Rundgang durch den Wald

Von Dürre bis Diebstahl: Der Katzenbusch leidet

Vor zwei Jahren musste der Katzenbusch gesperrt werden, weil Bäume wegen der anhaltenden Dürre abgestorben waren und auf Wege zu stürzen drohten. Wie geht es dem Wald heute?
Eine Gruppe Hertenerinnen und Hertener nutzt die Gelegenheit, vom Baumsachverständigen der Stadt, Lars Kuhnt, mehr darüber zu erfahren, wie es den Bäumen im Katzenbusch geht. © Jörg Gutzeit

Wer dieser Tage durch den Katzenbusch spaziert, könnte meinen, dort sei alles in bester Ordnung: An allen Ecken und Enden sprießt und wächst es, die Natur hat in den vergangenen Wochen viel Wasser bekommen, auf den ersten Blick sieht alles grün und vital aus. Doch wer genauer hinsieht, erblickt einen Wald, der leidet.

Vor zwei Jahren musste die Stadt den Katzenbusch sperren, weil die Dürre zu einem Buchensterben geführt hatte. Mehr als 40 Bäume mussten gefällt werden.

Damals hatten die Fachleute prognostiziert, dass es dabei wohl nicht bleiben wird. Nun konnten Bürgerinnen und Bürger sich aus erster Hand über die Entwicklung informieren: Die Stadtverwaltung hatte zu einem Rundgang mit dem Sachgebietsleiter Baummanagement beim Zentralen Betriebshof, Lars Kuhnt, geladen. Der südliche Teil des Katzenbuschs – der zwar Volkspark heißt, jedoch rechtlich als Wald firmiert – ist in städtischer Verantwortung. Für den nördlichen Teil ist der Regionalverband Ruhr zuständig. Ein gutes Dutzend Hertenerinnen und Hertener nutzte die Gelegenheit.

„Dem Katzenbusch geht es schlechter. Das befürchtete Szenario ist eingetroffen: Dass noch mehr Bäume abgestorben sind“, sagt Lars Kuhnt während des Rundgangs. Es trifft vor allem die Buchen. Deren Bestand ist in den vergangenen Jahrzehnten schon um gut die Hälfte geschrumpft und wird es weiter. „In den kommenden zehn, fünfzehn Jahren wird sich der Buchenbestand drastisch reduzieren.“ Vor allem trifft es die Alten – 25, 30 Meter hohe und mehr als 150 Jahre alte Baumriesen. Auch wenn der Boden mittlerweile wieder bis zu einer Tiefe von etwa zwei Metern durchfeuchtet ist: „Ein feuchter Sommer hilft den alten Buchen nicht“, erklärt Kuhnt.

Besonders die Buchen leiden: Hier ist eine Buche bereits abgebrochen, der ZBH wird vier weitere Bäume aus Sicherheitsgründen fällen lassen müssen.
Besonders die Buchen leiden: Hier ist eine Buche bereits abgebrochen, der ZBH wird vier weitere Bäume aus Sicherheitsgründen fällen lassen müssen. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Zu sehen ist das an mehreren Stellen: Nahe dem Fußweg zur Kampfbahn steht eine große, fast kahle Buche. Ein Stück weiter im Wald liegt auf einer Fläche eine abgebrochene Buche, das Totholz dient Käfern, Insekten, Pilzen, aber auch Spechten oder Fledermäusen als Lebensraum. Vier Buchen hier tragen kaum noch oder gar kein Laub mehr. Gut 20 solcher Buchen werden ab Ende September im Katzenbusch gefällt werden müssen, denn sie stehen so, dass sie auf die Wege stürzen könnten. Das darf nicht passieren. „Wir haben hier die Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Lars Kuhnt. Große, alte Bäume fällen zu lassen, fällt ihm nicht leicht: „Mein Ziel ist es, Bäume zu erhalten.“

Diese Roteichen-Allee im Katzenbusch hat unter den Bauarbeiten am Sportplatz gelitten. Mit einer Baumschutzsatzung hätte man für die Ausführung der Arbeiten Auflagen machen können.
Diese Roteichen-Allee im Katzenbusch hat unter den Bauarbeiten am Sportplatz gelitten. Mit einer Baumschutzsatzung hätte man für die Ausführung der Arbeiten Auflagen machen können. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Bauarbeiten machen Roteichen das Leben schwer

