Meinung

Ein Stück Halterner Stadt- und Gesellschaftskultur geht verloren

Uli Backmann stellt das Halterner Jahrbuch mangels Mitstreitern ein. Menschen zu finden, die sich für so ein Projekt engagieren, fällt immer schwerer. Das trägt zur Verarmung der Gesellschaft bei.
1987 erschien die erste Ausgabe des Halterner Jahrbuchs. © Daniel Winkelkotte (Archiv)

Das wars: Nach 34 Jahren stellt Uli Backmann die Herausgabe des Halterner Jahrbuchs schweren Herzens ein. In der langen Zeit seit 1987 ist das Jahrbuch zu einer Institution und inzwischen auch zu einer umfangreichen Dokumentation der Halterner Heimatgeschichte geworden. Diese lag und liegt Uli Backmann immer am Herzen, für sie engagierte er sich und investierte viel Zeit. Allein kann er das Projekt aber nicht mehr stemmen und die notwendige Unterstützung fehlt.

Menschen für ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen, das fällt immer schwerer. Und das Jahrbuch ist bei Weitem kein Einzelfall. Vereine, Verbände, Initiativen, viele klagen über Nachwuchsprobleme: Kirchliche Gruppen oder Chöre, wie unlängst der Kolpingchor, lösen sich auf, weil es an jungen Mitgliedern fehlt und vor allem an Menschen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen wollen.

Die Alltagswirklichkeit der Menschen verändert sich, gewachsene Strukturen bleiben dabei auf der Strecke und letztlich verarmt unsere Lebenswelt. Lediglich Projekte auf Zeit finden Mitstreiter, aber wenn es darum geht, sich langfristig zu engagieren, winken alle ab: Keine Zeit! Gegen die Omnipräsenz der digitalen Welten und der sich immer schneller verändernden Freizeittrends hat langfristiges Engagement kaum noch eine Chance. Vielleicht ist ein Halterner Jahrbuch „OId School“, wie man heute sagen würde. Aber wenn es nicht mehr erscheint, bleibt wieder ein Stück gesellschaftlicher Kultur in Haltern auf der Strecke.

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