Kolumne

Wenn die Ameisen das Krankenhaus verlassen

Unsere Autorin Martina Bialas macht sich jede Woche Gedanken über „Gott und die Welt“. Dieses Mal geht es um ihre Beobachtungen aus dem Homeoffice.
Martina Bialas schreibt jede Woche in ihrer Kolumne über "Gott und die Welt". © Christian Vieler-Kircher

Ich befinde mich noch immer im Homeoffice. Somit ist der Blick aus Fenster meines Arbeitszimmers auf den Park zwischen dem Vincenz-Krankenhaus und dem Elisabeth-Hospiz weiterhin gewährleistet. Der kleine Weg zwischen den Einrichtungen ist abends zu meiner Freude zauberhaft illuminiert und lädt förmlich zu einem Spaziergang ein.

Leider lässt das C-Unwort nur Mitarbeiter und Patienten in die Anlage, mir ist der Zugang durch einen großen Bauzaun seit langer Zeit versperrt. Natürlich eine aktuell sinnvolle Maßnahme, trotzdem schade.

Emsig wie die Ameisen schwirren die Mitarbeiter des Krankenhauses tagsüber durch die Grünanlage. Es gibt die blauen Ameisen, sie zeichnet ihre blaue Hose und ihr blauer Kittel aus. Von ihnen lenkt eine ganz andere Gruppe des staatenbildenden Insekts ab, diese sie trägt weiße Hosen und leuchtend orangefarbene Kittel. Das Blau wirkt gegen diese beiden Frühlingsfarben ein wenig winterlich stumpf, überlege ich jedes Mal, wenn ich über den Bildschirmrand meines Notebooks blicke.

In diesem Park gibt es nichts zu essen

Gestern war ich ein wenig verwirrt, ein einzelnes „Tierchen“ marschierte schwarz-weiß bekleidet den Weg stundenlang hektisch auf und ab. Es konnte sich nur um einen Patienten handeln, der sich ein wenig sportlich bewegen wollte. Oder sollte es sich um einen von der Gruppe abgetrennten Kundschafter handeln? Diese sind stets auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen für den Staat. Aber in diesem Park gibt es nichts zu essen.

Es dauerte nicht lange, und ein olivfarbener Läufer gesellte sich dazu und lief ebenfalls emsig die leichte Anhöhe rauf und runter. Das lenkte fast meinen Blick von einem völlig neuen Duo in der Kombination Weiß-Bordeaux ab. Es nahm auf einer Parkbank für längere Zeit Platz und regte meine Gedanken an. Welche Abteilung des Krankenhauses sollte das sein? Die Komplett-Grünlinge, die hier nur sehr selten auftauchen, sind allseits bekannt. Sie verschmelzen jedes Mal im Park mit der Wiese und den Bäumen wie Chamäleons.

Konnte es sich bei den Trägern der besonderen Farbe Bordeaux, die für Mut und Erhabenheit steht, um Ameisenköniginnen handeln? Aber würden die nicht eher blütenweiß daherkommen? Meine Überlegungen gingen in Richtung Ameisen-Super-Soldaten, aber diese sitzen nicht auf Bänken. Sie blockieren mit ihren Köpfen den Nesteingang und müssten somit eher an dem Bauzaun stehen, um mich mit meinen Spaziergang-Ambitionen abzuwehren.

Geradezu harmlos wirken die gelben gekleideten Ameisen im gleißenden Sonnenlicht, aber auch sie sollte man nicht in ihren Aufgabenbereichen unterschätzen. Ich bin auf jeden Fall sehr beruhigt, so einen großen Ameisenbau in Datteln zu haben. Bis nächsten Mittwoch.

Der Abend in Datteln

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