Eine Zuflucht für Tiere - mit Video

Tierschutz mal anders: In diesem Garten wird nicht nur gemeckert

Die Familie Dömer-Kallerhoff fühlt sich dem Schutz von Tieren verpflichtet. Sie haben daher in ihrem Garten ein großes Gehege angelegt, in dem gerettete Tiere eine Zuflucht finden.
Reiner Kallerhoff (53) und Christiane Dömer-Kallerhoff (53) müssen täglich den Garten säubern, in dem ihre Ziegen, gemeinsam mit Hühnern, Meerschweinchen, Katzen und Fischen leben. © Sebastian Balint

Christiane Dömer-Kallerhoff (53) hat sich viele Jahre im Vorstand des Dattelner Tierschutzvereins engagiert. Doch auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorstand ist sie dem Tierschutz verbunden geblieben. In ihrem Garten bieten sie und ihr Mann Rainer vielen anderen Tieren ein Zuhause. Das Paar hat gut ein Drittel des großen Gartens hinter ihrem Haus in ein Tiergehege umgestaltet. Dort leben aktuell drei Ziegen, vier Meerschweinchen, Hühner, Hasen und Fische. Ab und an schaut auch mal eine Katze vorbei. Hund „Angel“ guckt sich das tierische Treiben lieber von außen an.

Hündin Angel beobachtet das tierische Treiben lieber durch den Zaun des Geheges. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Angefangen hat alles mit ein paar Hühnern, die das Paar aus einer Legebatterie gerettet. „Nichts illegales“, wie Reiner Kallerhoff versichert. Die Tiere wurden nicht im Rahmen einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus einer Legebatterie entnommen. Das Paar übernimmt regelmäßig Legehennen, die sonst an Abnehmer aus dem Ausland gehen würden, um sie dort weiterzuverarbeiten. „Nach gut 18 Monaten werden die Legehennen ausgestallt“, erklärt Reiner Kallerhoff. „Die sind dann quasi unbrauchbar für den Bauern. Viele geben diese Tiere dann ins Ausland. Und dafür bezahlen sie dann etwa 17 Cent pro Huhn.“ Hier setzt der Verein „Rettet das Huhn“ ein. „Anstatt die Bauern zur Kasse zu bitten, zahlt der Verein den Bauern etwa 20 Cent pro Huhn“, führt Kallerfoff weiter aus. Über die Homepage des Vereins können sich dann Menschen melden, die ein solches Huhn bei sich aufnehmen möchten.

Gackernde Hühner und flitzende Meerschweinchen

Während die Hühner fröhlich vor sich hingackernd umherlaufen, flitzen immer wieder ein paar Meerschweinchen über das Gelände, halten kurz inne, schauen sich um, hoppeln in eine andere Ecke, futtern aufgeregt etwas, um sich gleich darauf irgendwo zu verstecken. Das erinnert ein wenig an Szenen, wie man sie aus Zeichentrickfilmen kennt. „Die Meerschweinchen stammen auch aus dem Tierschutz“, sagt Christiane Dömer-Kallerhoff.

Aktuell leben vier Meerschweinchen bei der Familie Dömer-Kallerhoff. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Im März wurde die buntgemischte Tierschar um drei Ziegen erweitert. „Die sind allerdings nicht aus dem Tierschutz“, sagt die 53-Jährige und verweist lächelnd mit einem Kopfnicken auf ihren Mann. „Die wollte er unbedingt haben.“ Er habe wohl grundsätzlich einen Hang zu eher „ungewöhnlichen“ Tieren, räumt der ein. „Ich hätte irgendwann auch gerne noch Alpakas.“ Auf die Ziegen sei er durch seinen Schwager gebracht worden, erklärt der 53-Jährige. Der habe ihm eines Tages eine weiße Plastik-Ziege für den Garten mitgebracht und gesagt: „Hier, die fehlt euch noch in eurem Zoo.“ Und irgendwann habe er sich dann gedacht, dass jetzt auch echte Ziegen hermüssen. Jetzt bereichern Cookie, Elvis und Bärli die tierische Truppe.

