Petition im Internet gestartet

Drogen, Lärm, Müll: Bürgerinitiative wehrt sich gegen Spielplatz-Umbau

Eine Online-Petition sorgt für Diskussionen im Umfeld des Sandwegs in Westerholt. Der dortige Spielplatz soll umgebaut werden. Einige Anwohner wehren sich dagegen - eine Bestandsaufnahme.
So finden die Anwohner den Spielplatz Sandweg in Westerholt morgens häufiger vor. © Oliver Kirch

Leere Wodkaflaschen, Getränkedosen, Pizza-Kartons, aber auch Plastiktütchen, in denen vorher mutmaßlich Drogen waren: All das findet Oliver Kirch laut seiner Aussage regelmäßig, wenn er über den Spielplatz am Sandweg läuft. Der liegt direkt hinter seinem Grundstück. Deshalb startete der Westerholter mit einigen Mitstreitern vor wenigen Tagen eine ungewöhnliche Online-Petition. „STOPPT den geplanten Umbau Spielplatz Sandweg!“, heißt es da in der Überschrift, mehr als 40 Unterzeichner gibt es bereits.

Gegen den Umbau des Spielplatzes am Sandweg in Westerholt gibt es eine Petition. Einer der Initiatoren ist Oliver Kirch.
Gegen den Umbau des Spielplatzes am Sandweg in Westerholt gibt es eine Petition. Einer der Initiatoren ist Oliver Kirch. © Daniel Maiß © Daniel Maiß

„Vorweg: Wir sind keine Kinder-Hasser, ganz im Gegenteil“, betont Oliver Kirch bei einem Vor-Ort-Termin mit der Hertener Allgemeinen (HA). Würde der Spielplatz nur einige neue Geräte für kleine Kinder erhalten, wäre alles in bester Ordnung, so der Anwohner. Aber geplant sei eben ein Unterstand für Jugendliche, eine „Workout-Station“ und ein kleiner Rastplatz direkt am Weg (siehe auch Info). „Mit einem Spielplatz für Kinder hat dies nichts mehr zu tun!“, heißt es wörtlich in der Petition und weiter: „Schon jetzt ist es den Kindern nicht mehr möglich, ohne Begleitung und Angst vor Pöbeleien und Verletzungen auf dem Spielplatz zu spielen!“ Letztlich fordern die Unterzeichner, dass der „Umbau vom Spielplatz zur Erlebnisstätte verhindert wird“ und betonen, dass es bei der Petition nicht um spielende Kinder geht.

Leere Pizza-Kartons, Flaschen und Plastiktütchen, die mutmaßlich Drogen enthielten: All das liegt laut der Anwohner regelmäßig auf dem Spielplatz herum.
Leere Pizza-Kartons, Flaschen und Plastiktütchen, die mutmaßlich Drogen enthielten: All das liegt laut der Anwohner regelmäßig auf dem Spielplatz herum. © Privat © Privat

Beim Vor-Ort-Termin erklärt Oliver Kirch die Probleme. „Es gibt hier eine Gruppe von Jugendlichen, die diesen Spielplatz nutzt, um oft exzessiv zu feiern. Dabei sind sie aber nicht nur laut, sie werden auch aggressiv gegenüber anderen, nehmen Drogen und trinken Alkohol.“

Quer durch alle Gärten über Hecken und Zäune

Gerade nach dem Konsum von Hochprozentigem würden die Jugendlichen dann auch mal die anliegenden Gärten „besuchen“. Zum einen, um dort ihre Notdurft zu verrichten. „Aber es gab auch schon einen Abend, da hat einer der Jugendlichen eine Art Mutprobe gemacht und ist von einem Garten in den nächsten gelaufen – über Zäune und Hecken“, so Oliver Kirch. „Allerdings haben hier fast alle Gärten Kameras.“ Und so wurde an dem besagten Abend die Polizei gerufen.

