Ruhrfestspiele

Ein Schaufenster für exzellente Bühnenkunst

Beim „Folkwang Showcase“ im Theater Marl folgt ein Höhepunkt dem anderen. Das Publikum erlebt bei den Ruhrfestspielen Top-Leistungen trotz Pandemie.
„Folkwang Showcase“. © Christian Clarke

Die Folkwang Universität der Künste in Essen genießt weit über das Revier hinaus einen exzellenten Ruf. Im früheren Kloster Werden bildet es Instrumentalisten und Sänger, Tänzer, Musical-Darsteller und Regisseure aus, in Bochum an der Westfälischen Schauspielschule Theater-Nachwuchs und auf Zollverein Fotografen und Designer.

Einblick in eine Ausbildung auf höchstem Niveau

Aufführungen vor Publikum sind in Werden Alltag. Das kulturinteressierte Revier-Publikum bekommt davon wenig mit. Schon deshalb ist es ein Verdienst der Ruhrfestspiele den Folkwang-Talenten ein Schaufenster und Festspielbesuchern einen Einblick in eine Ausbildung auf hohem und höchstem Niveau zu bieten. „Folkwang Showcase“ heißt die Reihe. In der Neuauflage im Theater Marl erlebte

ein angetanes Publikum mit einem abwechslungsreich kombinierten Potpourri einen Höhepunkt nach dem anderen.

Auch Pop-Musiker haben hier eine Chance

Köstlich gespielt der Sketsch „Contraphonium“ von Michael Frayn. Die Schauspiel-Alumni Max Poerting und Ansgar Sauren, zwei Ehemalige, haben ihn aus dem Englischen übersetzt. Sie spielen zwei Orchester-Hinterbänkler, die zum strikt durchgehaltenen Vierteltakt nicht müde werden, über Kontrabässe und Violinen vor sich zu lästern. Gitarristin Kira Hummen bewies mit einem Soul-Solo, dass an der Folkwang Universität auch Pop-Musiker eine Chance haben.

Halb Pantomime, halb tänzerischer Pas de deux der ungewöhnlichen Art ist das Duo „Remnant“ von und mit Elina Brams Ritzau und Wayne Götz.

Ihre Annäherung schlägt ins Kämpferische und am Ende in eine grandiose Pietà-Figur um. Musical-Darsteller müssen nicht nur spielen können, sie sollten ebenso gut tanzen und singen.

Begleitet am unsichtbaren Klavier

Diesen Anspruch lösen Maja Dickmann, Yasmina Hempel, Louis Dietrich, Samuel Türksoy und Felix Rabas als prägnante Bühnenpersönlichkeiten, am unsichtbaren Klavier von Michael Mills begleitet, überzeugend ein.

Als Opernnachwuchs von Format, klar in der Höhe, mit vorzüglicher Intonation und durchdachter Gestaltung besticht Sopranistin Kejti Karaj mit der Arie „Sensa Mamma, o bimbo, tu seei morto“ aus Puccinis zuckersüßem Operneinakter „Suor Angelica“.

Ausbruch zu Jazz und Flamenco

Höchst geschmeidig, höchst fantasievoll schraubt sich Djamila Polo zu immer neuen Körperwindungen. Mit raffinierter Delikatesse umspielt Mihajlo Milošev auf dem Akkordeon ein eingängiges Thema aus Haydns F-Dur-Sonate. Wie ein Kommentar zur Pandemie wirkt die Choreografie „Ein Haushalt“ der langjährigen früheren Folkwang-Tanzdozentin Henrietta Horn. Zu Nebelhorn-Klängen erheben sich vier Tänzerinnen und zwei Tänzer nacheinander, bevor sie zu Jazz und Flamenco gemeinsam aus der Vereinzelung ausbrechen.

Ein weiterer Termin folgt am 10. Juni um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 0 23 61 / 9 21 80 oder unter www.ruhrfestspiele.de

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