Streetworker, Schulneubauten, Scherlebecker Markt – keine guten Nachrichten in dieser Woche

Redaktionsleiter
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter „Hertener Allgemeine“
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter "Hertener Allgemeine"
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Bereits seit dem 1. September sollten sich Streetworker um benachteiligte oder auffällige Jugendliche kümmern, vor allem in Herten-Mitte und -Süd. Der Bedarf ist groß, das betont auch der Bürgermeister. Ein Träger war bereits gefunden, bekam am 18. August eine Zusage, stand mit Personal in den Startlöchern, kassierte jedoch am 30. August plötzlich eine Absage – und verstand die Welt nicht mehr.

Der städtische Rechtsdezernent Dr. Oliver Lind argumentiert jetzt, die vom „Verein für Jugendheime e.V.“ als Zuschlag interpretierte Zusage sei nur eine „informelle E-Mail“ gewesen. Also nicht rechtsverbindlich. Und die regionale Suche nach einem Träger, wie das Hertener Jugendamt sie durchgeführt hat, sei nicht statthaft. Eine europaweite Ausschreibung wäre nötig gewesen.

Streetworking: Es bleiben Fragen unbeantwortet

Das mag sachlich betrachtet alles korrekt sein. Jedoch drängen sich Fragen auf, die im Rathaus bisher niemand beantwortet. Wieso sucht das Jugendamt – salopp gesagt – auf dem kurzen Dienstweg Bewerber für einen 750.000-Euro-Auftrag? Wieso ist bei solchen Vergabeverfahren die städtische Vergabestelle nicht von Anfang mindestens in beratender Funktion eingebunden? Und hat der „Verein für Jugendheime e.V.“ nicht doch sehr wohl darauf vertrauen dürfen, dass die Zusage per E-Mail vom 18. August verbindlichen Charakter besitzt? Immerhin stand schon in den Unterlagen, die der Jugendhilfeausschuss des Rates am 1. Juni beschlossen hatte, genau dieser Ablauf: Rückmeldung an die Bewerber spätestens am 18. August, möglicher Start des Streetworkings am 1. September. Nachdem Teil 1 erfüllt war, schien der Rest nur noch eine Formsache zu sein.

Dass sich die Stadtverwaltung jetzt auf den Standpunkt zurückzieht, es habe ja keinen rechtsverbindlichen förmlichen Zuschlag gegeben, ist unangemessen. Die Verwaltung trifft mindestens eine Teilschuld, das sollte sie einräumen. Abgesehen davon ist Porzellan zerschlagen worden. Der „Verein für Jugendheime e.V.“ gehört zur Organisation „Die Falken“, die in Herten (Falkentreff Hermannstraße, Kita Annastraße) und im Kreis Recklinghausen als breit aufgestellter Träger von Kinder- und Jugendeinrichtungen anerkannt ist. So, wie es die Stadt Herten jetzt tut, geht man mit Partnern nicht um.

Doch auch andernorts läuft es nicht rund in Herten. Die Baukosten explodieren, eine ganze Reihe von Vorhaben in Herten steht auf der Kippe. Vordergründig sind es der Neubau der Martinischule und der maroden Sporthalle am Gymnasium – beides langersehnte Projekte. Doch die Situation ist noch viel gravierender.

Aktuell wird darum gerungen, ob an der Backumer Straße ein Feuerwehrhaus entstehen darf. Womöglich dreht sich die Diskussion bald nicht mehr nur um das „Ob“, sondern vor allem um das „Wann“. Es könnten Jahre vergehen, bis das nötige Geld vorhanden ist. Das Gleiche gilt für den Neubau der Süder Grundschule, der eigentlich hohe Priorität genoss.

Und wer weiß, was aus Projekten wird, die nicht in städtischer Zuständigkeit liegen? Ein Beispiel: Würde der Neubau der Eisenbahnbrücke Feldstraße weiter nach hinten verschoben, könnte auch der Bahnhof (Stichwort Aufzugstürme) erst viel später fertiggestellt werden. Hier kommt gerade eine Entwicklung in Gang, deren Fortgang und Ende sich kaum abschätzen lassen.

Apropos Ende. Auf dem vor Corona so lebendigen Scherlebecker Wochenmarkt stehen kaum noch Händler. Hier noch einen einigermaßen vollständigen Einkauf zu erledigen, ist nicht mehr möglich. Das ist sehr schade für das Scherlebecker Zentrum, dem es zeitweise sogar besser ging als jenem in Langenbochum. Doch es besteht Hoffnung. Mit Agostino Lai hat sich ein neuer Händler etabliert, seine sardischen Leckereien kommen bei den Kunden gut an. Ein Signal an potenzielle weitere Marktbeschicker, dass sich ein Versuch lohnen könnte.

Und dann war da noch die Fahrt des gesamten Hertener Gymnasiums nach Sylt. Mehr als 1000 Schüler/innen und Lehrer/innen sind mit einem Sonderzug quer durchs Land ans Meer gefahren, haben im Norden das 120-jährige Schuljubiläum gefeiert und damit Geschichte geschrieben. Eine logistische Meisterleistung, die natürlich nur durch das Zutun vieler möglich geworden ist, aber zurecht auch mit dem Namen von Direktorin Bärbel Schweers verbunden bleiben wird, die nächsten Sommer in den Ruhestand geht.

Schönes Wochenende!