Das komme häufiger vor, erklärt der Anwohner. Auf Rückfrage bei der Polizei erklärt eine Sprecherin, dass es in den vergangenen drei Monaten drei Einsätze vor Ort wegen Ruhestörung gegeben habe. Und auch wenn die Stadt vor Kurzem ein Verbotsschild aufgestellt hat, das klar besagt, dass zwischen 22 und 7 Uhr Nachtruhe herrscht und Alkohol sowie Zigaretten verboten seien, wären die Jugendlichen laut der Anwohner immer wieder vor Ort – vor allem bei gutem Wetter.

Unlängst wurde ein Schild mit Verboten und Hinweisen aufgestellt.
Unlängst wurde ein Schild mit Verboten und Hinweisen aufgestellt. © Daniel Maiß © Daniel Maiß

„Wir haben ja hier bewusst in zweiter Reihe ein Haus gekauft, um zumindest abends unsere Ruhe zu haben“, erklärt Oliver Kirch. Und genau die sieht er noch massiver in Gefahr, wenn der Umbau so wie bisher geplant über die Bühne gehen würde. Mit seinen Sorgen ist er an die Stadt herangetreten. „Dort zeigte man sich zunächst einmal überrascht, dass es hier vonseiten einiger Anwohner solche Widerstände gibt“, erklärt der Westerholter. In der Folge gab es einen regen schriftlichen Austausch. Als jetzt zusätzlich die Online-Petition gestartet wurde, lud die Stadt für den kommenden Mittwoch, 28. Juli, um 17 Uhr zu einem Treffen vor Ort ein. Mit dabei sein sollen Anwohner, Vertreter des Kommunalen Ordnungsdienstes und der Polizei. Die Verwaltung wird unter anderem von Stadtbaurätin Janine Feldmann vertreten.

Stadt sucht den Dialog mit den Anwohnern

Auf Rückfrage der HA erklärt die Stadt, dass man im Rahmen der Stadterneuerung mit Fördermitteln bei der Neuplanung des Spielplatzes eine Verbesserung schaffen wolle und gute Angebote auch für Familien mit kleinen Kindern ermöglichen möchte. Und so wolle man sich am Mittwoch mit denjenigen austauschen, die Bedenken wegen des Umbaus geäußert haben. In einem Dialog sollen die Entwürfe erläutert und mögliche Perspektiven aufgezeigt werden. Zudem heißt es: „Auch wenn der Spielplatz nicht neugestaltet wird, bleiben vor Ort die Probleme mit einzelnen Jugendlichen, die dort ihre Zeit verbringen, weiter bestehen.“

Mit einem Aushang wird am Spielplatz auf das Treffen am 28. Juli hingewiesen.
Mit einem Aushang wird am Spielplatz auf das Treffen am 28. Juli hingewiesen. © Privat © Privat

Info: Der weitläufige Spielplatz Sandweg liegt direkt am Hasseler Mühlenbach. Durch Fördermittel im Rahmen der „Stadterneuerung Hassel.Westerholt.Bertlich“ stehen nun 200.000 Euro für den Umbau zur Verfügung. Neben der Seilbahn bleiben auch die Klettergerüste und die Bäume erhalten. Die Größe des Spielplatzes biete laut Stadt aber die Möglichkeit für zwei neue Spielanlagen für Groß und Klein. Laut städtischer Homepage soll es für Jugendliche einen Unterstand als Treffpunkt geben, dazu eine „Workout-Station“, u. a. mit verschiedenen Geräten und Anleitungen für entsprechende sportliche Übungen und ein kleiner Rastplatz mit Tisch und Bänken. Das gesamte Gelände steht unter dem Motto „Wilde Wiese“. Passend dazu sollen die Spielgeräte bunt und mit Schmetterlingen, Käfern usw. gestaltet werden. Die Planung durch das Büro „Grünkonzept“ aus Coesfeld soll noch im Sommer 2021 abgeschlossen werden, anschließend wird der ZBH den Bau ausschreiben. Der Umbau soll dann im Frühjahr 2022 erfolgen.

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