Stimmen zur Wahl

Von Laschet enttäuscht: Dattelner CDU Chef spricht Klartext

Datteln hat gewählt: SPD-Bundestagskandidat Brian Nickholz zieht in den Bundestag ein. So reagieren die Parteichefs aus der Kanalstadt auf das Wahlergebnis.
Das Briefwahlbüro im Rathaus ist eröffnet. © Kalthoff

Allen Grund zur Freude hat natürlich Dattelns SPD-Chef Pascal Joswig. Immerhin werden Frank Schwabe und auch Brian Nickholz in den Bundestag einziehen. „Die SPD ist klarer Wahlsieger“, sagt Joswig. „Die Deutschen möchten keinen Kanzler Laschet. Ich sehe einen deutlichen Regierungsauftrag.“ Auch die FDP und die Grüne hätten Stimmen gewonnen, im Gegenteil zur CDU, führt er weiter aus. Er glaube, dass eine Koalition mit der FDP und den Grünen möglich sei, zwar verbunden „mit viel Arbeit, aber grundsätzlich möglich“, sagt Joswig. Er gehe davon aus, dass die Grünen ein Problem mit ihrer Basis bekommen würden, sollten sie mit der CDU koalieren.

Bök hofft auf erneute Kandidatur Ehms

Dattelns CDU-Chef Patrick-Benjamin Bök macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Dass die CDU hinter der SPD bleibt, hatte ich mir gedacht“, sagt Bök. „Dass wir noch mal so nah dran kommen, das hätte ich zwar nicht gedacht, dennoch muss jetzt jemand in der Partei Verantwortung übernehmen.“ Es seien weder Lars Ehm als Kandidat noch Corona oder das Klima der Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei verantwortlich. „Es war immer der Kanzler, der uns vorgeworfen wurde, wenn es bei den Wahlveranstaltungen Kritik gehagelt hat. Ich bin von dem Kandidaten Laschet extrem enttäuscht“, macht Bök seinem Ärger Luft. Als Chef der NRW-Landesregierung habe er allerdings nie ein Problem mit Laschet gehabt. Bök hofft nun, dass die CDU nicht den Fehler macht, wie seinerzeit Gerhard Schröder 2005 in der Elefantenrunde, als er meinte, Angela Merkel als Kanzlerin verhindern zu können. Er glaube auch nicht, dass seine Partei in der Opposition untergehen würde. „Das würde uns Zeit verschaffen, intern etwas Hygiene zu betreiben und einige Dinge zu verändern.“

Indes hofft der Dattelner CDU-Chef, dass Lars Ehm in vier Jahren ein weiteres Mal antreten wird. „Ich bin mir sicher, er wäre die bessere Vertretung für uns in Berlin als Brian Nickholz.“ Lars Ehm habe in einer klassischen SPD-Hochburg ein respektables Ergebnis eingefahren. Von einer Klatsche möchte er daher auch nicht reden. Am Dattelner Ergebnis würde ihn allerdings stören, dass AfD und Grüne so nah beieinander liegen. „Da kommt mir die Galle hoch bei der AfD“, wird Bök deutlich.

Linke verzeichnet auch in Datteln hohe Verluste

Die Linke geht als großer Verlierer der Bundestagswahl hervor. Das gilt auch für den Wahlkreis 122 sowie das Ergebnis in Datteln. „Da wird mir angst und bange“, kommentiert Dattelns Linken-Chefin Petra Willemsen auf die herbe Wahlniederlage. Die Gründe sieht sie auf Bundes- und Landesebene. Dort habe es zu viele parteiinterne Kämpfe gegeben und die Partei sei „kaum geschlossen aufgetreten“. Unter anderem habe das an den Diskussionen um die Zukunft von Sahra Wagenknecht gelegen. Auf lokaler und Kreis-Ebene trete die Partei derweil geschlossen auf, betont Willemsen.

Für Grünen-Fraktionschef Dr. Marco Zerwas ist das bundesweite Ergebnis der Partei „absolut erfreulich“. Das Kanzleramt sei vielleicht noch überdimensioniert gewesen, das beste bundesweite Wahlergebnis der Grünen zeige aber, dass Umwelt und Klimaschutz im Bundestag gewünscht sind und beachtet werden sollten. Dass Datteln hinter dem bundesweiten Schnitt liegt, sei für die Region nicht ungewöhnlich. Er hoffe, dass sich nun gute Politik auf Bundesebene auch auf die lokale Ebene überträgt. Dass die AfD mit einem „nicht präsenten Kandidaten“ so gut abscheidet, beunruhigt den stellvertretenden Landrat.

FDP-Vorsitzender Georg Gunnemann freut sich, dass seine Partei bei den Zweitstimmen in Datteln knapp die Nase vor der AfD behalten konnte. Das Ergebnis sei ungefähr auf dem Niveau der vorangegangenen Wahl. Mit Blick auf Landes- und Kommunalwahlen müsse dieser Vorsprung nun weiter ausgebaut werden. Bundesweit freue er sich zwar über das Wahlergebnis, hätte sich aber im Vorfeld mehr als zwölf Prozent vorstellen können.

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