Dreißigjähriger Krieg

Vor 375 Jahren: Horneburg brennt – und die Hauptburg fällt für immer

Was heute noch als Schloss Horneburg im historischen Dorf zu sehen ist, ist nur der Ostflügel der Vorburg. Nordwestlich davon lag die größere Hauptburg – bis vor 375 Jahren.
Ein Blick in die Historie: So muss das Schloss Horneburg um 1803 ausgesehen haben. Die Hauptburg war zu dieser Zeit schon Geschichte. © Dorfarchiv Horneburg

Historische Ereignisse gibt es im Dorf Horneburg einige zu feiern. Am Sonntag (25. Juli) jährt sich eines dieser Ereignisse zum 375. Mal, auf das die Horneburger aber gerne verzichtet hätten. Denn während europaweit der Dreißigjährige Krieg tobte, blieben auch die Freiheit Horneburg sowie das Schloss nicht verschont. Im 29. Kriegsjahr wurde die Hauptburg vollständig zerstört – viele Häuser im Dorf brannten ebenso nieder wie das Pastorat und das Kirchendach.

Was wäre heute noch alles über die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg aus Horneburg überliefert, wenn es nicht dazu gekommen wäre? Diese Frage haben sich auch die Mitglieder des Heimatausschusses des Bürgerschützenvereins Horneburg gestellt. Denn die Flammen zerstörten auch das Pfarrarchiv des Dorfes. Viele Niederschriften aus den ersten Jahrhunderten in Horneburg sind den Angriffen zum Opfer gefallen. „Zu dieser Zeit wurde akribisch archiviert“, sagt Wolfgang Wellnitz beim Blick hinter das heutige Schloss Horneburg – dem Standort der ehemaligen Hauptburg. Zusammen mit Dieter Brune, Siegfried Eggenstein und Hans Kuchinke ist er heutzutage für das Dorfarchiv verantwortlich. Vieles wird derzeit digitalisiert. Aus der Zeit vor dem Angriff gibt es vorwiegend nur mündliche Überlieferungen.

Die Dorfarchivare Dieter Brune, Wolfgang Wellnitz, Hans Kuchinke und Siegfried Eggenstein (v. li) stehen vor der Schlossgräfte. Hinter der Uferkurve in der Mitte hat früher einmal die Hauptburg gestanden.
Die Dorfarchivare Dieter Brune, Wolfgang Wellnitz, Hans Kuchinke und Siegfried Eggenstein (v. li) stehen vor der Schlossgräfte. Hinter der Uferkurve in der Mitte hat früher einmal die Hauptburg gestanden. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Und daher gibt es auch zwei Versionen, wie es zu dem tragischen Ende der Hauptburg und dem Feuer im Dorf gekommen war. Sicher ist, dass es die französischen Truppen unter der Führung von Marschall Turenne (Vollständiger Name: Henri de La Tour d‘Auvergne, Victomte de Turenne) waren, die am 25. Juli 1646 durch Horneburg zogen. Gerade hatten die französischen Truppen eine Schlacht bei Hamm-Lünen gegen die kaiserlichen Truppen verloren, während Turenne mit seinem Heer auf dem Weg über den Rhein in Richtung Osten war. Dort wollten sich die Franzosen mit den verbündeten Schweden bei Fritzlar vereinen.

Angriff auf Horneburg: Es gibt zwei Versionen

Bei den Gründen für die Bombardierung der kleinen Burgstadt Horneburg, bestehend aus Hauptburg, Vorburg und Freiheit, gehen die Überlieferungen nun auseinander. Während Turenne seinen Heereszug durch Horneburg führte und – ohne Schaden angerichtet zu haben – weiter in Richtung Recklinghausen aufbrach, sollen die Horneburger vor Freude die Kirchenglocken geläutet haben. Womit sie wohl nicht gerechnet haben: Das Ertönen der Glocken ärgerte die Franzosen so sehr, dass sie kurzerhand umkehrten und ihre Kanonen auf das Schloss richteten und es somit nahezu vollständig zerstörten.

Das Schloss Horneburg heutzutage: Vom ehemaligen Adelssitz ist nur der Ostflügel der Vorburg übergeblieben.
Das Schloss Horneburg heutzutage: Vom ehemaligen Adelssitz ist nur der Ostflügel der Vorburg übergeblieben. © Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

In einer zweiten Version soll die erzbischöfliche Besatzung des Schlosses selber aktiv geworden sein. Denn während die angeschlagenen Franzosen das Dorf passierten, wollten sie wohl die Schwäche der Turenne-Truppen ausnutzen und starteten einen Ausfall auf die abziehenden Franzosen. Der Heeresführer ließ daraufhin das Schloss bombardieren.

Die Hauptburg wurde nie wieder aufgebaut

Fakt ist, die Hauptburg wurde nie wieder aufgebaut. Sie war genauso lang wie der heutige Ostflügel der Vorburg, der als Förderschulinternat vom Kreis Recklinghausen genutzt wird. Während das heutige Schloss aber in der Breite deutlich schmaler ist, war die Hauptburg quadratisch gebaut, heißt ebenso lang wie breit. „Die ganze Konzeption des Dorfes hatte militärische Hintergründe“, erklärt Wolfgang Wellnitz, „es gab zwei Tore, das Lüner und das Recklinghäuser Tor. Dahinter lag die Freiheit. Angreifer mussten dann erst die Vorburg einnehmen, ehe sie zur dahinterliegenden Hauptburg gelangen konnten.“ Laut den Dorfarchivaren konnte sich die Hauptburg komplett eigenständig versorgen, für den Fall, dass die Brücke über die Gräfte zur Vorburg eingefahren werden musste. Über Opfer aus der Bevölkerung Horneburgs liegen im Zusammenhang mit dem französischen Beschuss keine Angaben vor.

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