Gefahr von Schwarzarbeit und Unfällen

„Konzerne torpedieren das Handwerk“

Kreishandwerkerschaft kritisiert die ausufernde Auftragsvermittlung auf Online-Plattformen großer Unternehmen.
Blicken mit Sorge auf die Vermittlungsplattformen großer Unternehmen im Internet: Kreishandwerksmeister Arnd Neubauer und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen, Ludger Blickmann. © Randolf Leyk

„TaskRabbit“ heißt ein neuer Ikea-Service, der Studierende genauso wie Hobby-Handwerker und Profis auf eine Internet-Plattform locken will, um preisgünstig Dienstleistungen, vornehmlich im handwerklichen Bereich zu vermitteln. Mehr als 20.000 Interessierte haben sich dort bereits registriert – vor allem aus Nordrhein-Westfalen kommen diese Menschen.

Staat soll sich stärker einbringen

Mit großer Sorge betrachtet die Kreishandwerkerschaft Recklinghausen dieses unternehmerische Treiben auf meist sogenannten Minijob-Marktplätzen. Der frischgebackene Kreishandwerksmeister Arnd Neubauer und Hauptgeschäftsführer Ludger Blickmann fordern in dem Zusammenhang, dass sich der Staat stärker einbringt und geltende Verordnungen sowie Gesetze überprüft.

„Wir haben auf diesen Plattformen nicht nur die Gefahr von Schwarzarbeit, da von Betreiberseite ja nur vermittelt und der Zahlungsverkehr geregelt wird. Es geht auch darum, den hochqualifizierten Bereich des Handwerks zu schützen“, sagt Ludger Blickmann. Zudem stellt sich die Frage nach dem Verbraucherschutz. Arnd Neubauer ergänzt: „Auf diesen Marktplätzen werden auch Leistungen vermittelt, die über die Handwerksordnung geschützt sind und nicht von jedem beliebigen Freizeithandwerker ausgeführt werden dürfen. So ist vollkommen intransparent, ob die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.“

Kreis Recklinghausen hat eine eigene Vermittlungsplattform

Im Gegensatz dazu würden Verbraucher auf der Vermittlungsplattform „LokalesHandwerk.de“ ausschließlich in einer Innung organisierte Handwerksbetriebe finden, die somit auch eine qualifizierte Ausbildung nachweisen können. „Uns geht es aber auch darum, dass der Arbeitsmarkt nicht abgegriffen wird.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass dort arbeitende Menschen in diesem Job festgefahren wären und keine Chance auf Weiterbildung oder Aufstieg und Ausbildung bekämen, bemängelt Arnd Neubauer. Für den Kreishandwerksmeister sei in dem Zusammenhang unverständlich, dass auch Gewerkschaften seelenruhig zusehen würden: „Kein Aufschrei, nichts. Dabei wäre hier Initiative gefragt.“

Billig-Vermittlung ist zu kurz gedacht

Dabei gehe es ihm gar nicht darum, Unternehmen wie Ikea an den Pranger zu stellen, schließlich würde nur das bedient, was gesellschaftlich und vom Markt gewünscht wird – doch sei dies zu kurz gedacht. Denn am Ende sei es die Solidargemeinschaft, die das Ganze bezahlen muss. Als Beispiel nennt Neubauer Arbeitsunfälle, die vielleicht durch unsachgemäßes Arbeiten passieren, oder auch Ausbildungskosten und Steuern, die von Meisterbetrieben gezahlt würden, auf der Plattform aber undurchsichtig blieben. „Solche Grauwirtschaften sind für unsere Gesellschaft nicht tragbar“, sagt er.

Vier Milliarden Umsatz im Kreis Recklinghausen

„Und wenn wir sehen, dass Amazon in London den ersten Friseursalon eröffnet hat, und man weiß, welche Löhne das Unternehmen zahlt, dann müssen wir unser Handwerkswesen hier schützen. Immerhin setzen im Kreis Recklinghausen rund 33.000 Beschäftigte jährlich etwa vier Milliarden Euro um“, so Ludger Blickmann. Aber Arnd Neubauer gibt sich auch selbstkritisch: „ Derzeit sind unsere Auftragsbücher voll. Doch die Zeiten können sich auch ändern. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, auch kleinere Aufträge anzunehmen, was leider nicht bei jedem Betrieb der Fall ist.“