Wirtschaft

Handwerk: Kosten und Lieferengpässe verunsichern viele Betriebe

Die Handwerkskammer hat die Betriebe in der Region befragt. Ergebnis: Das größte Problem ist, dass das Material teurer geworden ist. HWK-Präsident Hundt mahnt Entlastungen der Betriebe an.
Henry Heidrich ist Auszubildender in einem Bauunternehmen. In seiner Branche ist der Einkauf von Roh- und Werkstoffen am herausforderndsten. © picture alliance/dpa

Massive Kostensteigerungen bei Material und Energie sowie der akute Fachkräftemangel fordern die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster außergewöhnlich heraus. So fasst die Handwerkskammer (HWK) Münster die Ergebnisse ihrer Umfrage zusammen, an der 792 Unternehmen aus der Emscher-Lippe-Region und dem Münsterland teilgenommen haben.

Nahrungsmittelgewerbe sind stark betroffen

Die Teuerung des Materials ist für die befragten Betriebe demnach das größte Problem. 98 Prozent merken die Auswirkungen – 72 Prozent der Betroffenen stark und 23 Prozent mittel. Am herausforderndsten ist der Einkauf von Roh- und Werkstoffen in den Bau- und Nahrungsmittelgewerben. Die Energiepreise sind für 97 Prozent belastend, für 67 Prozent sogar stark, für 24 Prozent mittel. Am meisten betroffen sind wiederum die Nahrungsmittelgewerbe.

„Knappheiten von Material und Energie wirken sich mittelmäßig aus“, so die HWK. Wobei die Branchenunterschiede deutlich seien. Für das Kraftfahrzeuggewerbe ist die Beschaffung demnach am schwierigsten. Den Fachkräftemangel spüren 92 Prozent der Befragten. Stark beeinträchtigt sehen sich 64 Prozent. Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Engpass ist in allen Branchen deutlich.

Kostenkalkulationen sind schwierig

„Die exorbitanten Kostensteigerungen und Lieferschwierigkeiten verunsichern viele Handwerksbetriebe. Verlässliche Kostenkalkulationen sind schwierig geworden. Ein Großteil der Betriebe kann oder will die Angebotspreise nicht in der gleichen Höhe anpassen wie die Kosten zunehmen“, betont HWK-Präsident Hans Hund. Die Folgen seien Minusgeschäfte und Auftragsverluste. Produktionsausfälle wegen Lieferengpässen von Ersatzteilen und Arbeitsmaterialien bedrohten die Existenz zusätzlich. Hund fordert, auch stark belastete kleine und mittlere Unternehmen in staatliche Unterstützungsprogramme bei den Energiekosten einzubeziehen.

Jeder zweite Betrieb reagiert auf Materialknappheit mit ausgeweiteter Lagerhaltung, einem flexibleren Materialeinsatz und der Ausweitung des Lieferantenkreises. Jeder Zehnte bildet Netzwerke mit anderen Betrieben. Ein Drittel passt seine Vertragsgrundlagen an. Maßnahmen zur Energieeinsparung ergreifen 41 Prozent der Befragten und zur Personalgewinnung beziehungsweise -bindung 45 Prozent. Kostensteigerungen und Engpässe zwingen 16 Prozent der Betriebe zur Reduktion ihres Geschäftsfeldes. Jeder Dritte ist auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern.

Preisanpassungen bei Ausschreibungen

Hund appelliert an Auftraggeber von Land und Kommunen, die vom Bund vorgeschriebenen Instrumente zur Preisanpassung bei Ausschreibungen und bereits abgeschlossenen Verträgen konsequent anzuwenden. Ansonsten sinke die Motivation weiter, sich an Ausschreibungen der öffentlichen Hand zu beteiligen. Dies könne auch nicht im Interesse der Auftraggeber sein, so Hund.

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