Kirche & Kino

Der Ökumenische Filmpreis geht an „Nowhere Special“

Regisseur Uberto Pasolini wird die Auszeichnung beim 12. Kirchlichen Filmfestival in Recklinghausen entgegennehmen. Insgesamt stehen vom 29. September bis zum 3. Oktober 15 „unbequeme“ Spiel- und Dokumentarfilme auf dem Programm.
Uberto Pasolini (r.), hier bei den Dreharbeiten zu „Nowhere Special", wird zum Kirchlichen Filmfestival nach Recklinghausen kommen und dort den Hauptpreis entgegennehmen. © Piffl Medien

Der Ökumenische Filmpreis des 12. Kirchlichen Filmfestivals geht an „Nowhere Special“. Der Regisseur des Dramas, Uberto Pasolini, wird die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung in Form eines Ölbaums am 2. Oktober im Recklinghäuser Cineworld-Kino entgegennehmen. „Wir freuen uns unglaublich, dass er direkt aus Paris anreist“, sagt Michael M. Kleinschmidt, der zusammen mit Horst Walther die künstlerische Leitung des Festivals innehat.

15 „unbequeme“ und im wahrsten Sinne des Wortes diskussionswürdige Spiel- und Dokumentarfilme werden vom 29. September bis zum 3. Oktober beim bundesweit einzigen ökumenischen Filmfestival gezeigt. Wie gewohnt in Recklinghausen – und erstmals auch in Marl.

Ein herzzerreißendes Werk

Dabei sei die Wahl des Siegerfilms eindeutig ausgefallen, so Kleinschmidt. In „Nowhere Special“ sucht der alleinerziehende Vater John (James Norton) die perfekte Familie für seinen vierjährigen Sohn Michael (Daniel Lamont). Denn der in Nordirland lebende Fensterputzer hat Krebs und weiß, dass ihm nur noch wenige Monate bleiben. „Es ist ein filmästhetisch herausragendes, herzzerreißendes Werk, das das Publikum begeistern und zu Tränen rühren wird“, denkt Kleinschmidt. Pasolini stehe für eine leise Poesie, zeige immer wieder einfache Menschen in ihrem Bemühen, mit dem Leben zurecht zu kommen.

Sie organisieren das 12. Kirchliche Filmfestival und freuen sich darauf: Kai-Uwe Theveßen (Theaterleiter Cineworld), Harald Wagner, Michael M. Kleinschmidt, Marc Gutzeit, Julia Borries (alle Festivalleitung) und Roland Wanke (Pfarrer Pauluskirche Marl, v.l.). © Meike Holz © Meike Holz

Überhaupt hat Kleinschmidt beobachtet, dass sich in diesem Herbst viele neue Filme mit dem Zustand der Familie beschäftigen – und dabei teilweise auch ein neues Bild der Väter zeigen. So wie „Otac“: Hier kämpft der Titelheld um das Recht, seine eigenen Kinder großzuziehen – und gegen die Ungerechtigkeit einer feindlichen, korrupten Gesellschaft. Beim Filmfestival am 1. Oktober im Cineworld-Kino zu sehen.

Junge Klimaaktivisten kommen zu Wort

Als zweites großes Thema dieses Herbsts hat Kleinschmidt die Klimagerechtigkeit und den Jugendprotest ausgemacht: „Dazu gibt es eine Reihe von neuen Filmen. Wir zeigen den vielleicht spektakulärsten: ‚Now!‘.“ In der Dokumentation von Regisseur Jim Rakete und Drehbuchautorin Claudia Rinke kämen junge Klimaaktivisten zu Wort, „die sagen, dass es Zeit ist zu handeln: now“.

Mit dem Dokumentarfilm wird das Festival offiziell eröffnet – und zwar am 29. September im Beisein von Rinke in der Marler Pauluskirche. In der „Bergbau-Kirche“, die für kulturelle Veranstaltungen bekannt ist und nach einer Modernisierung jetzt auch über die technischen Voraussetzungen für ein derartiges Film-Event verfügt, werden noch zwei weitere Filme zu sehen sein. Die anderen Veranstaltungsstätten sind neben dem Cineworld als Festival-Kino die Kunsthalle, die Stadtbibliothek und die Christuskirche in Recklinghausen. „Wir vergrößern uns und gehen weiter in die Fläche“, sagt Marc Gutzeit, der gemeinsam mit Julia Borries, Harald Wagner und Joachim van Eickels das Festival als Veranstalter leitet.

Kinderfilmpreis für die „Sommer-Rebellen“

Insgesamt werden drei Auszeichnungen verliehen. So erhält „Ein bisschen bleiben wir noch“ den Jugendfilmpreis und „Sommer-Rebellen“ den Kinderfilmpreis „Der grüne Zweig“. Ziel bleibt es, dass zu jeder Vorführung ein Filmschaffender zur Diskussion erscheint. „Und wir sind zuversichtlich, dass das auch klappt“, so Borries.

„Die Welt ist dann wieder zu Gast in Recklinghausen“, sagt Kleinschmidt mit Blick etwa auf den serbischen Regisseur Srdan Golubović, der zu seinem Film „Otac“ anreisen wird.

Die große Party am Samstagabend muss diesmal ausfallen – wegen der Corona-Pandemie. Allerdings wird es am Mittwoch, Freitag und Samstag drei Sekt-Empfänge vor der Pauluskirche in Marl bzw. dem Erich-Klausener-Haus in Recklinghausen geben.

Der Vorverkauf startet am kommenden Montag, 6. September. Eintrittskarten gibt es unter anderem über den jeweiligen Veranstaltungsort. Mehr zum Programm und zu den Tickets:

www.kirchliches-filmfestival.de

Daten und Fakten

Das Programm des 12. Kirchlichen Filmfestivals (29.9 – 3.10.21)

  • Ökumenischer Filmgottesdienst, So., 26.9., 18 Uhr, Christuskirche, RE
  • Now!, Mi., 29.9., 19.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Woman, Do., 30.9., 16.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Je suis Karl, Do., 30.9., 19.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Ein bisschen bleiben wir noch, Fr., 1.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Vater – Otac, Fr., 1.10., 20 Uhr, Cineworld, RE
  • Kippa und Masel Tov Cocktail, Kurzfilme, Sa., 2.10, 14 Uhr, Cineworld, RE
  • Sommer-Rebellen, Sa., 2.10, 14.30 Uhr, Cineworld, RE
  • Die jungen Kadyas, Sa., 2.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Nowhere Special, Preisträgerfilm, Samstag, 2.10., 19.45 Uhr, Cineworld, RE
  • Die Falken, So., 3.10., 11 Uhr, Stadtbibliothek, RE
  • Mary Bauermeister und Drei Fotografinnen, So., 3.10., 12 bzw. 16 Uhr, Kunsthalle, RE
  • Gloria Mundi, So., 3.10., 14 Uhr, Cineworld, RE
  • Wanda, mein Wunder, So., 3.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Das neue Evangelium, So., 3.10., 20 Uhr, Cineworld, RE
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