Brut- und Setzzeit

Kreis Recklinghausen: Die Wildtiere brauchen Ruhe

In der Corona-Zeit herrscht Hochbetrieb in der Natur – rücksichtsvolles Verhalten ist da besonders wichtig. Eine Plakataktion und die Kreisjägerschaft geben Tipps.
Jungtiere im Wald - wie dieses Rehkitz - dürfen nicht angefasst werden. © Kathrin Holtmanns

Spaziergänger mit und ohne Hund, Walker, Jogger, Mountainbiker: In Corona-Zeiten verbringen viele Menschen mehr Zeit in der Natur. „Noch nie sind so viele Menschen in den Wäldern und Feldern gesehen worden“, heißt es bei der Kreisjägerschaft Hubertus Recklinghausen. Und so ist die Plakataktion vom Landesjagdverband NRW, die es bereits seit gut vier Jahren mit wechselnden Bild-Motiven gibt, im Moment besonderes aktuell. „Hier geht es um den Schutz des Wildes, die Sicherheit der Erholungsuchenden und den Appell an alle, sich rücksichtsvoll zu verhalten“, erläutert Verbands-Sprecher Andreas Schneider.

„Sensible Phase“ dauert bis etwa Mitte Juli

Süß sieht das ungestört schlafende Kind auf dem aktuellen Plakat aus, das auch im Kreis Recklinghausen an Waldwegen angebracht ist. „Nicht nur sie brauchen Ruhe. Unsere Wildtiere haben jetzt Brut- und Setzzeit“, heißt es im Begleittext zu dem Foto. Bis etwa Mitte Juli dauert diese „sensible Phase“, bis dahin kommen zum Beispiel Junghasen, Reh-Kitze, Fasane und Wildschweine zur Welt, je nach Region. „Es ist wichtig, die Ruheräume der Tiere zu akzeptieren, das Jungwild nicht zu stören, trächtige Muttertiere nicht zu schädigen“, sagt Andreas Schneider.

Der Jagdverband NRW will mit seiner Plakataktion auf den notwendigen Schutz für die Wildtiere aufmerksam machen. © SYSTEM © SYSTEM

Hier geben die Kreisjägerschaft Hubertus Recklinghausen und der NRW-Jagdverband konkrete Verhaltens-Tipps. „Bitte die Wege im Wald nicht verlassen und bitte die Hunde anleinen“, sagt Andreas Schneider – auch mit Blick auf die derzeit relativ vielen Menschen, die ihren Hund noch nicht lange haben. „Schön wäre es auch, wenn man Dämmerungs- und Nachtzeiten für Aufenthalte im Wald meidet.“

Jungtiere keinesfalls anfassen

Außerdem weist der Jagd-Experte darauf hin, dass man Jungtiere keinesfalls anfassen darf: „Wenn man die Jungen berührt, bedeutet das das Todesurteil in der Natur für sie. Denn dann haben sie einen menschlichen Geruch, weshalb sie von ihrer Mutter nicht mehr angenommen werden.“ Der Sprecher rät stattdessen bei Begegnungen mit Jungtieren, sich diskret zu entfernen: „Selbst wenn das Jungtier noch eine Stunde später an der selben Stelle sitzt: Man kann sicher sein, das Muttertier wird zur Versorgung kommen.“ Petra Bauernfeind-Beckmann betont: „Bei Jungtieren tun Sie einfach gar nichts.“ Die Vorsitzende der Kreisjägerschaft in Recklinghausen appelliert an die Erholungssuchenden: „Mit Bedacht in der Natur aufhalten ist gar nicht schwer. Wenn Sie auf den Wegen bleiben, fühlen sich die Wildtiere nicht gestört. Sie können aber die Natur genießen und in diesen besonderen Zeiten Ihren Akku aufladen.“

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