Hertener Landwirte warten sehnsüchtig auf beständiges Wetter

Liebe Sonne, komm und scheine…

Die Kartoffeln mögen die nasse Witterung, das Getreide muss vor der Ernte dringend trockener werden. Und dann beschert der Dauer-Regen den Landwirten noch ein ganz anderes Problem.
Hier muss per Hand gezupft werden: Die feuchte Witterung lässt Unkraut und Wildkräuter auf den Erdbeerfeldern von Jörg Schulte-Scherlebeck sprießen. Rund zehn Hektar müssen mühsam gereinigt werden. © Meike Holz

Am Mittwoch hatte Karl Godde Glück, seinen Hafer konnte er zwischen zwei Regenschauern dreschen. 15 Prozent Feuchtigkeit darf das Getreide haben. „Wir lagen gerade noch im Grenzbereich.“ Trotzdem wartet der Landwirt wie seine Kollegen sehnsüchtig auf einige trockene Tage in Folge, um den Weizen zu ernten. Nach dem Starkregen mit 60 Liter Wasser pro Quadratmeter musste er kürzlich sogar einen Mähdrescher mit Kettenantrieb einsetzen, um auf dem nassen, weichen Boden seiner Felder vorwärtszukommen und nicht im Matsch zu versinken.

Nach drei viel zu trockenen Jahren haben die Hertener Felder diesmal reichlich Wasser bekommen. In der Wachstumsphase war das auch in Ordnung; nur jetzt, wo es an die Ernte geht, müsste die Sonne die Pflanzen dringend trocknen. Stattdessen schüttet es immer wieder von oben nach. Roggen und Weizen sind reif und beginnen langsam auszuwachsen, was die Qualität mindert. Und wenn die Sonne partout nicht scheinen will, muss ein maschineller Getreidetrockner helfen. Das kostet Geld – die Regel ist ein zehn- bis 20-prozentiger Verlust -, macht Arbeit, kurz: Das wünscht sich keiner.

Ende August Kartoffeln selber sammeln

Auch Dirk Feldhaus konnte seine Wintergerste trocken ernten. „Das ist in der Landwirtschaft immer wieder Glückssache.“ Seinem Mais, den Bohnen und Kartoffeln habe der Regen bisher gut getan. Nur wenn’s arg zu nass wird, könne sich an Kartoffeln ein Pilz ausbreiten und die Erdäpfel faulen lassen. Bei seinem Boden habe er diese Probleme aber zurzeit noch nicht. Weil das Frühjahr zu kalt war, ist das Gemüse 14 Tage in Verzug. Ende August, schätzt Dirk Feldhaus, können bei ihm wieder Kartoffeln selbst gesammelt werden, auch Zuckermais und Bohnen können selbst gepflückt werden. Wer „Rücken“ oder keine Lust dazu hat, wird im Hofladen fündig.

Landwirt Karl Godde musste nach dem Starkregen bei der Ernte einen Mähdrescher mit Kettenantrieb einsetzen, um nicht im nassen, weichen Boden auf dem Feld zu versinken.
Landwirt Karl Godde musste nach dem Starkregen bei der Ernte einen Mähdrescher mit Kettenantrieb einsetzen, um nicht im nassen, weichen Boden auf dem Feld zu versinken. © Privat © Privat

Den gibt es auch bei Karl Godde sowie bei Heiner und Jörg Schulte-Scherlebeck. An der Marpenstraße 29 in Disteln werden Milch, Eier, Erdbeeren etc. per Selbstbedienung verkauft, an der Scherlebecker Straße 435 in der klassischen Direktvermarktung. Dazu kommt bei den Schulte-Scherlebecks eine eigene Hof-Gastronomie. Momentan wandert der Blick auch hier immer wieder gen Himmel. Während die nasse Witterung den Landwirt bei der Ernte der Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, aktuell in die Warteschleife schickt, beschert der Regen Jörg Schulte-Scherlebeck an anderer Stelle viel Zusatzarbeit. „Nicht nur das Gemüse, sondern auch das Unkraut wächst leider sehr gut.“

Der Regen lässt nicht nur das Gemüse wachsen, auch das Unkraut sprießt auf den Hertener Feldern.
Der Regen lässt nicht nur das Gemüse wachsen, auch das Unkraut sprießt auf den Hertener Feldern. © Meike Holz © Meike Holz

Unkraut wuchert in den Erdbeer-Feldern

Die ersten Erdbeer-Felder haben der Landwirt und seine Mitarbeiter schon mühsam gesäubert, wohlgemerkt: per Hand. Denn die Maschinen können nur zwischen den Reihen fahren. Alles, was zwischen den Pflanzen sprießt, muss mit der Hand gezupft werden. Bei zehn Hektar Erdbeeren geht so viel Zeit verloren. Danach warten die Buschbohnen mit dem gleichen Prozedere. Nur gut, dass auch Junior Jan-Hendrik Schulte-Scherlebeck in der Erntezeit mit Hand anlegt. Der 27-Jährige wird nach seinem Agraringenieur-Studium Ende des Jahres in den Betrieb einsteigen.

„Wir brauchen jetzt dringend drei, vier Tage Sonne am Stück, um das Getreide trocken einfahren zu können.“ Die Wetter-App lässt Jörg Schulte-Scherlebeck gerade hoffen. In der nächsten Woche scheint der Regen etwas Pause zu machen.

„Keine Frage: Der Klimawandel wird uns Landwirte weiter beschäftigen und für viel Arbeit sorgen.“ Aber mit Blick auf die Opfer der Flutkatastrophe im Rheinland seien die eigenen Probleme zurzeit geradezu harmlos, sagt Dirk Feldhaus und spricht seinen Kollegen damit aus der Seele.

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