Landgericht Essen

Jugendlicher gibt Messerstich zu: „Ich hatte Angst“

Nach einer beinahe tödlichen Messerattacke in Gladbeck spricht der Hauptangeklagte plötzlich von Notwehr.
Lebensgefährlicher Angriff oder Notwehr? Das Landgericht Essen muss am Ende entscheiden. © Jörn Hartwich

Es war die Nacht auf den 18. Oktober 2020, als ein Jugendlicher aus Gladbeck zum Messer griff und es einem 30-Jährigen in den Bauch rammte. Vor Gericht spricht der 17-Jährige jetzt jedoch plötzlich von Notwehr. „Ich hatte Angst“, sagte er den Essener Richtern am Montag. Nur deshalb habe er sich ein Messer besorgt. Der Stich sei im „Affekt“ erfolgt.

Der Angeklagte hatte offenbar schon länger Stress mit dem späteren Opfer. Es ging um eine Ex-Freundin, um Beleidigungen und Drohungen. In seiner Clique soll er die Tat sogar angekündigt habe. „Ich steche den ab.“ So waren angeblich seine Worte. Das hatte aber wohl niemand ernst genommen.

In der Tatnacht war es dann zu einer wilden Schlägerei gekommen. „Ich habe gesehen, dass der andere mir mit dem Fuß auf den Kopf treten wollte“, sagte der 17-Jährige den Richtern. Er selbst habe auf dem Boden gelegen und es gerade noch geschafft, sich zur Seite zu rollen. „Der Fuß ist dann 15 Zentimeter neben meinem Kopf auf den Boden gedonnert.“ In dieser Situation habe er schließlich zugestochen. „Ich wusste mir nicht anders zu helfen.“

Das Opfer war damals schwerverletzt durch die Nacht geirrt und dabei mehrfach zusammengebrochen. Als der 30-Jährige morgens im Krankenhaus auftauchte, war sein Leben in größter Gefahr.

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Der Prozess wird fortgesetzt.

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