Stadtplanung

Parkdeck-Nutzung: Entstehen Wohnungen über der Dattelner Stadtgalerie?

Die Stadtgalerie steht im Mittelpunkt – nicht nur der Dattelner City, sondern auch bei Stadtplaner Andreas Beilein. Ein mögliches Szenario für das Parkdeck sorgte nun für Überraschung.
Der Schriftzug Stadtbücherei ist am ehemaligen Standort am Parkdeck der Stadtgalerie noch zu sehen. Entstehen hier bald Wohnungen? © Martin Pyplatz

Einen ganzen Themenkatalog arbeitete Andreas Beilein ab, als er die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses online über anstehende Projekte und Pläne in seinem Fachbereich der Stadt informiert hat. Nachdem der Rückzug von Rewe-Menkowski aus der Stadtgalerie zum Jahresende nun durch die Berichterstattung in der Dattelner Morgenpost verkündet wurde, steht auch das Dattelner Einkaufszentrum im Fokus seiner Planungen. Nicht nur wegen einer möglichen Nachnutzung im Lebensmittelbereich.

Die Verhandlungen laufen – noch kein neuer Mieter für Rewe-Filiale

Nein, auch Andreas Beilein konnte der Politik keine Lösung für das innerstädtische Nahversorgungsproblem verkünden – ein neuer Mieter im Lokal der Stadtgalerie mit Seiteneingang zur Kolpingstraße sei weiterhin noch nicht sicher und spruchreif, sagte er. Es gebe aber Verhandlungen. Es gibt noch mehr Hoffnung: Mittlerweile, so betonte Beilein, würde es einen regelmäßigeren Austausch mit dem Stadtgalerie-Betreiber, der Greenman Marketing GmbH, geben. Heißt aber auch: In der Vergangenheit war das nicht immer der Fall. Zwei „Arbeitstreffen“ habe es bisher gegeben, ein drittes folgt im Juli. „Sie wollen sich langfristig so aufstellen, dass es funktioniert“, betonte Beilein.

Die Dattelner Stadtgalerie steht vor Veränderungen – fünf Leerstände zählt das Einkaufscenter aktuell. © Balint © Balint

Der Stadtplaner stellte positiv heraus, dass der Einkaufscenter-Betreiber sich mit der Stadt im Sinne des Gesamtbildes der City abstimmen will. Natürlich auch aus eigenem Interesse. Denn die Stadtgalerie zählt mittlerweile fünf Leerstände. Der Rewe-Markt wäre Nummer sechs.

Neue Aufteilung der Ladenlokale? Stadtgalerie vor Veränderungen

Andreas Beilein begrüße es, dass Greenman auch die aktuelle Struktur der Einkaufsflächen überdenken will. Denn mögliche Nachnutzer hätten eventuell Bedarf an einer anderen Aufteilung der Ladenlokale. Sprich: Es könnte sein, dass ein neuer Supermarkt mehr Platz für seine Verkaufsfläche benötigt.

Die Stadt Datteln wäre gleichzeitig aber auch am Zug, die „Übergänge ins Umfeld“, wie Beilein es nannte, aufzuwerten. Konkret wären das die Seiteneingänge zur Kolpingstraße mit direktem Bezug zur Stadthalle, die aktuell inklusive Außenbereich saniert wird, sowie zum Martin-Luther-Platz und zur Nordseite in Richtung Hohe Straße. Dort bestehe unter anderem Handlungsbedarf im Bereich der kleinen Gasse zwischen Kolpingstraße und Neumarkt-Zugang. Hier ist die Stadt am Zug, das Einkaufscenter besser zu integrieren.

Ein ganz neues und ebenso überraschendes Szenario stellte Beilein im Bereich des Parkdecks vor. Bislang sei es nur eine Idee, aber dort wo früher die Dattelner Stadtbücherei angesiedelt war, auf der obersten Ebene des Parkhauses, könnte man sich Wohnungsbau vorstellen. So würde innerstädtischer Wohnraum geschaffen werden, meint Beilein.

Positive Signale aus der Politik: SPD und CDU sind offen für die Pläne

Von der Politik gab es keine Nachfragen zu dieser Idee. „Ich war überrascht von der Möglichkeit“, sagt Ausschussvorsitzender Joachim Lehmann (SPD). Er verweist darauf, dass Wohnräume weiterhin gebraucht werden – gerade in der Innenstadt. „Wir stehen solchen Sachen offen gegenüber“, spricht er auch für die Dattelner Sozialdemokraten. Er wolle diese Neuigkeiten nun mit in die Fraktion nehmen. „Wenn da Kritikpunkte aufkommen, werden wir diese ansprechen“, sagt er. Noch sei unklar, ob dort der feste Bestand genutzt werden soll oder es bauliche Veränderungen geben könnte.

Auch sein Stellvertreter André Tost (CDU) zeigte sich nicht abgeneigt: „Was brauchen wir in Datteln? Zentralen, billigen und kleinteiligen Wohnraum.“ Daher sieht er den Gedankengang als sehr lobenswert an. Die Bereitschaft von Greenman sei ein positives Signal. „Man hat oft gehört, dass man an das Unternehmen nicht herankommt“, sagt er. Die Achse von Stadthalle, Stadtgalerie und Neumarkt müsse für die Zukunft gestärkt werden.

Kontakt zur Stadt Datteln auf freiwilliger Basis: Wirtschaftsförderung gesprächsbereit

Laut dem städtischen Wirtschaftsförderer Stefan Huxel muss in Sachen Stadtgalerie unterschieden werden: Zu Center-Manager Jörg Waldrich, der bei einem von Greenman beauftragten Sub-Unternehmen arbeitet, habe es stets Abstimmungen bei Aktionen und regen Austausch gegeben. Zum Marketing-Unternehmen in Berlin habe es auch immer Kontakt gegeben. „Aber die haben teilweise eine andere Sicht darauf“, sagt er. Anfragen von Geschäftsleuten seien immer weitergeleitet worden. Auch ein Elektromarkt zählte dazu, berichtet Huxel. Aber die Infrastruktur der Stadtgalerie habe nicht gepasst. Er betont, dass die Stadt Datteln keine Handhabe über die Stadtgalerie haben. „Der Austausch von deren Seite erfolgt auf freiwilliger Basis“, sagt Huxel. Beim Überdenken der Strukturen würde die Wirtschaftsförderung aber gerne mit dem Unternehmen in Abstimmung treten, sagt er.

Die Historie: Von Karstadt über Hertie zur Stadtgalerie

Am heutigen Stadtgalerie Standort war seit 1978 Karstadt beheimatet. Am 1. März 2007 wurde das Kaufhaus in „Hertie“ umbenannt. Im Juli 2008 meldete Hertie Insolvenz an. 2009 wurde der 3300 Quadratmeter große Standort aufgegeben. 100 Mitarbeiter waren zu Spitzenzeiten dort beschäftigt. 2004 waren es noch 37, zum Schluss dann nur noch 22 Mitarbeiter bei Hertie. Am 29. März 2012 hat die Stadtgalerie eröffnet.

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