Fristen laufen

Rückbau des Altkraftwerks Datteln 1-3: Wann fallen die Schornsteine?

Das Kraftwerk Datteln 4 ist seit Mai 2020 offiziell in Betrieb und liefert Strom. Betreiber Uniper ist verpflichtet, die alten Blöcke Datteln 1-3 zurückzubauen. Dafür gibt es Fristen.
Das Altkraftwerk soll schon bald Geschichte sein: Mit der Inbetriebnahme von Datteln 4 sind die Fristen für den Rückbau gestartet. © Sebastian Balint

In drei Phasen wurde in den Verträgen zwischen Uniper-Vorgänger Eon und der Stadt Datteln der Rückbau der alten Kraftwerksblöcke Datteln 1-3 geregelt. Zwischen 1964 und 1969 gingen die 100 bis 119 Megawatt starken Kohlemeiler in Betrieb, seit Februar 2014 stehen sie im Schatten des großen Kühlturms von Datteln 4 still.

In der ersten Phase sollten alle Anlagenteile zurückgebaut werden, die nach der Umstellung der Bahnstromversorgung für den weiterlaufenden Betrieb des Hilfs-dampferzeugers für die provisorische Fernwärmeversorgung nicht mehr benötigt werden und nicht in engem baulichen Zusammenhang mit den noch benötigten Anlagenteilen stehen.

Rückbau-Phase eins wurde schon 2016 abgeschlossen

Im Januar 2016 wurde schließlich Vollzug für Phase eins gemeldet. Sichtbar wurde das auf der eingezäunten, ebenen Fläche vor dem Kraftwerksportal, auf der 2015 noch die vier Holz-Kühltürme standen. Sie waren jahrzehntelang das industrielle Wahrzeichen Dattelns. Seitdem sind sie verschwunden. Ebenso wie die Ammoniak-Anlage, die Gipslagerhalle nebst Gipsverladung, die Bekohlungsanlage samt Transportbändern sowie die oberirdischen Elemente des Tiefbunkers.

Doch danach tat sich nichts. Denn die beiden weiteren Phasen sollten sich laut Vertrag erst anschließen, wenn der neue, 1100 Megawatt starke Block Datteln 4 auch am Netz ist. Und das zog sich bekanntlich durch mehrmalige Baustopps sowie bauliche Mängel in Form von erheblichen Problemen mit den Schweißnähten, die den Kesselstahl zusammenhalten sollten.

Mit Datteln 4 starten die Rückbau-Fristen für das Altkraftwerk

Im Mai 2020 war es nach monatelangem Probebetrieb dann so weit – Datteln 4 ging ans Netz, auch wenn der Kohleausstieg bis 2038 längst beschlossene Sache war. Für das Uniper-Projekt wurde im Ausstiegsvertrag extra eine Sonderregelung für „noch in Bau befindliche Kraftwerke“ festgelegt – Datteln 4 ist deutschlandweit der einzige Bau, auf den sie zutraf.

das Altkraftwerk Datteln 1-3. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Für Uniper war der Mai 2020 aber auch Startpunkt für den weiteren Rückbau der Altkraftwerksblöcke. Denn die Fristen sind vertraglich verankert. Sechs Monate hatte Uniper Zeit, den erforderlichen Abrissantrag zu stellen. Daran schließen sich die Rückbaumaßnahmen aller verbliebenen Gebäude, Bauteile, Oberflächenbefestigungen, Fundamente, nicht mehr benötigter Leitungen und sonstige Anlagen bis zu einem Meter Tiefe in Bezug auf die aktuelle Geländeoberfläche an. In diesem Zuge würde also auch das Herzstück der Anlage, die großen Maschinenhäuser und die 165 Meter großen Schornsteine, verschwinden. Dafür hat Uniper 36 Monate Zeit.

Stadt Datteln überprüft die Fristen – Uniper ist zuversichtlich

Wie Uniper-Sprecherin Ilona Flechtner sowie Bürgermeister André Dora (SPD) bestätigen, liegt das Unternehmen damit aktuell im Zeitplan. Heißt: Der Abrissantrag ist fristgerecht erstellt worden, die Maßnahmen laufen. „Wir haben in der Verwaltung ein Team, das die Einhaltung der Fristen überprüft“, sagt Dora. Ilona Flechtner ergänzt: „Die Ausschreibungen für die ausführenden Firmen laufen, wir liegen im Zeitplan.“ Im Innenbereich der Kraftwerksblöcke habe Phase zwei derweil auch schon begonnen. Bis die Abrissarbeiten dann aber auch äußerlich sichtbar werden, wird es wohl bis Ende des Jahres dauern, schätzt Flechtner.

Das Altkraftwerk Datteln 1-3. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Laut Bürgermeister André Dora habe die Stadt damals mit Eon bei den Verträgen in Sachen Rückbauverpflichtung „gut verhandelt“, da die jeweiligen Schritte genau mit Fristen verschriftlicht wurden. Uniper plane laut Sprecherin Ilona Flechtner diese Fristen auch einhalten. Sie verweist aber auch darauf, dass gerade während der aktuellen Corona-Pandemie Bauprojekte, zu denen auch Rückbauprojekte gehören, vonseiten der ausführenden Unternehmen ein bisschen länger dauern könnten. Zudem müsse die Infrastruktur mit den Zufahrten zur Rückbaustelle während des Zeitraumes gesichert sein. Dabei könnten schon einspurige Brückensperrungen zu Problemen führen.

Ein weiteres Gewerbegebiet in Meckinghoven entsteht

Phase drei der Rückbaumaßnahme regelt schließlich die weitere Nutzung der jahrzehntelangen Kraftwerksfläche. Ein Gewerbegebiet soll dort in direkter Nähe zum Kanal entstehen. „Wir wissen, dass die Belastung der Meckinghover Bürger in Sachen Gewerbe mit dem Gewerbegebiet Zum Schleusenpark, der TÜV-Fläche und nun der Kraftwerksfläche sehr hoch ist“, gesteht Bürgermeister Dora, „daher wollen wir aber auch für Entlastung sorgen und planen einen erheblichen Anteil an Grünfläche in dem Gebiet ein.“ Uniper verpflichtet sich in dieser Phase, verbliebene Gebäude, Bauteile, Oberflächenbefestigungen, Fundamente, Leitungen und sonstige Anlagen bis fünf Meter Tiefe auf öffentlichen Verkehrsflächen sowie bis drei Meter Tiefe auf überbaubaren Flächen zu räumen. Damit soll innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss von Phase zwei begonnen werden, zwölf Monate nach Erteilung entsprechender Genehmigungen soll der Rückbau dann abgeschlossen sein.

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