Kleine Kabbelein gehören einfach dazu. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Tiere bereiten auch viel Arbeit

Sicher, die Tiere seien alle auf ihre Weise schon sehr süß, urteilt das Paar. „Mit ihnen ist aber auch viel Arbeit verbunden“, sagt Christiane Dömer-Kallerhoff. „Das Gehege muss jeden Tag gesäubert werde. Sonst würde es anfangen zu stinken.“ Außerdem müssten die Tiere natürlich regelmäßig mit Futter versorgt werden und auch die Streicheleinheiten dürften nicht zu kurz kommen. Kurz nachdem die 53-Jährige das ausgesprochen hat, versammeln sich auch schon Bärli, Cookie und Elvis um sie. Zuerst gönnen sie sich einen Happen aus dem Futtereimer, anschließend lassen sie sich ein wenig von der Erzieherin kraulen. „Das mögen die schon sehr“, sagt sie.

Kater Miley kommt, geht und liegt, wann und wo er will. Er ist ein echter Streuner. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Die direkten Nachbarn links und rechts der Familie hätten sich längst an das tierische Treiben in ihrem Garten gewöhnt, sagt Christiane Dömer-Kallerhoff. „Die sind auch sehr tierlieb.“ Es käme allerdings schon mal vor, dass sich ein Nachbar meldet und eines der Hühner gesichtet hat. „Die rufen dann hier an und sagen ‚Ey, hier gräbt eines von euren Hühnern meinen Garten um‘“, berichtet Reiner Kallerhof lachend. „Und dann sammeln wir es halt wieder ein.“

Rettet das Huhn

Voraussetzungen für die Vermittlung von Hühnern aus Legebatterien:

  • Artgerechte Unterbringung der Hennen in einem trockenen, sauberen, zugluftfreien, fuchs- und mardersicherem Stall
  • Täglicher, großzügiger Freilauf mit Schutzmöglichkeiten der Tiere vor Greifvögeln und anderen Fressfeinden
  • Vorhandene Artgenossen (keine Einzelhaltung, mindestens 3 Tiere)
  • Artgerechte, abwechslungsreiche, gesunde und ausreichende Fütterung
  • Ständiger Zugang zu frischem Trinkwasser
  • Tierärztliche Versorgung im Bedarfsfall
  • Keine Weitergabe oder Veräußerung der Tiere an Dritte:
  • Können die Tiere aus irgendeinem Grund nicht mehr gehalten werden, muss der zuständige Vermittler informiert und die Tiere entgeltlos an RdH zurückgegeben werden bzw. mit unserem Einverständnis an einen anderen Platz vermittelt werden.
  • Die Tiere dürfen nicht geschlachtet werden. Bei schweren Erkrankungen müssen sie von einem Tierarzt euthanasiert werden.
  • Die Vermittlung von Tieren an gewerbliche Halter bzw. solche, die diese ausschließlich zu Zwecken der Eiererzeugung anschaffen wollen, ist ausgeschlossen.
  • Wir können Nachkontrollen durchführen:
  • Erhebliche / wiederholte Verstöße gegen unsere Vermittlungsgrundsätze berechtigen uns, die vermittelten Tiere wieder in unsere Obhut zu nehmen.
  • Eine Vermehrung der Tiere ist ausgeschlossen.
  • Die Übernahme der Tiere erfolgt in jeder Hinsicht auf eigenes Risiko und eigene Kosten. Insbesondere übernimmt RdH keine Haftung bei durch die Tiere hervorgerufenen Schäden.
  • Unterzeichnung eines Schutzvertrages, der die hier gelisteten Voraussetzungen enthält

Weitere Informationen auf der Homepage des Vereins: www.rettet-das-huhn.de

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