Wahl-Sonntag

Wahlhelferin aus Selbstverständlichkeit: 83-Jährige zählt Stimmen aus

Mit 83 Jahren ist Christel Reichwald am Sonntag die älteste Wahlhelferin in Datteln. Für sie ist das Ehrensache. Kanzler-Kandidat Armin Laschet (CDU) hat sie mal in Venedig getroffen.
Hunderte Stimmzettel wird Christel Reichwald (83) am Sonntag im Wahllokal am Hagemer Kirchweg auszählen. © Sebastian Balint

Zum sechsten Mal zählt Christel Reichwald (83) am Sonntag Wähler-Stimmen aus. Bei Kommunal-, Landtags- oder Europawahlen stand sie im Wahllokal schon bereit, händigte die Unterlagen aus und achtete auf den korrekten Ablauf, ehe es ans Auszählen ging. Wie immer ist sie am Wahl-Sonntag in der Dependance des Comenius-Gymnasiums zu finden. Ihr Engagement ist für die gebürtige Ostwestfälin selbstverständlich. „Man muss auch mal etwas für andere tun, ich würde es auch umsonst machen“, sagt Christel Reichwald.

Seit 55 Jahren ist die fleißige Wahlhelferin in Datteln beheimatet – ihr Mann Gebhard war jahrelang Leiter der Hauptschule Hachhausen und leitete auch die Volkshochschule. „Ich komme aus Minden, da hat man sich immer engagiert“, sagt sie. Und das habe sich bis heute nicht verändert. So hat sie in der Vergangenheit mehrere afghanische Familien in Datteln unterstützt und den Kindern bei der deutschen Sprache geholfen, sodass sie problemlos durch die Schulzeit gekommen sind und danach eine echte berufliche Perspektive hatten. Darüber hinaus blickt sie auf einen internationalen Freundeskreis, war mit ihrem Mann schon fast in der ganzen Welt zu Besuch und habe sich überall wohlgefühlt, berichtet sie.

Wahlhelferin: Beim Auszählen kann nicht gemogelt werden

Ein weiterer Grund, sich als Wahlhelferin zu melden – neben ihrem generellen Engagement – war der Ablauf der Stimmauszählung: „Ich wollte wissen, ob man wirklich nicht mogeln kann“, sagt Reichwald. Und schnell habe sie herausgefunden: kann man nicht. Um 7.30 Uhr wird die Dattelnerin im Wahllokal am Hagemer Kirchweg ihren Dienst antreten. Gegen Mittag, so hofft sie, wird sie etwas Zeit haben, um einen kurzen Abstecher nach Hause zu machen. Zur heißen Phase der Stimmauszählung wird sie aber natürlich wieder parat stehen.

Mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hatte Christel Reichwald ein ungewöhnliches Erlebnis in Venedig. Mit ihrem Mann besuchte sie – wie schon häufiger zuvor – das traditionelle Neujahrskonzert im Opernhaus der Stadt. Und plötzlich bekam sie mit, wie im Eingangsbereich Armin Laschet mit dem Personal diskutierte, um hineingelassen zu werden. „Er wiederholte immer wieder auf Englisch, dass er deutscher Landespolitiker ist“, erinnert sie sich, „doch die brauchen doch auch eine Karte oder Einladung.“ Die 83-Jährige meint, dass ein italienischer Regional-Politiker, der nach Deutschland kommt, im Zweifel auch nicht wirklich erkannt werde. Den Auftritt des CDU-Kanzlerkandidaten in Venedig bewertet sie rückblickend als unrühmlich.

Der Abend in Datteln

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