Ordnungsamt

Stadt reagiert auf Bußgeld-Kritik: Markthändlerin ignoriert Verwarnung

Markt-Händlerin Monika Evers erhielt ein Knöllchen vom Ordnungsamt, als sie Rollstuhlfahrer Jürgen Krimpmann ohne Maske seine Ware aushändigte. Die Stadt reagiert auf die öffentliche Kritik.
Jürgen Krimpmann und Geflügelhändlerin Monika Evers halten das Vorgehen des Ordnungsdienstes für überzogen. © Wallkötter

Weil Rollstuhlfahrer Jürgen Krimpmann nicht über die Theke des Geflügelstandes auf dem Wochenmarkt greifen kann, bekam er seine Ware von Chefin Monika Evers vor die Tür gebracht. Dabei hat die Markthändlerin keine Maske getragen. „Weil das aktuell nicht erlaubt ist, leitet der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt Datteln ein Bußgeldverfahren ein“, schreibt die Stadt nun in einer Stellungnahme und reagiert damit auf öffentliche Kritik im Zuge der Berichterstattung in der Dattelner Morgenpost.

Ein Großteil der Kritiker in den sozialen Medien forderte mehr Fingerspitzengefühl von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes. Diese Kritik will die Stadt so nicht stehen lassen. „Die Markthändlerin wurde nicht zum ersten Mal ohne Maske angetroffen, ein Bußgeldverfahren läuft bereits. Dennoch verwarnte der Kommunale Ordnungsdienst sie zunächst und erklärte ihr, dass sie eine Maske aufsetzen muss. Sie zeigte aber keine Einsicht und deshalb hat der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt Datteln ein neues Bußgeldverfahren eingeleitet: nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung“, heißt es in der Stellungnahme. Eine schnelle Warenübergabe habe es laut Stadt nicht gegeben, die Händlerin und ihr Kunde hätten sich noch unterhalten.

Auch bei vier Herren in der City wird durchgegriffen

In seinem Kommentar zu der Berichterstattung bemängelte unser Redakteur das fehlende Augenmaß der Ordnungsamts-Mitarbeiter. Während eine Markt-Händlerin, die wenige Sekunden ihren Stand verlassen haben soll, abgestraft wird, würden vier junge Herren in der Innenstadt quasi Narrenfreiheit genießen, während sie sich in der Innenstadt ohne Maske ein Bier nach dem anderen zischen. Die Stadt sieht das anders: „Narrenfreiheit genießen sie sicherlich nicht. Sie werden seit Wochen und Monaten permanent ermahnt, Bußgeldbescheide werden ausgestellt, Platzverweise erteilt.“ Auch der Alkohol der Herren werde konfisziert. Das würde aber nicht immer mit Publikum geschehen. So könne der Eindruck entstehen, dass nichts passiert. „Aber dieselben Herren kehren regelmäßig wieder und lassen sich anscheinend nicht von weiteren Bußgeldbescheiden beeindrucken. Schon wenig später sitzen sie am selben Ort, als wäre nichts geschehen. Aber: Auf Dauer können nicht gezahlte Bußgelder zur Erzwingungshaft führen“, führt die Stadt aus.

Stadt bittet Bürger um Verständnis

Die Stadt weist darauf hin, dass Datteln mit 66 Quadratkilometern eine Fläche im Auge haben muss, die so groß ist wie Recklinghausen. Mit 14 Mitarbeitern könne der Ordnungsdienst nicht immer überall sein. Man bittet um Verständnis, dass es für Bürger und Mitarbeiter einfacher ist, wenn sich alle an die Regeln halten und Ermahnungen und Verwarnungen als das verstehen, was sie sind. „Gut gemeint. Wir hoffen doch alle, dass Corona bald vorbei ist“, so die Stadt.

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