Anfrage der Linken an die Stadt

Laptops für Hertener Schüler kommen erst kurz vor den Ferien

Während des monatelangen Distanzlernens sollten mehr als 1000 digitale Endgeräte benachteiligten Kindern helfen. Jetzt, wo sie endlich kommen, ist das Distanzlernen vorbei.
Schüler arbeiten an Laptops (Symbolbild).
Schüler arbeiten an Laptops (Symbolbild). © picture alliance / dpa

Monatelang hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr gezögert, Laptops und/oder Tablet-Computer für die Hertener Schüler/innen und Lehrer/innen zu beschaffen. In der Corona-Pandemie hätten insbesondere Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen Familien diese Geräte dringend benötigt, um während der langen Phasen des Distanzlernens gut mitarbeiten und sich am Video-Unterricht beteiligen zu können.

Mitte Juni sollen die bestellten Geräte nun tatsächlich zum Ausleihen an die Schüler zur Verfügung stehen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Denn der besagte Distanzunterricht endete gestern. Ab Montag gehen alle Schüler wieder in die Schulen.

„Da wurde in Herten wirklich viel Zeit verschenkt“

„Unbefriedigend“ nennt die Vorsitzende der Ratsfraktion der Linken, Martina Ruhardt, diese Informationen aus dem Rathaus. Die Linke hatte eine Anfrage an den Bürgermeister gerichtet, um den aktuellen Sachstand zu erfahren.

„Frühestens Mitte Juni und damit kurz vor den Sommerferien und nach Brechung der dritten Infektionswelle werden die Geräte ausgeliefert“, fasst Martina Ruhardt zusammen. „Da wurde in Herten wirklich viel Zeit verschenkt, um bedürftigen Schülerinnen und Schülern in der langen Zeit der Pandemie wenigstens etwas mehr Unterstützung zukommen zu lassen.“

685 Zuschuss-Anträge beim Jobcenter

Wie groß die Bedürftigkeit tatsächlich war und ist, belegen Zahlen des Hertener Jobcenters: 685 Familien, die auf „Hartz IV“ angewiesen sind, haben dort Zuschüsse für digitale Endgeräte beantragt. Je nach Bedarf wurden jeweils zwischen 150 und 400 Euro gewährt.

Bürgermeister Matthias Müller brachte unmittelbar nach seinem Amtsantritt Anfang November das Ausschreibungsverfahren für die Geräte auf den Weg. Die Bestellung erfolgte im Januar 2021. Inzwischen hatten jedoch Schulen im ganzen Land Bestellungen aufgegeben, sodass die Hersteller kaum nachkamen. Mittlerweile sind erste Geräte in Herten eingetroffen, auch Dienstgeräte für Lehrer. Doch der Großteil steht noch aus.

Zuteilung nach Schülerzahl, nicht nach Bedarf

Dabei geht es zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht um eine Vollversorgung, sondern ausdrücklich um eine begrenzte Anzahl von Leihgeräten speziell für sozial benachteiligte Kinder, denen zu Hause sonst kein Computer zur Verfügung steht. Doch da gibt es einen Aspekt, den Martina Ruhardt „besonders unbefriedigend“ findet.

So hat die Stadtverwaltung ihr mitgeteilt, dass die Zuteilung der Laptops und iPads an die Schulen nicht nach dem tatsächlichen Bedarf erfolgt, sondern sie orientiert sich schlicht an der Schülerzahl (siehe Info-Anhang). So erhält zum Beispiel die Grundschule Herten-Mitte trotz des überdurchschnittlichen Anteils an benachteiligten Kindern – auch aus Flüchtlingsfamilien – dieselbe Anzahl von Geräten wie die Distelner Goetheschule. Das Gymnasium mit – laut Schulleitung – überschaubarem Bedarf erhält 144 Geräte, die deutlich größere Rosa-Parks-Schule mit höherem Bedarf gerade mal 30 Geräte mehr.

Abfrage nötig, „um planvolles Handeln zu ermöglichen“

Die Erklärung der Stadtverwaltung: „Eine Abfrage an den Schulen zur Bedarfsermittlung ist nicht erfolgt, weil die Angaben seitens des Schulträgers nicht überprüfbar wären.“ Linke-Fraktions-Chefin Martina Ruhardt findet diese Aussage irritierend: „Unterstellt die Stadtverwaltung hier, dass bei einer solchen Bedarfseinschätzung die Schulleitungen bewusst überhöhte Zahlen melden? Es ist doch wichtig, zumindest überschlägig einen Wert zu haben, der besagt, wie groß der Bedarf an den einzelnen Schulen ist, um weiteres planvolles Handeln zu ermöglichen.“ Aufklärung gibt es womöglich in der Ratssitzung am 30. Juni.

Zuteilung der digitalen Endgeräte an die Schulen

(Quelle: Stadt Herten)

Grundschulen

– Barbaraschule: 35

– Comeniusschule: 46

– Goetheschule: 52

– GS Herten-Mitte: 52

– Ludgerusschule: 33

– Martinischule: 40

– Süder Grundschule: 67

– Waldschule: 39

Weiterführende Schulen

– Rosa-Parks-Schule: 174

– Städt. Gymnasium: 144

– Willy-Brandt-Schule: 105

– Martin-Luther-Schule: 80

Förderschule

– Achtenbeckschule: 34

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