Politik

Rückzug der Grünen Hoffnungsträgerin aus dem Rat: Das sind ihre Gründe

An Weihnachten sei alles über ihr zusammengebrochen, sagt Claudia von Gilardi (49). Der Rückzug aus der Dattelner Politik sei daraufhin unausweichlich gewesen.
Die Familie und ihre Arbeit haben für Claudia von Gilardi nun Vorrang. Politik ist allein durch ihren Mann Markus von Gilardi (Die Partei) immer ein Thema. © Sebastian Balint

Ausgerechnet an Heiligabend erhielt die selbstständige Osteopathin Claudia von Gilardi die Kündigung für ihre Praxisräume. Die Suche nach einer neuen beruflichen Heimat war unausweichlich. Zu allem Übel hatte sich die Osteopathin dann noch den Daumen gebrochen – die Hände benötigt sie zwingend für ihre Arbeit. Und dann war da natürlich noch eine weitere, neue Aufgabe, die sie als frisch gewählte Ratsfrau der Grünen bekleiden musste. Doch dafür blieb immer weniger Zeit. Claudia von Gilardi musste eine Entscheidung treffen.

Größere Praxisräume bedeuten mehr Arbeit und weniger Zeit

Neue Praxisräume hat sie gefunden, doch es gibt einen Haken – sie sind deutlich größer und kosten dementsprechend mehr Miete. „Daher muss ich deutlich mehr arbeiten“, sagt die ehemalige Grünen-Bürgermeisterkandidatin. Nach kurzer Partei-Mitgliedschaft von knapp einem Jahr wurde sie als Herausforderin von Bürgermeister André Dora präsentiert und holte knapp 10 Prozent der Wählerstimmen.

Der Einzug in den Rat der Stadt war ihr trotz unterlegener Bürgermeisterkandidatur aber sicher. Die Corona-Pandemie verhinderte, dass Claudia von Gilardi bis zu ihrem Rückzug groß in Erscheinung getreten war. „Es gab Pläne, zu denen ich mich auch mit André Tost von der CDU ausgetauscht habe“, sagt sie. Speziell nach Weihnachten wurde die Zeit für Lokalpolitik aber immer weniger.

Keine halben Sachen: Keine Hinterbänklerin für die Grünen

„Ich bin niemand, der sich unvorbereitet in eine Sitzung setzt“, sagt Claudia von Gilardi. Sie habe sich stets aktiv darauf vorbereitet, was in den Gremien besprochen wurde und sich ihre eigene Meinung dazu gebildet. Eine Hinterbänklerin, die nur den Arm für ihre Partei hebt, das wollte die 49-Jährige nie sein. So komme es auch vor, dass sie Positionen der Grünen durchaus kritisch hinterfragt hat und diese nochmal zur Diskussion gestellt hat.

Die Rückzugsentscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, sagt Claudia von Gilardi. „Aber wir sind nun mal auf ein zweites Gehalt angewiesen, wie die meisten Familien heutzutage“, sagt die Mutter einer Tochter. Daher sei oberste Priorität nun, die Familie für die Zukunft in sicheres Fahrwasser zu bringen. „In zwei oder drei Jahren, wenn bis dahin dann alles so läuft wie geplant, kann ich mir vorstellen, wieder aktiv zu werden“, sagt von Gilardi etwas zurückhaltend. Mitglied bei den Grünen bleibe sie aber weiterhin, sagt sie.

Verständnis für wenig junge Menschen in der Politik

Ihr Fazit nach der kurzen Zeit im Rat: „Ich kann verstehen, dass so wenige junge Menschen politisch aktiv sind und vor allem so wenige junge Frauen“, sagt Claudia von Gilardi. Denn Haushalt, Kinder, Arbeit und Politik unter einen Hut zu bekommen, wenn man aktiv mitarbeitet, sei ein großer Kraftakt. Trotzdem spiele Politik im Hause von Gilardi weiter eine große Rolle. Mit ihrem Mann Markus von Gilardi, der einziger Ratsvertreter der Partei „Die Partei“ ist, spreche sie über jegliche politische Aktivitäten – nicht nur beim Abendessen.

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