Ausstellung

Gegen Vorurteile und Antisemitismus

Die Ausstellung „Bibliothek der geretteten Erinnerungen“ kommt in den Kreis Recklinghausen - hier werden viele Facetten jüdischen Lebens dargestellt. Eine Hauptzielgruppe sind Schüler.
Petra Sinemus, Schulreferentin der Evangelischen Kirchenkreise Recklinghausen und Gladbeck-Bottrop-Dorsten, sowie Klaus Jansen, katholischer Schulseelsorger der Stadt Recklinghausen, kündigen die Ausstellung „Bibliothek der geretteten Erinnerungen“ an. © Meike Holz

„Oma und Opa Perlstein waren sehr religiös und begingen alle jüdischen Feiertage festlich. Die Kinder und Enkel hörten unserem Opa zu, wie er jüdische Geschichten und die Thora nacherzählte.“ Blyuma Perlstein erinnert sich um 1900 an das Leben ihrer Großeltern in Weißrussland. Ihr kurzer Bericht schildert sowohl alltägliche als auch besondere Situationen – und ist ein kleiner Teil der Wanderausstellung „Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen“, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Einblicke in das jüdische Familienleben geben will. Jetzt kommt die Ausstellung an verschiedene Orte in den Kreis Recklinghausen, den Anfang macht die Kirche St. Peter in Recklinghausen, vom 17. bis 24. September.

„Es ist keine Holocaust-Ausstellung“

„Hier soll das vielfältige jüdische Leben sichtbar werden, mit Geschichten einzelner Menschen aus verschiedenen Ländern“, sagt Petra Sinemus vom Schulreferat der Evangelischen Kirchenkreise Recklinghausen und Gladbeck-Bottrop-Dorsten, das die Ausstellung in die Region geholt hat. „Der Holocaust ist dabei zwar ein Thema, aber es ist keine Holocaust-Ausstellung“, betont Pastoralreferent Klaus Jansen, der Schulseelsorger in Recklinghausen ist. So reichen die Inhalte der etwa 60 Roll-Up-Poster mit Bildern und Texten von Familienfeiern und Urlaubsfahrten bis zur Zeit in der Armee und Erinnerungen an den Alltag der Vorfahren. „Es geht um Biografien, das ist wie ein altes Familienalbum“, sagt Klaus Jansen.

Veranstalter hoffen auf viele Schulklassen

Eingeladen sind zum kostenlosen Besuch der Ausstellung alle Interessierten, Gruppen können sich anmelden und eine – ebenfalls kostenlose – Führung bekommen. Eine Hauptzielgruppe der Veranstalter sind hier die Schulen: „Die Ausstellung ist für Schüler ab der Klasse fünf bis zum Abitur geeignet, wir arbeiten aber auch noch an einem Konzept für Grundschüler“, berichtet Petra Sinemus. Die Schulreferentin erläutert den pädagogischen Charakter der Ausstellung: „Sie soll durch das Kennenlernen jüdischen Lebens einen Beitrag gegen Ressentiments, Antisemitismus, Stereotypen und Vorurteile leisten. Gerade angesichts des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft.“ Klaus Jansen ergänzt: „Wenn ,Du Jude‘ wieder ein Schimpfwort auf Schulhöfen ist, heißt es: Wehret den Anfängen. Deshalb ist die Ausstellung auch ein Signal an Schüler und Eltern, das Thema nicht zu tabuisieren, sondern darüber zu informieren.“

Aktionen sollen die Ausstellungsinhalte greifbar machen

Die meisten biografischen Berichte beziehen sich auf die Zeit zwischen 1900 und dem Holocaust, „es sind ,gerettete Erinnerungen‘ von Menschen, die oft geflüchtet sind, nichts mitnehmen konnten“, erläutert Petra Sinemus. Um die Ausstellungsinhalte sicht- und greifbarer zu machen, ergänzen verschiedene Aktionen die Bilder und Texte der Roll-Up-Poster: „Zu einzelnen Stationen gibt es auf der Homepage des Vereins Centropa, der die Ausstellung konzipiert hat, einen Film. Wir werden einen Laptop aufstellen, an dem diese Filme geschaut werden können oder ein Film in Endlos-Schleife läuft“, sagt Petra Sinemus. „Außerdem wird ein Koffer zum jüdischen Leben aufgestellt, unter anderem mit Gebetsschal, jüdischem Leuchter und Thorarolle“, ergänzt die Schulreferentin. Auch die Essensvorschriften werden zum greifbaren Thema: Ein Hamburger und ein Cheeseburger sind zu sehen – beide aus Pappe -, verbunden mit der Frage: Was darf von Juden gegessen werden? Aktiv werden können kleine und große Besucher der Ausstellung zudem, indem sie ihren Namen auf Hebräisch schreiben und ein Foto von ihrer Nase machen lassen. Sinemus: „Über Vergleiche führen wir hier den Unsinn der nationalsozialistischen Rassevorstellungen vor Augen.“ Auch hier soll die Ausstellung zum Nachdenken anregen – helfen, ins Gespräch zu kommen.

Daten und Fakten

Ausstellung ist in mehreren Städten zu sehen

  • Die Wanderausstellung „Die Bibliothek der geretteten Erinnerungen“ ist in unserer Region an vier Standorten kostenlos zu sehen:
  • Recklinghausen: 17. bis 24. September in St. Peter; Kirchplatz 7 (zu besichtigen außerhalb der Gottesdienstzeiten)
  • Bottrop: 26. September bis 8. Oktober im Martinszentrum, An der Martinskirche 1
  • Marl: 24. Oktober bis 5. November, in der Boje, Martin Luther Straße 8
  • Oer-Erkenschwick: 7. bis 19. November im Gemeindezentrum Schillerstr. 3
  • Weitere Informationen sowie Anmeldungen für Schulklassen und andere Gruppen, die eine Führung wünschen, sind über das Schulreferat der Evangelischen Kirchenkreise Recklinghausen und Gladbeck-Bottrop-Dorsten möglich – per Mail: www.kirchenkreis-re.de/der-kirchenkreis/schule-und-mediothek oder telefonisch: 02361/206-107.
Lesen Sie jetzt