Außergewöhnliche Erbschaft

Eisbärin Lara sagt Mayonnaise schleckend „Danke“

Die Recklinghäuserin Ursula Maria Mazur war immer gerne in der Zoom-Erlebniswelt. In diesem Jahr ist sie gestorben - und hat dem Gelsenkirchener Zoo 127.000 Euro vermacht. Dafür bedankt der sich jetzt mit einer Gedenktafel.
„In dankbarer Erinnerung“: Markus Karl (Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH) und Ute Mazur enthüllen am Eisbärengehege in der Zoom-Erlebniswelt die Gedenktafel für die Recklinghäuserin Ursula Maria Mazur. © Meike Holz

Lara gilt in der Zoom-Erlebniswelt als „ruhige Eisbärin, die sich mit Futter schnell begeistern lässt, mal um die Ecke zu gucken“, sagt Tierpflegerin Carolin Detering. Und tatsächlich: Als der Schieber im Gehege hochgeht, nähert sich das so gemütlich wirkende Raubtier mit dem gut ausgebildeten Geruchssinn recht zielstrebig der kleinen Gesellschaft am Sichtfenster – um Hering und Makrele zu verspeisen, am Rindfleisch zu nagen, und einen mit Mayonnaise aufgetragenen „Danke“-Schriftzug von einem Stein zu schlecken.

Glücklich und demütig

Bedanken möchte sich der Gelsenkirchener Zoo an diesem Tag bei den Angehörigen von Ursula Maria Mazur. Die Recklinghäuserin ist in diesem Sommer verstorben und hat der Zoo-Erlebniswelt 127.000 Euro vererbt. „Eine solch hohe Erbschaft hat es in der Geschichte des Zoos noch nicht gegeben. Das macht uns sehr glücklich und demütig“, sagt Markus Karl, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH. Und so enthüllt er mit den Angehörigen am Eisbären-Gehege eine Gedenktafel für die Tierfreundin aus Hochlarmark: „In dankbarer Erinnerung an Ursula Maria Mazur“, steht auf dem Messingschild.

„Gerade die Eisbären waren ihr Ding“

Ursula Maria Mazur sei oft im Zoo gewesen. „Gerade die Eisbären waren ihr Ding“, erzählt Ute Mazur. Sie ist die angeheiratete Nichte und Nachbarin der Verstorbenen und kümmert sich auch um deren Nachlass. Dass die Frau, die in diesem Jahr 60 geworden wäre, ihr Geld dem Zoo vermachen wollte, „wusste ich schon lange“, sagt Ute Mazur. Und das sei auch „sehr gut“ so, ergänzt ihr Mann Michael, der die Tante als „zurückgezogen“ und eben „sehr tierlieb“ beschreibt. „Sie hat im Fernsehen keine Tiersendung verpasst“, sagt auch Hans Mazur (75), der Bruder der Verstorbenen.

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Erbschaft für den Zoo

Alle drei ärgert es, dass die Zuwendung der Tierfreundin in Internet-Foren auch abfällig kommentiert wird. „Das war ihr Geld, ihre Entscheidung, ihr letzter Wille. Ich verstehe überhaupt nicht, warum sich da irgendwelche Leute einmischen“, sagt Ute Mazur, um kurz darauf – „Handschuhe brauche ich nicht“ – Lara mit lecker gefüllten Eisbomben zu füttern.

Ein neues Gehege ist geplant

Die Zoom-Erlebniswelt möchte im nächsten Jahr ein neues Gehege eröffnen. Auch dafür soll das Geld verwendet werden, sagt Zoom-Leiter Dr. Hendrik Berendson. Außerdem müssten ein neuer Radlader angeschafft und die laufenden Kosten – Tierfutter, Energie – finanziert werden.

Hinter der Zoom-Erlebniswelt lägen „zwei sehr schwere Jahre“, so Berendson. Coronabedingt habe der Zoo 153 Tage geschlossen bleiben müssen. „Die Einnahmen sind weggebrochen, die Kosten geblieben.“ Zwar seien vom Land NRW 800.000 Euro Zoo-Hilfe geflossen. Diese müsse man aber im Verhältnis zum Umsatzverlust von fast vier Millionen Euro sehen.

Gibt es noch mal Nachwuchs?

Lara ficht das alles nicht an. Sie schwimmt mit ihren Eisbomben durchs Gehege. Möglich, dass sie mit dem verspielten Bill nach Nanook noch mal Nachwuchs bekommt. „Wir sind einer von drei Zoos in Deutschland, die prinzipiell züchten dürfen“, sagt Tierpflegerin Detering. Voraussetzung dafür sei aber ein freier Platz in einem anderen Zoo, wohin man ein Jungtier dann später vermitteln könnte. Eisbärnachwuchs in Gelsenkirchen? Es wäre vermutlich ganz im Sinne von Ursula Maria Mazur.

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