Eine erhaltende Maßnahme wird demnächst am Sportplatz erforderlich. Neben der Zufahrt steht eine kleine Roteichenallee, ca. 25 Meter hohe, etwa 80 Jahre alte Bäume. Bis vor wenigen Monaten war dort noch eine Baustelle. Die Lagerung von Baumaterial, das Herumfahren von Radladern, das Aufstellen mobiler Toiletten im direkten Umfeld der Bäume habe denen nicht gutgetan, erklärt Lars Kuhnt. „Ökologische Baubegleitung ist hier leider nicht passiert. Das ist das Ergebnis.“ Der Boden ist extrem verdichtet, in den Bäumen ist viel Totholz, ihre Kronen sind licht. Der Boden müsste aufgelockert werden, damit Wasser besser versickern kann. Auch spezielle Pilze könne man einbringen, um das Wachstum der Bäume anzuregen. „Hätte eine Baumschutzsatzung etwas geändert?“, fragt eine Frau. Mit einem Regelwerk hätte man zumindest Auflagen machen können – etwa, dass entlang der Bäume Bauzäune aufgestellt werden und der Bereich nicht befahren werden darf, erklärt der Baumsachverständige. „Ohne eine Baumschutzsatzung haben wir keine Handhabe.“

Diese Fläche hat der ZBH mit Eichen und Hainbuchen aufgeforstet. Allerdings sind die Eichen mittlerweile in der Überzahl. Nicht wegen Darwin, sondern wegen Dieben.
Diese Fläche hat der ZBH mit Eichen und Hainbuchen aufgeforstet. Allerdings sind die Eichen mittlerweile in der Überzahl. Nicht wegen Darwin, sondern wegen Dieben. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Auch vor dreisten Diebstählen ist ein Wald nicht gefeit: Auf einer Fläche, die vor wenigen Jahren vom ZBH aufgeforstet wurde, befanden sich vor zwei Jahren noch viele kleine Eichen und viele kleine Hainbuchen. Die Eichen sind mittlerweile ein gutes Stück gewachsen, doch viele Hainbuchen sind verschwunden: Sie wurden rausgezogen. Der Diebstahl ist bei Pflegemaßnahmen aufgefallen.

Positives Beispiel einer Durchforstung

Durchforstungsmaßnahmen werden oft kritisiert, doch Lars Kuhnt zeigt im Katzenbusch ein positives Beispiel: Auf einer Fläche, der man vor fünf Jahren Bäume entnommen hat, wachsen Eschen, Erlen, Eichen und Hainbuchen dicht belaubt in den Himmel. Sie haben jetzt mehr Licht, mehr Platz. Und Eichen scheinen dem Fachmann zufolge mit den Gegebenheiten im Katzenbusch und den sich verändernden klimatischen Bedingungen besser klarzukommen.

„Der schönste Baum im Katzenbusch“, findet Ralph Bernatz vom Nabu Herten. Leider geht es auch der imposanten Hainbuche nicht gut. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Claudia Stratmann (57) war schon vor zwei Jahren beim Rundgang dabei, möchte Soll und Ist vergleichen. „Leider Gottes sind weiter Bäume abgestorben. Ich sehe aber auch, dass man bedacht ist, viel vom Altbestand zu erhalten und viel Junges nachpflanzen möchte. Was ich gut finde: Dass man unterschiedliche Baumarten ausprobiert, die dem Klimawandel angepasster sind.“ Lösungsorientiert statt problemorientiert an Dinge heranzugehen, das findet die Süderin gut.

Die Gruppe erreicht eine imposante Hainbuche, etwa 60 bis 70 Jahre alt dürfte sie sein. „Der schönste Baum im Katzenbusch“, findet Ralph Bernatz vom Hertener Nabu. Leider nur auf den ersten Blick. Der zweite zeigt: Die Krone ist nicht so dicht, wie sie sein sollte. „Der Baum hat ein Problem“, sagt Lars Kuhnt -möglicherweise eine Folge der Dürre. Maßnahmen müssen hier aktuell jedoch keine ergriffen werden.

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