Mobile Jugendarbeit

Streetworker in Datteln: Kein Job für Jedermann

René Wilhelm ist Dattelns erster Streetworker. Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat der gelernte Erzieher über Jahre in verschiedenen städtischen Einrichtungen gesammelt.
René Wilhelm ist Streetworker der Stadt Datteln. Er will sich um genau die Jugendlichen kümmern, die in der Regel durchs Raster fallen und um deren Sorgen sich kaum jemand kümmert. © Sebastian Balint

„Wir wollen Probleme erkennen, bevor sie akut werden“, sagt Jugendamtschef Peter Wenzel. Doch dafür müsse es der Stadt gelingen, Kontakt zu den Jugendlichen herzustellen, die nicht durch die bekannten Angebote der Stadt erreicht werden. René Wilhelm hatte in der Vergangenheit bereits erste Erfahrungen im Bereich aufsuchende Jugendarbeit sammeln können.

Er war lange Jahre im Jugendzentrum Tigg Tagg beschäftigt und auch in Dattelner Kitas tätig. Während dieser Zeit entstand auch der Wunsch, sich um die Stelle des Streetworkers zu bewerben. René Wilhelm ist also das, was man im Allgemeinen als Eigengewächs bezeichnet. Er ist ausgebildeter Erzieher. Aktuell studiert er Sozialpädagogik. Der Abschluss des Studiums steht kurz bevor.

Streetworker soll als Seismograf agieren

Streetwork, das hört sich im ersten Moment hip und modern an. Dabei wird diese Methode der Sozialarbeit bereits seit Ende der 1960er Jahre in Deutschland angewandt. Entwickelt wurde die „Straßensozialarbeit“ in den USA. Peter Wenzel sieht in René Wilhelm im übertragenen Sinne einen Seismografen, der Erkenntnisse über den Zustand, die Sorgen und Nöte, sowie die Wünsche von Kindern und Jugendlichen möglichst frühzeitig wahrnehmen soll.

Um das zu erreichen, hat René Wilhelm damit begonnen, sich ein Netzwerk aufzubauen. „Die Idee ist ja, für jedes Problem, das ich nicht selbst lösen kann, einen passenden Ansprechpartner zur Hand zu haben“, erklärt er. Er müsse den Jugendlichen schließlich gut vorbereitet gegenüber treten können.

Denn René Wilhelm sucht explizit die Orte in der Stadt auf, an denen sich Kinder und Jugendliche treffen, die manchmal gar nicht gefunden werden wollen. Die Gründe dafür können vielfältig sein.

Wilhelm spricht gezielt Problem-Jugendliche an

Eine Gruppe friedlich miteinander spielender Kinder auf im Sportpark Mitte sei nicht unbedingt seine Zielgruppe, sagt Wilhelm. Denen könnte er aber immerhin mit auf den Weg geben, welche weiteren Angebote die Stadt Datteln für Jugendliche bereithält. Er konzentriere sich auf die, deren Leben eben nicht so geradlinig und harmonisch verläuft.

Am schwersten sei wohl die Erstkontaktaufnahme. „Ich kann das nicht genau beschreiben“, sagt René Wilhelm. „Zuerst muss es mir gelingen Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen, damit wir überhaupt erst ins Gespräch kommen.“ Vertrauen, das sei für seine Arbeit die wichtigste Grundlage. Immerhin gehe es nicht selten um Themen, die den Angesprochenen unangenehm sind, für die sie sich sogar schämen.

Aber in der Regel finde er immer einen Weg, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. „Aber es gehört auch dazu, zu erkennen, dass jemand nicht mit mir sprechen möchte“, sagt Wilhelm. Das müsse er dann einfach akzeptieren und vielleicht bei einem anderen Aufeinandertreffen einen neuen Versuch starten.

Ein dickes Fell müsse man sicher für diesen Job mitbringen, sagt René Wilhelm. „Und das habe ich auch.“

Die wichtigste Eigenschaft: niemals nachtragend sein

Seine wohl wichtigste Eigenschaft sei aber, dass er nicht nachtragend sei. „Meine Tür steht immer offen“, sagt er. „Immer!“ Selbst dann, wenn er beschimpft, angespuckt oder vielleicht sogar körperlich angegangen würde. „Ich weiß ja, dass die Jugendlichen, auf die ich da treffe, ein Problem haben“, erklärt der 31-Jährige. Und diese Probleme könnten sich auf die unterschiedlichste Weise äußern. „Um genau die Leute geht es ja“, sagt er. „Um die, die eben nicht mehr mit ihrer Umwelt klarkommen.“ Und um die zu treffen ist René Wilhelm auch bis in die späten Abendstunden in der Stadt unterwegs.

  • Die Einrichtung der Streetworker-Stelle in Datteln geht zurück auf einen Antrag der SPD-Fraktion aus dem Jahr 2019 im Jugendhilfeausschuss.
  • Die Arbeit eines Streetworkers umfasst unter anderem die Kontakt- und Beziehungsarbeit im jeweiligen Lebensraum, die Annäherung an die Jugendlichen und den Kontaktaufbau zu einzelnen Personen und Gruppen.
  • Sie beinhaltet zielgruppen-, klienten- und problembezogenes Handeln, außerdem Prävention, Beratung, Vermittlung und aktivierende Unterstützung der Selbsthilfe.
  • Auch die Kooperation und Koordination, etwa mit der Polizei, dem Jugendamt, dem Sozialamt oder dem Arbeitsamt ist Teil der Arbeit.

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