Wochenkommentar

Was Recklinghausen dem Ostvest voraus hat

Die Impfwoche fiel im Ostvest aus, weil die Bürgermeister die Zuständigkeit beim Kreis sehen. Recklinghausen dagegen organisiert in Eigenregie zusätzliche niederschwellige Impfangebote.
Jörn Tüffers ist Ressortleiter Ostvest. © privat

Ungeheuerliches ist in dieser Woche passiert: Die Stadt Recklinghausen hat den Kreis Recklinghausen verlassen und macht jetzt ihr eigenes Ding! Wie, Sie haben von diesen separatistischen Entwicklungen nichts mitbekommen? Dabei stand es doch groß in unserer Recklinghäuser Ausgabe: „Die Stadt startet eine eigene Impfaktion“.

Okay, lassen wir den ironischen Unterton beiseite und betrachten das, was da in der Nachbarschaft geschieht, ganz nüchtern: Recklinghausen und sein Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) trauen sich etwas oder erkennen eine Notwendigkeit zu handeln, wofür sich seine Amtskollegen in Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick nicht zuständig fühlen. In der Kreisstadt bietet das Rathaus gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariterbund und dem Sozialdienst Katholischer Frauen für Freitag und Samstag dezentrale Impftermine an – in Ergänzung zu denen im Impfzentrum und bei den niedergelassenen Ärzten.

Verweigerer wird das nicht beeindrucken

Mit Flugblättern und Zeitungsanzeigen in acht Sprachen und einem Banner am Zaun des Zentrums ruft die Stadt Recklinghausen Bürger auf, sich impfen zu lassen: die Unentschlossenen, die Zögernden, die Bequemen, die sich vermeintlich sicher Fühlenden.

Zum Glück verzichten die Verantwortlichen im Recklinghäuser Rathaus darauf, Anreize zu schaffen. Denn auch dies wurde hier und da ja erwogen. Ich habe diese Diskussion nicht verstanden und werde sie auch nie verstehen: Welcher Anreiz könnte größer sein, als sich mit Hilfe zweier Piks vor einer schweren, möglicherweise tödlichen Krankheit zu schützen? Von der Verantwortung für die Allgemeinheit ganz zu schweigen.

Aber noch einmal zurück zur Recklinghäuser Initiative. Der Anlass für die Impfoffensive ist natürlich die wieder steigende Zahl der Infizierten und die Ausbreitung der Delta-Variante. Wer verhindern möchte, dass unsere Kinder nach Ende der Sommerferien in dreieinhalb Wochen wieder ins Homeschooling gehen müssen, sollte in der Tat nichts unversucht lassen.

Einfach mal machen!

Genau das tun aber Marcel Mittelbach, André Dora und Carsten Wewers nicht. Die beiden Letztgenannten ließen in der Vorwoche über ihre Sprecher mitteilen, dass Impfen Sache des Kreises sei; aus Waltrop verlautete immerhin, man sei in Absprache mit den Medizinern. Danach ward nichts mehr vernommen. Da sage ich doch: einfach mal machen!

Dann war da noch der Witz der Woche: Unsere Redaktion hatte die Kreisparteien gebeten, ihre Parteispenden offenzulegen. Unter anderem die SPD antwortete nicht. Deren Vorsitzender Frank Schwabe ist sonst immer einer der ersten, der Transparenz einfordert und Reden über korrumpierbare Politiker schwingt. Das kommt künftig vielleicht nicht mehr ganz so glaubwürdig rüber.

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