Familien-Geschichten

Zwei Männer – ein Wort

„Wir sind wie Sterne, nicht immer sichtbar, aber trotzdem jederzeit für einander da“, sind sich die Brüder Franz-Josef und Horst Duschek einig.
Der Kanal gehört zum Leben von Horst (li) und Franz-Josef Duschek. © Martina Bialas

Eine fast poetische Ansage für die beiden coolen Typen, die ganz unterschiedliche Wege gehen. Franz-Josef lag 1964 auf der Wohnzimmercouch und ruhte sich von seinem Arbeitstag aus, als seine Mutter seinen Bruder Horst als Nachzügler im Nachbarzimmer zur Welt brachte. „Ich habe von Anfang an meine Hände über ihn gehalten“, erinnert er sich und Horst nickt bestätigend. Der dritte Bruder im Bunde starb 2015, auch die Eltern sind bereits tot. Ein Grund mehr für das Duo zusammen zuhalten, Streit kennen sie nicht.

Zwölf Jahre bei der Bundeswehr

Franz-Josef verpflichtete sich nach der Knappenprüfung im Bergbau und einem Job als Metallverarbeiter bei Ruhrzink für zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Er lernte die Welt kennen und war unter anderem in Kanada unterwegs, bis er als Hauptfeldwebel seinen Dienst beendete. Er startete mit 35 Jahren eine weitere Ausbildung und kehrte in den Bergbau zurück. Mit 50 Jahren ging es in den Ruhestand, der war für ihn jedoch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Angelverein gegründet

Mit zehn Jahren hatte er bereits seinen Angelschein gemacht und dieses Hobby nie aus den Augen verloren. Er gründete den Verein „Angelfreunde Kanalstadt Datteln 2001“. Bis heute ist er aktiv, im Vorstand mischt er jedoch nicht mehr mit. Das Leben meinte es aber nicht nur gut mit ihm. Als sein Vater und seine Ehefrau starben, suchte er Trost im Alkohol. Mit viel Selbstdisziplin schaffte er die Wende und startete eine echte Karriere als Bodybuilder.

Liebling der Medien

„Das Leben geht weiter, mich kriegt keiner klein“, lautet sein Motto. Auch die Diagnosen Darm- und Prostatakrebs warfen ihn nicht mehr aus der Bahn. Er wurde Liebling der Medien und landete des Öfteren auch im Fernsehen. Die jüngere Konkurrenz staunte, wenn der ältere Herr mit seinen geschmeidigen Posen die ersten Plätze im Wettkampf abräumte. Während der Pandemie ging er nicht auf die Bühne, aktuell überlegt Franz-Josef Duschek neue Einsätze, aber er hat auch eine neue Liebe gefunden, die ihn gut beschäftigt: Dörte Betty von der Frankenhöhe, eine stolze Bullterrier-Dame. „Es sind Hunde mit ganz eigenem Charakter, man muss schwer aufpassen, um bei ihrer Erziehung nichts falsch zu machen“, erklärt Franz-Josef sein Hauptaugenmerk.

Training mit Ralf Möller

Das liegt weiterhin auch auf seinem Bruder Horst. Der ist bereits mit 16 Jahren in Sachen Bodybuilding unterwegs, bringt stattliche 130 Kilogramm auf die Waage und trainierte unter anderem mit dem damals noch unbedeutenden Ralf Möller. Bilder von diesen Trainingseinheiten gibt es keine, Selfies waren noch nicht angesagt. Beruflich zeigte sich der Dattelner wie sein Bruder flexibel. Er wurde Erzieher im Kindergarten St. Barbara, ein Novum in dieser Zeit. Das anschließende Sozialpädagogik-Studium brach er ab, die Hörsäle brachen aus den Nähten. Er startete als Vermessungstechniker durch, bis er sich für zwei Jahre beim Bund verpflichtete. Nach seiner Rückkehr ins Berufsleben stellte er fest, dass auf dem Bau nicht mehr viel los war und er fand mit seinem ausgeprägten Fingerspitzengefühl in einem Steinmetzbetrieb einen Job.

Durch Schlaganfall ausgebremst

Dort blieb er, bis ihn vor vier Jahren ein schwerer Schlagfall ausbremste. Die gesamte linke Seite war taub, auch die Lunge war betroffen. Horst bekam nur noch wenig Luft. Franz-Josef lieh ihm zwei Kurzhanteln und gab ihm Trainingstipps, damit er wieder fitter wurde. Das Herz von Horst gehört seit 45 Jahren der Musik. Jahrzehntelang hat er die Musikszene Dattelns bestimmt, Bands gegründet und mit ihnen die Stadthalle, das Kanalfestival und heimische Kneipen gerockt. In Genthin gab er mit Kollegen nach dem Mauerfall ein großes Konzert. Er spielt Gitarre, Mundharmonika, Schlagzeug und singt. Auf der Beerdigung seiner Mutter übernahm er den musikalischen Part. „Sie wäre stolz auf uns“, sind sich die Brüder sicher.

Zwei Männer, ein Wort

Unvergessen für Horst ist der Besuch seiner Mutter bei einem seiner Rockkonzerte im Jugendzentrum. Für sie wurde schnell eine Sitzgelegenheit organisiert und alle tanzten um sie herum. Horst musste nach der Erkrankung seine Musikgeschichte neu schreiben, viel Üben und andere Techniken waren angesagt. „Das schaffst du!“, bestärkte ihn Franz-Josef. Sie waren als Schlüsselkinder unterwegs, weil ihre Eltern früh für die Familie ein Haus bauten und beide arbeiten mussten. Trotzdem haben sich alle gut im Blick behalten. „Wir sollten unbedingt mal eine Woche mit dem Camper raus, irgendwo in die Natur, nur mit unseren Angeln und meiner Gitarre“, sagt Horst und Franz-Josef nickt zustimmend. Zwei Männer, ein Wort.

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