Evangelische Gemeinde

Seit 40 Jahren die gute Seele im Büro

Geschichten wie diese wird es zukünftig wohl immer seltener geben. Denn Susanne Orlob-Kübber (61) arbeitet bereits seit 40 Jahren im Gemeindebüro der evangelischen Gemeinde in Datteln.
Susanne Orlob-Kübber (l.) an ihrem Arbeitsplatz im Gemeindebüro. Seit 40 Jahren ist sie dort die gute Seele im Büro. Im Hintergrund sitzt die Kollegin Martina Benterbusch, mit der sie gerne zusammenarbeitet. © Martin Pyplatz

Dass ihr beruflicher Werdegang sie einmal an den Schreibtisch einer Kirchengemeinde führen würde, das hatte Susanne Orlob-Kübber anfangs nicht auf dem Schirm. Gelernt hat die Rechtsanwalts- und Notargehilfin nämlich in einer Recklinghäuser Anwaltskanzlei.

Nach ihrer Ausbildung war sie dann noch in einem Handwerksbetrieb tätig, bevor ihr Weg sie zurück auf die Schulbank führte. „Ich habe dort die Fachoberschulreife im Bereich Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt“, sagt die 61-Jährige. Auf die evangelische Kirchengemeinde in Datteln wurde sie damals durch eine Zeitungsannonce aufmerksam.

Anzeige der Gemeinde kam ihr komisch vor

„Die war allerdings mit einer Chiffre aufgegeben worden“, erinnert sie sich. „Meine Mutter wollte, dass ich mich auf die Anzeige melde. Dabei hatte ich gerade noch in der Schule gelernt, dass Chiffre-Anzeigen unseriös sind.“ Doch schlussendlich habe sich die Mutter durchgesetzt, berichtet sie lachend.

Bis heute habe sie diese Entscheidung nie bereut, sagt sie. Gerade die Anfangszeit sei ihr in guter Erinnerung geblieben, sagt Susanne Orlob-Kübber. „Ich wurde damals von Frau Giesenbauer angelernt“, erinnert sie sich. Und von der habe sie sehr viel gelernt. Etwa, „wie man die Mimik der Menschen deutet, die zu uns in das Büro kommen“, sagt sie. Das sei wichtig, denn die Menschen, die das Gemeindebüro an der Lutherkirche aufsuchen, kämen mit den unterschiedlichsten Anliegen.

Menschen zu trösten gehört auch zum Job

In der Regel seien es die schönen Anlässe wie Geburten oder Hochzeiten. „Da sind wir dann die Ansprechpartner“, sagt sie und deutet auf ihre Kollegin Martina Benterbusch, die ihr gegenüber am Schreibtisch sitzt. „Wo gibt es welche Unterlagen, welcher Pfarrer, welche Pfarrerin ist für welchen Bereich in der Stadt zuständig. Aber klar, manchmal müssen wir auch Menschen trösten, die in einer verfahrenen Situation sind und nicht weiter wissen.“ Wer in einer Gemeinde arbeitet, sei auch immer ein bisschen Seelsorger. „Das gehört dazu und wir machen das beide auch gerne.“

Privat hört die 61-Jährige gerne Musik, zum Beispiel von den Eagles, die sie auch mehrfach live gesehen hat, oder sie liest spannende Krimis. Aber ihr liebstes Hobby sei das Reisen, sagt sie. Japan, das sei ein Land, das sie nachhaltig beeindruckt habe. „Die Höflichkeit der Menschen und in welch geordneten Bahnen dort alles verläuft, das ist der Wahnsinn“, schwärmt sie. Obwohl die Japaner aus ihrer Sicht ein sehr reserviertes Volk sind, gebe es gerade dort als Tourist die verrücktesten Abenteuer zu erleben.

Zu Gast im Gute-Laune-Café

„Ich war mit meiner Tochter zum Beispiel in einem Katzencafé“, erzählt sie. Und auch in einem Café, in dem schlechte Laune verboten ist, sei sie gewesen. „Ich habe wohl für einen kurzen Moment nicht so glücklich ausgesehen“, berichtet sie. „Da kam ein Kellner und hat mir so Eselsohren aufgesetzt. Meine Tochter hat sich natürlich kaputt gelacht. Mir war das schon etwas peinlich.“

Die Fahrt zum Aokigahara, dem Selbstmordwald, habe sie nachhaltig berührt. Zwar sei der naturgeschützte Wald beeindruckend schön, doch zu wissen, dass hier jährlich viele Menschen Selbstmord begehen, würde die Freude an der Schönheit der Natur jedoch deutlich trüben. Neben einem weiteren Japan-Besuch möchte Susanne Orlob-Kübber unbedingt noch China und Vietnam besuchen, „natürlich abseits der üblichen Touristen-Routen“, sagt die 61-Jährige.

Kurioses und Unheimliches
  • Tiercafés (Nekokissa) sind seit Jahren der Renner in Japan. Überall im Land gibt es zahlreiche Cafés, in denen die Besucher während des Kaffeetrinkens Hunde, Katzen, Eulen oder Minischweine streicheln dürfen. 200 Yen, etwa 1,60 Euro, kosten zehn Minuten in einem solchen Café. Getränke, Snacks und Futter für die Katzen werden zusätzlich berechnet.
  • Der Aokigahara ist ein Wald in der Präfektur Yamanashi in Japan. Er ist ein sehr beliebtes Ausflugs- und Reiseziel und steht unter Natur- und Denkmalschutz. In dem dicht bewachsenen Wald leben viele, zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten. In der westlichen Welt ist er vor allem als der „Selbstmord-Wald“ bekannt. Seit Jahrzehnten nehmen sich in diesem Wald viele Menschen das Leben, obwohl die Behörden stets bemüht sind, die Selbsttötungen zu verhindern. Urbane Legenden besagen, dass es in dem Wald spuken würde. Diese Legenden sind immer wieder Grundlage für Bücher, Filme und Comics. So etwa der Film 47 Ronin aus dem Jahr 2013, mit US-Star Keanu Reeves. Zuletzt befasste sich die kanadisch-japanische Produktion „The People Garden“ mit dem Thema.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.