Corona

Kommt das Aus für die Impfzentren zu früh?

Ab Oktober übernehmen fast ausschließlich die niedergelassenen Ärzte die Immunisierung. Auf die Praxen wartet allerdings auch noch die Grippe- und Erkältungswelle.
Auch jetzt noch nutzen mehrere hundert Bürger an den Öffnungstagen das Angebot des Impfzentrums auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen. Am 30. September wird es geschlossen. © Jörg Gutzeit

Das Corona-Impfzentrum des Kreises Recklinghausen wird definitiv am 30. September seine Tore schließen. Eine Ausnahmegenehmigung für einen vorübergehenden Weiterbetrieb zu beantragen – wie es zum Beispiel Duisburg, Düsseldorf oder Krefeld planen –, sei nicht die Absicht des Kreises, betont Verwaltungssprecherin Lena Heimers auf Anfrage.

Die Finanzierung der kommunalen Impfzentren durch das Land läuft in gut einer Woche aus. Ab Oktober liegt das Impfen in Nordrhein-Westfalen allein in den Händen der niedergelassenen Ärzte. Auf die Ärzteschaft kommt jetzt allerdings auch noch die Grippe- und Erkältungszeit zu, Corona-Auffrischungsimpfungen sind in großer Zahl zu erwarten. Dass die Schließungen der Impfzentren möglicherweise zu früh kommen, sind deshalb Bedenken, die vom Städtetag NRW sowie vom Landkreistag NRW gleichermaßen geteilt werden. Die Kreisverwaltung Recklinghausen hält sich mit einer Bewertung in dieser Frage allerdings zurück.

600 bis 900 Impfungen am Tag im Recklinghäuser Impfzentrum

Tatsache ist, dass das Impfzentrum auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen schon lange nicht mehr ausgelastet ist. Allerdings finden nach Angaben von Lena Heimers an den Öffnungstagen – Mittwoch bis Sonntag – immer noch täglich 600 bis 900 Immunisierungen statt. Wer dort in diesen Tagen seine Erstimpfung erhält, wird sich die zweite Spritze zum vollständigen Schutz in einigen Wochen bei einem niedergelassenen Mediziner abholen müssen. Das sei allerdings kein Problem, sagt die Kreis-Sprecherin. Beim Besuch des Impfzentrums werde den Betroffenen bereits eine Liste mit Adressen von Arztpraxen ausgehändigt, die diese Zweitimpfungen durchführen.

Allerdings bleibt der Kreis auch nach Schließung des Impfzentrums mit einer mobilen Corona-Impfeinheit im Geschäft. Das Land finanziert den Kommunen dafür 1,5 Stellen je 50.000 Einwohner. Auf den Kreis Recklinghausen entfallen somit 18 Stellen, die nach Angaben der Behördensprecherin teilweise bereits besetzt sind, unter anderem mit erfahrenen Mitarbeitern aus dem Impfzentrum. Die mobilen Impfeinheiten sollen die Ärzteschaft etwa bei den Auffrischungsimpfungen in Senioreneinrichtungen unterstützen.

Helfer müssen sich nach einer neuen Beschäftigung umsehen

Der Großteil der Helfer im Impfzentrum wird sich allerdings nach einer neuen Beschäftigung umsehen müssen. Ihre mit der Kreisverwaltung geschlossenen Verträge laufen am 30. September aus. Unter ihnen befinden sich viele Quereinsteiger. Ein Teil hat vor Corona etwa in der Gastronomie gearbeitet, andere haben Büro- oder Verwaltungserfahrung. „Wir haben schon die Absicht, gut eingearbeitete Personen zu behalten“, meint Lena Heimers. Sie könnten entweder in der mobilen Impfeinheit eingesetzt werden oder die Kontaktnachverfolgung verstärken.

Aktuell beschäftigt der Kreis in seinem Impfzentrum noch knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der Hochphase der Impfkampagne, als in Recklinghausen täglich 2500 und mehr Menschen ihren Piks in den Oberarm erhalten haben, waren es rund 80 Helfer. Insgesamt hat der Betrieb des Impfzentrums nach Angaben des Kreises rund 5,5 Millionen Euro gekostet. Darin enthalten sind Personal- und Sachkosten. Die Ausgaben werden dem Kreis allerdings komplett vom Land NRW erstattet.

Kassenärztliche Vereinigung: „Impfen gehört in die Praxen“

Mittlerweile sind im Impfzentrum Recklinghausen 305.000 Impfdosen verabreicht worden, weitere 62.000 durch mobile Teams. Die Arztpraxen im Vest, die im April ins Impfgeschehen eingestiegen sind, spritzten ihren Patienten insgesamt 368.000 Dosen der unterschiedlichen Vakzine. Dass die Corona-Impfungen ab Oktober vor allem in den Arztpraxen durchgeführt werden, bewertet die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) positiv. „Impfen gehört in die Praxen, das haben wir immer betont“, heißt es in einer Mitteilung des KV-Vorstandes.

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