Gegen die Unfallgefahr

Der holländische Griff – eine einfache Hilfe

Immer wieder verletzen sich im Kreis Recklinghausen Radfahrer, weil sie mit sich öffnenden Türen von parkenden Autos kollidieren. Ein Trick kann hier die Verkehrssicherheit erhöhen.
„Dooring“-Unfall: Solche brenzligen Situationen für Radfahrer gibt es immer wieder im Kreis Recklinghausen. © dpa

Eine Radfahrerin ist am Straßenrand unterwegs, fährt von hinten an einer Reihe von Autos vorbei, die auf dem Parkstreifen stehen. Plötzlich öffnet sich eine Wagentür direkt vor ihr, die Radfahrerin kann nicht mehr ausweichen, es kommt zur Kollision. „Solche Unfälle passieren leider immer wieder“, sagt Andreas Lesch. „Und da die offene Autotür den Radfahrer manchmal sehr abrupt stoppt, kann es hier auch durchaus zu schweren Verletzungen kommen“, fügt der Sprecher der für den Kreis Recklinghausen und Bottrop zuständigen Polizei hinzu.

Der Grund für das „Dooring“ – ein Unfall, bei dem ein aussteigender Autofahrer die Tür öffnet und dadurch den Sturz eines Radfahrers verursacht – ist häufig der fehlende Schulterblick des Pkw-Fahrers, so wird der Radler übersehen. Experten empfehlen hier als Hilfe den sogenannten holländischen Griff: Dabei öffnet der Fahrer die Autotür mit der rechten Hand – statt mit der näheren linken. So dreht sich der Oberkörper des Fahrers gezwungenermaßen nach linkshinten, es kommt zum Schulterblick und ein vorbeifahrender Radler gerät in den Blickwinkel des Pkw-Fahrers.

Automatischer Schulterblick mit holländischem Griff

„Das ist eine gute und einfache Hilfe. Hat man sich den holländischen Griff angewöhnt, macht man den Schulterblick automatisch, kann ihn nicht vergessen“, sagt Jörg Knoblauch. Der Recklinghäuser Fahrlehrer erläutert: „Wenn man frisch den Führerschein gemacht hat, hat man den Schulterblick parat. Aber das schläft irgendwann ein. Und durch den holländischen Griff ist der Schulterblick automatisch mit drin.“

Ginge es nach dem Willen des 61-Jährigen, würde der „Dutch Reach“ („Niederländischer Griff“) in Deutschland Pflicht: „Das wäre sinnvoll, weil er der Verkehrssicherheit dient.“ Hier sei zwar der Schulterblick vor dem Aussteigen vorgeschrieben, nicht aber der holländische Griff.

In den Niederlanden ist der Griff weit verbreitet, in anderen Ländern wurde er vereinzelt in offizielle Empfehlungen zum Straßenverkehr aufgenommen. Jörg Knoblauch bringt seinen Fahrschülern auf jeden Fall den holländischen Griff bei und auch angehende Fahrlehrer weist er in seiner Ausbildungsfahrschule auf die sinnvolle Hilfe hin – für Fahrer mit der rechten, für Beifahrer mit der linken Hand.

Die Polizei gibt weitere Verhaltens-Tipps

Andreas Lesch befürwortet ebenfalls den Trick zum automatischen Schulterblick. Und der Polizeisprecher gibt weitere Hinweise, um das „Dooring“ zu verhindern. „Die Autofahrer sollten schon bei der Anfahrt zu ihrem Parkplatz darauf achten, ob sie Radfahrer überholt haben, die dann gleich am eingeparkten Auto vorbeifahren könnten. Zudem sollten sie die Autotür langsam aufmachen, nicht aufreißen. So können mögliche Radfahrer gewarnt werden.“

Zudem weist Lesch darauf hin, dass Autofahrer vor dem Aussteigen natürlich auch in den Seitenspiegel schauen müssen. „Bei manchen Fahrzeug-Modellen gibt es allerdings das Problem, dass sich der anklappbare Seitenspiegel bereits vor dem Aussteigen einfährt“, warnt der Sprecher.

„Der Radfahrer ist in aller Regel nicht schuld“

„Doch auch die Radfahrer können etwas tun, um die Unfallgefahr zu verringern. Wenn zum Beispiel ein Auto erst gerade eingeparkt hat, sollte man mit der Tür-Öffnung rechnen. Zudem kann man versuchen zu schauen, ob jemand im parkenden Wagen sitzt“, rät Andreas Lesch. „Auch die Radfahrer haben eine Sorgfaltspflicht“, bestätigt Fahrlehrer Jörg Knoblauch. So sollten sie zum Beispiel versuchen, einen möglichst großen Abstand zu parkenden Autos zu halten, um die Unfallgefahr zu verringern. Andreas Lesch stellt allerdings klar, dass beim „Dooring“ der Radfahrer in aller Regel nicht schuld ist: „Der Fehler liegt normalerweise beim Aussteigenden.“

Und mit Blick auf eine oft große Anzahl parkender Autos, abgedunkelte Pkw-Scheiben und wenig Platz zum Ausweichen – zum Beispiel an aufgemalten Fahrrad-Schutzstreifen – ergänzt der Polizeisprecher: „Der Radfahrer hat oft keine Chance, schnell genug zu reagieren.“

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