Corona

Die letzte Spritze kurz vor Toresschluss

Das Impfzentrum des Kreises Recklinghausen ist Geschichte. Mindestens 73 Prozent der Kreisbevölkerung dürfen sich mittlerweile als geschützt betrachten.
Die Zeit des großen Andrangs im Recklinghäuser Impfzentrum war schon lange vorbei. Am Donnerstagmittag schloss die Einrichtung ihre Türen endgültig. © Jörg Gutzeit

Um eine Minute vor 14 Uhr, also unmittelbar vor Ablauf der Frist, hat am Donnerstag noch ein Impfwilliger um Einlass ins Corona-Impfzentrum des Kreises Recklinghausen gebeten. Ihm wurde die letzte Spritze verabreicht, bevor sich die Türen der Leichtbauhalle planmäßig und endgültig schlossen. Den letzten Öffnungstag des Impfzentrums hatten noch einmal 470 Menschen genutzt, um sich immunisieren zu lassen. Die zweite Dosis Biontech werden sie sich in wenigen Wochen in einer Arztpraxis abholen müssen.

Mehr als 150.000 Menschen wurden seit dem 8. Februar immunisiert

Seit dem 8. Februar sind im Impfzentrum auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen etwa 310.000 Impfdosen verabreicht worden. „Wir haben mehr als 150.000 Menschen geimpft“, sagt Kreis-Sprecherin Lena Heimers. Das sei ein sehr gutes Ergebnis, zumal diese Aufgabe für den Kreis völliges Neuland gewesen sei.

Dabei mussten sich die Verantwortlichen ständig wechselnden Situationen anpassen. Zu Beginn galt es, den Mangel an Impfstoff zu verwalten. Gestartet wurde mit 400 Impfungen am Tag. Im Mai/Juni arbeitete das Impfzentrum dann mit bis zu 3000 Impfungen täglich an der Kapazitätsgrenze. Ab Juli flachte die Kurve schließlich ab. Zuletzt fanden nur noch einige hundert Menschen den Weg auf den Konrad-Adenauer-Platz.

Für Herdenimmunität sollten 85 Prozent geimpft oder genesen sein

Was heißt das für die vielzitierte Herdenimmunität, die Wissenschaftler für erreicht halten, wenn 85 Prozent der Bevölkerung geimpft oder genesen sind? Im Impfzentrum, in Arztpraxen und Kliniken sowie durch mobile Teams sind im Kreis Recklinghausen – Stand 29. September – 413.300 Menschen immunisiert worden. Addiert man die rund 34.100 Personen hinzu, die als genesen gelten, kommt man zu dem Ergebnis, dass etwa 73 Prozent der Kreisbevölkerung geschützt sind. Hinzuzurechnen sind allerdings noch diejenigen, die durch Betriebs- oder Privatärzte immunisiert worden sind, die aber statistisch vom Kreis nicht erfasst werden. Die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, ohne es zu merken, ist ebenfalls eine unbekannte Größe.

Interessant ist ein Blick auf die einzelnen Altersgruppen. Hier liegen allerdings nur Angaben für NRW vor. Demnach sind die über 60-Jährigen zu 87,3 Prozent vollständig geimpft. Die Gruppe der 18- bis 59-Jährigen kommt immerhin auf eine Impfquote von 74,3 Prozent. Bei den ganz jungen Menschen (12 bis 17) haben 41,4 Prozent bereits den zweiten Piks in den Oberarm erhalten. Angesichts der Tatsache, dass es für die 12- bis 15-Jährigen erst Ende Juli eine Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission gab, hält Dr. Richard Schröder, zuständiger Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung, diesen Wert für sehr ermutigend.

Der letzte Arbeitstag war für die Mitarbeiter sehr emotional

Für die Beschäftigten des Recklinghäuser Impfzentrums war der letzte Arbeitstag durchaus emotional. „Wir waren ein super Team“, sagte eine Mitarbeiterin. Da die Verträge bis zum 30. September befristet waren, wird sich ein Teil der Helfer eine neue Beschäftigung suchen müssen. Andere wechseln in die Kontaktnachverfolgung beim Kreisgesundheitsamt oder verstärken die mobile Impfeinheit, die es weiterhin beim Kreis geben wird.

Was die Helfer positiv beeindruckt habe, sei die Dankbarkeit gerade der älteren Menschen, die sich im Impfzentrum ihren Corona-Schutz abgeholt haben. Auf der anderen Seite, berichtete Kreis-Sprecherin Lena Heimers, gab es aber auch Stress und Wortgefechte mit Impfdränglern, die die Priorisierung umgehen wollten. Für Turbulenzen sorgte zudem das Schneechaos an den ersten Öffnungstagen sowie Sturmwarnungen, die eine vorübergehende Schließung der Leichtbauhalle erforderlich machten.