf Dauer nicht, ist ein Riesenproblem. Zumal wir schon wegen Corona zeitweise nur weniger oder sogar gar nicht arbeiten konnten“, erläutert Erhard Netta. Markus Flögel berichtet zudem von Ärger mit Kunden: „Natürlich sind einige Eltern und Fahrschüler aufgebracht. Da steht schon das Auto angemeldet vor der Tür oder der Sohn soll beim bevorstehenden Urlaub einen Teil der Strecke fahren – und dann gibt es keinen Prüfungstermin, trotz Prüfungsreife. Und wenn man einen Monat lang warten muss, sind vielleicht sogar noch einmal zusätzliche Fahrstunden notwendig – also entstehen eventuell Mehrkosten. Da denken manche Eltern natürlich, wir haben das schlecht organisiert. So bekommen wir den Frust ab und den Schwarzen Peter zugeschoben. Dabei liegt es nicht an den Fahrschulen. Wenn die Decke zu kurz ist, kann man ziehen, wie man will: Es reicht nicht.“

Der TÜV entschuldigt sich für „die Unannehmlichkeiten“

Tatsächlich schreibt der prüfende TÜV Nord in einem Brief an die Fahrlehrer von „einer größeren Verschiebung von Prüfterminen bei praktischen Prüfungen“, man entschuldigt sich für „die Unannehmlichkeiten“. Als Gründe nennt der TÜV zeitweise Corona-Einschränkungen bei der Ausbildung, Quarantäne-Fälle und erforderliche Masken-Pausen bei den Prüfern. Auch ist die Rede von streikbedingten Ausfällen und arbeitsfreien Feiertagen. „Wir haben unseren Schülern eine Fotokopie des Schreibens gegeben, damit sie den Stand der Dinge und die Ursachen für die Situation kennen“, sagt Erhard Netta.

Neue Prüfpraxis kostet mehr Zeit

Hinzu kommt seit Anfang des Jahres eine Änderung bei der Prüfpraxis: Bei der neuen „Optimierten Praktischen Fahrerlaubnisprüfung“ wird ein standardisiertes digitales Protokoll ausgefüllt und im Anschluss an die Prüfung ein Gespräch mit dem Fahrschüler geführt. „Das ist mehr Dokumentation und auch kundenfreundlicher, aber die Prüfung dauert jetzt länger – 55 statt wie vorher 45 Minuten. Und das bedeutet, dass man am Tag nicht mehr zehn, sondern nur noch acht Prüfungen schafft – 20 Prozent weniger“, rechnet Markus Flögel vor. Und er fügt hinzu: „Vielleicht hätte man die Neuerung besser auf nach Corona verschoben.“

Der TÜV kündigt unterdessen in seinem Brief an die Fahrlehrer an, durch verschiedene Maßnahmen die Terminverschiebungen wieder „einfangen“, die Kapazitäten erweitern zu wollen. Stichworte sind hier unter anderem die hausinterne Qualifizierung von Prüfern, die Weiterbeschäftigung verrenteter Prüfer sowie regelmäßige Samstagseinsätze. „Ich hoffe, diese Maßnahmen haben auf Dauer positive Auswirkungen“, kommentiert Erhard Netta das Schreiben. Der 68-Jährige fügt hinzu: „Die Situation ist im Moment schwierig. Ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht.“ Seine Forderung ist eindeutig: „Man müsste mehr Prüfer beim TÜV einstellen.“

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