Katielli Theater

Unternehmer hilft Theater-Chef in Krisenzeiten

Gerade die Kulturschaffenden wie Katielli-Theater-Chef Bernd Julius Arends leiden unter Corona. Mit einem ungewöhnlichen Auftrag hat Christian Lamprecht dem Schauspieler geholfen.
Rosaly Oberste-Beulmann, Stefanie Kirsten, Christian Lamprecht, Bernd Julius Arends, und Michael Baute (v.l.) bei den Dreharbeiten im Metallbau-Unternehmen. © Lamprecht

„Ich habe mir am Anfang des Jahres Gedanken gemacht, wie ich meinem Freund Bernd Julius Arends und dem Katielli-Theater helfen kann. Es sollte aber nicht nur eine Finanzspritze sein. Ich wollte das Theater als Kunde unterstützen“, erläutert der Geschäftsführer von Metallbau Lamprecht im Gespräch mit unserer Redaktion.

So kam ihm die Idee, dass Arends und seine Schauspiel-Kollegen für das Unternehmen kurze Clips drehen könnten, die auf den Social-Media-Kanälen ausgespielt werden. Denn diesen Bereich hat Lamprecht bislang noch nicht bespielt.

Unternehmen investiert 8000 Euro

Da das Katielli-Team sich mit Ausnahme einiger Online-Streaming-Angebote seit November im Corona-Pausen-Modus befindet, waren Arends und seine Leute natürlich heilfroh, sich etwas dazu verdienen zu können. Aber vor allem, sie konnten mit dieser ungewöhnlichen Kooperation, in die Christian Lamprecht rund 8000 Euro investierte, auch wieder ihrem Schauspiel-Beruf nachgehen.

Keine Lust auf Imagefilm

Bewusst wollte der Dattelner Unternehmen keinen klassischen Imagefilm produzieren. „Den interessiert sowieso niemanden“, sagt Lamprecht. „Es sollte etwas sein, was vor allem auch die Jugend anspricht, um Lamprecht als Ausbildungsbetrieb wahrzunehmen.“ Und es sollte anders sein als die klassischen Formate und witzig, um junge Leute anzusprechen.

Putzkolonne feudelt durchs Unternehmen

Aber auch dort kam man durch Corona schnell an die Grenzen des Machbaren. „Wir konnten die Schauspieler nicht einfach unter unsere Leute mischen.“ Also musste es etwas sein, was in der Firma stattfindet, diese zeigt, wenn keiner da ist. Beim Brainstorming mit dem Katielli-Chef kam schließlich die Idee auf, dass das Theater-Team eine Putzkolonne spielen könnte, die sich fragt, was hier wohl so passiert, wenn der Alltag läuft.

Aber damit wurde es drehbuchtechnisch komplizierter. „Die Filme sollten keinesfalls so verstanden werden, dass sie sich über Reinigungskräfte lustig machen. Schwierig also, Charaktere zu erfinden, die nicht irgendwelche angreifbaren Schubladen bedienen,“ sagt Christian Lamprecht. Und schließlich verständigten sich Lamprecht und Arends darauf, das Thema Putzkolonne überspitzt und verfremdet umzusetzen.

Viel Witz und Selbstironie

Und so spielen Bernd Julius Arends, Rosaly Oberste-Beulmann, Stefanie Kirsten und Michael Baute quasi sich selbst und wie es ist, bei Lamprecht zu putzen – und zwar mit jeder Menge Selbstironie und Komik. Nach dem Motto: Wenn wir nicht Theater spielen können, müssen wir in der Not jeden Job annehmen. Herausgekommen sind acht Clips mit jeweils rund einer Minute Dauer, die ab kommender Woche bei Lamprecht online gehen.

Arends spielt auf der Freilichtbühne

Arends freut sich darüber, zum einen mal ein ganz neues Format spielen zu können. Und es gibt einen zweiten, kleinen Lichtblick für den Theater-Chef. Aufgrund der niedrigen Inzidenzzahlen ist der Kreis Coesfeld Modellregion. Und deshalb darf auch die Freilichtbühne Coesfeld öffnen. Dort wird Arends ab Ende Mai seine Produktionen „Ewig jung“ und „Festgepoppt“ aufführen.

Wie und wann es mit dem Betrieb im Katielli weitergeht, steht allerdings noch in den Sternen. Natürlich ist Arends froh, wenn er wieder öffnen kann. Allerdings hat die Sache auch einen Haken. „Wenn die Auflagen vorsehen, dass wir nur mit einer sehr begrenzen Zahl von Besuchern öffnen dürfen, bringt das auch nicht viel.“ Von dieser Regelung würden nur große Häuser profitieren, nicht aber ein kleines Theater wie das Katielli. Wirtschaftlich würde das aus Sicht von Arends nur wenig Sinn ergeben. „Ehrlich gesagt, da graust es mir schon vor.“

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