Knöllchen-Offensive

Wieder Ärger am Datteler Berg II: Bürgermeister verteidigt Kontrollen

Jahrelang habe sich das Ordnungsamt am Datteler Berg II nicht blicken lassen, nun seien die Mitarbeiter Stammgäste und kassieren mächtig ab. Bürgermeister André Dora verteidigt das Vorgehen.
Bürgermeister André Dora (SPD) am Datteler Berg II. Er gibt dem Ordnungsamt in Sachen Knöllchen-Offensive Rückendeckung und weist auf Probleme für Rettungskräfte hin. © Hollenhorst

In den sozialen Medien sorgte der Besuch des Dattelner Ordnungsamtes mal wieder für ein Beben. Angefangen hatten die Kontrollen in der Wohnsiedlung vor einigen Wochen, als zahlreiche Anwohner beim Sonntagsfrühstück von den weißen Zetteln an ihren Fahrzeugen überrascht wurden. Nun waren die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes zur am stärksten frequentierten Zeit in der Wohnsiedlung unterwegs: gegen 21 Uhr in den Abendstunden, wenn die Parkplatznot am größten ist.

Ihre Wut entluden die Anwohner nicht nur im Netz, sie suchten während der Kontrollen den direkten Kontakt zum Ordnungsamt und schilderten ihre Sicht der Dinge. „Wir verstehen es langsam nicht mehr“, sagt Anwohner Maximilian Degen. Mit ungefähr zehn Nachbarn und den Kontrolleuren der Stadt habe er eine „lebhafte Diskussion“ am späten Abend in der Siedlung geführt. Degen hatte an diesem Abend sein viertes Knöllchen binnen weniger Wochen erhalten. „Ich kann bald einen Dauerauftrag einrichten“, sagt er. Seinen Wagen hatte er auf einer Fläche abgestellt, die in der Spielstraße nicht als Parkplatz gekennzeichnet war. „Aber nach neun Uhr findet man einfach keinen Stellplatz mehr“, sagt er. Zwei Nachbarn seien sogar mit dem Ordnungsamt durch die Siedlung gefahren, um die Problematik zu verdeutlichen.

Eine Wohnung, aber drei Autos: Anwohner ratlos

Maximilian Degen ist erst zum Jahresanfang an den Datteler Berg gezogen. Die vierköpfige Familie hat drei Autos, aber nur einen Garagenstellplatz. „Heißt, zwei Autos müssen an der Straße parken“, sagt er. Zudem vermisse Degen das Fingerspitzengefühl bei den Kontrollen. „Ein Nachbar hat ein Knöllchen bekommen, weil er ein paar Zentimeter über der Parkfläche steht“, schildert er. Da müsse man nicht durchgreifen, meint der Anwohner.

Die Stadt und Bürgermeister André Dora (SPD) sehen das anders. Die wiederholten Kontrollen am Datteler Berg II seien darauf zurückzuführen, dass „die Rettungsmannschaft schlichtweg nicht mehr durchkommt“, wenn weiter so geparkt werden würde, erklärte Dora am Mittwoch bei der Online-Informationsrunde des Stadtentwicklungsausschusses. Auch er habe natürlich von den Diskussionen im Netz gehört: „Da ging es schon wieder ab.“ Aber der Bürgermeister fand deutliche Worte zu dem Vorgehen seines Ordnungsamtes. „Ich finde das genau richtig und wir werden das auch weiter machen – in allen Wohnsiedlungen“, erklärte André Dora den über Zoom anwesenden Ausschussmitgliedern. Er stehe komplett hinter den Entscheidungen von Ordnungsamtschef Ralf Feldhaus, ergänzte Dora.

Ausschussmitglied als Anwohner: Rückendeckung für Ordnungsamt

Ausschussmitglied Heinz-Norbert Benterbusch (SPD) ist gleichzeitig auch Anwohner am Datteler Berg. Er schätzt die Situation anders ein als Maximilian Degen und seine Nachbarn. Vor der Hausnummer 58 der Kardinal-von-Galen-Straße sei ein „Knackpunkt“, der noch stärker vom Ordnungsamt im Auge behalten werden müsste, meint Benterbusch. In allen Fahrtrichtungen und außerhalb von Markierungen würde in diesem Bereich geparkt werden. „Zum Großteil sind es Sprinter, die immer größer werden, weniger Autos“, sagt er. Ordnungsamtschef Ralf Feldhaus zeigte sich etwas erleichtert über die Zustimmung des Anwohners: „Der breiten Masse im Internet zur Folge würden wir ja jeden Tag am Datteler Berg sein“, kritisierte er die Anwohnerbeschwerden im Netz.

Auch Anwohner Jörn Hansen hatte sich über ein Knöllchen geärgert. Er hätte auf einer nicht mehr gültigen Parkmarkierung gestanden, zudem mit seinen Reifen leicht über die blasse, weiße Markierung. Hier hat die Stadt bereits nachgebessert: Der Parkplatz soll wieder eingemalt werden. © Meike Holz © Meike Holz

Zustimmung erhielt Benterbusch von seinem Parteikollegen Udo Flötgen: „Wenn wir alle gewerblichen Fahrzeuge aus der Siedlung verbannen könnten, gebe es haufenweise freie Stellplätze.“ Flötgen nannte Firmennamen, von denen er täglich Autos in der Wohnsiedlung sieht. „Die haben selber keine Stellplätze an ihrem Gelände und geben den Mitarbeitern die Fahrzeuge nach Hause mit“, kritisiert er. Auch an weiterer Kritik sparte der SPD-Mann nicht: „Es wäre schön, wenn die Garagen auch als solche genutzt werden und die Anwohner ihre Autos darin abstellen.“ Das sei oftmals nicht der Fall, meint Flötgen.

Stadt Datteln nennt Zahlen: 596 Stellplätze für 324 Wohneinheiten

Die Stadt Datteln untermauert ihren harten Kurs in Sachen Knöllchen-Offensive nun mit Zahlen, die im Zuge einer Anfrage der Dattelner Morgenpost erhoben wurden. 596 Stellplätze gibt es insgesamt am Datteler Berg II. Dieser umfasst folgende Straßen: Kardinal-von-Galen-Straße, Marga-Meusel-Straße, Anton-Jansen-Straße, Dietrich-Bonhoeffer-Straße, Friedrich-von-Bodelschwingh-Straße, Edith-Stein-Straße und Emmanuel-von-Ketteler-Straße. Auf diesen Straßen gebe es laut Stadt Datteln 324 Wohneinheiten. 144 der Gesamt-Stellplätze seien öffentlich, 128 privat. Es gibt ebenso viele Garagenstellplätze wie Wohneinheiten – 324. Die Stadt folgert aus dieser Statistik, dass kein großer Handlungsbedarf am Datteler Berg besteht, zumal die Siedlung Spielstraße bleiben soll, was die Anzahl möglicher weiterer Stellplätze begrenzt. „Die Zahlen sind ja schön, aber sie bringen mir nichts, wenn ich in der Realität um 21 Uhr keinen Parkplatz finde“, nimmt Anwohner Maximilian Degen Stellung.

Automatismen beim Parken am Datteler Berg II: Gegenwind der CDU

Leichten Gegenwind zum städtischen Knöllchen-Kurs gab es im Online-Stadtentwicklungsausschuss vom stellvertretenden Ausschussvorsitzenden André Tost (CDU). Er habe jahrelang in der Siedlung gewohnt, würde sich dementsprechend auch an den Diskussionen in den sozialen Netzwerken beteiligen, sagte Tost. „Natürlich muss die Straßenverkehrsordnung eingehalten werden“, stimmt Tost Bürgermeister André Dora zu, „aber innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben sich Automatismen in der Siedlung gebildet.“ Und diese würden plötzlich mit Knöllchen geahndet werden, moniert Tost. Er gibt ein konkretes Beispiel: „Wenn links neben der Fahrbahn zwei Stellplätze eingezeichnet sind, parken dort aber vier Fahrzeuge, weil es der Platz hergibt.“ Sein Lösungsansatz: „Man könnte doch eine durchgezogene Parkfläche aufmalen. Dann könnten dort so viele Fahrzeuge stehen wie Platz finden“, meint er. Vier große SUV seien vielleicht zu viel, aber wenn vier Smart dort hineinpassen, sollte man dies möglich machen können.

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