Müllabfuhr

Nach Shitstorm ist jetzt Ruhe an der Müllfront

Als bekannt wurde, dass der Kommunale Servicebetrieb Datteln (KSD) die Müll-Abfuhrpläne radikal umstellt, gab es einen Shitstorm. Inzwischen ist es ruhig geworden an der Müllfront.
Auf Tour: Heiko Küffhausen und Detlef Krys entladen eine blaue Tonne in den Müllwagen. © Martin Pyplatz

Seit vier Wochen gelten jetzt die neuen Müllabfuhr-Tourenpläne des KSD. Zeit für eine erste Bilanz, nachdem die Müllabfuhr jetzt zweimal die Bezirke durchfahren hat. „Es läuft gut“, sagt Frank Kuhs, Chef des KSD, im Gespräch mit unserer Redaktion. Man habe an zwei, drei Stellschrauben noch drehen müssen. Und: Seit dem Start der neuen Tourenplanung habe es keine Beschwerden gegeben, betont Kuhs. Und man könne die Fälle, bei denen Bürger sich gemeldet hatten, weil sie die Tonnen vergessen hatten rauszustellen, an einer Hand abzählen. „Dann sind wir rausgefahren und haben die Tonnen noch geleert“, sagt der KSD-Leiter.

Neue App leistet wichtigen Beitrag

Einen wichtigen Beitrag würden laut Kuhs dabei auch die in seinen Augen gute, neue Müllabfuhr-App leisten, die die Bürger darüber informiert, wann welche Tonne in der jeweiligen Straße an der Reihe ist.

Im Vorfeld hatten sich viele Bürger in den sozialen Medien und auch in Leserbriefen an die Dattelner Morgenpost bitterlich darüber beklagt, dass sie sich von der komfortablen Lösung, alle Tonnen an einem Tag raus zu stellen, verabschieden müssen. Der Großteil muss nun an drei bis vier Tagen jeweils eine andere Tonne an die Straße stellen. Kritisiert wurde seinerzeit auch der für viele unübersichtliche Abfuhrkalender. Und eine Kommunikationspanne der Stadt war dann auch noch Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Viele Haushalte hatten den neuen Abfuhrkalender schon erhalten, bevor der KSD über die Veränderungen informiert hatte.

Neues System soll Gebühren stabilisieren

Frank Kuhs und das KSD-Team aber sind überzeugt, dass sich die Systemumstellung auch für die Bürger lohnen wird, auch wenn es am Anfang natürlich eine Veränderung gewesen sei. Denn der Kommunale Servicebetrieb will mit diesem neuen System Geld sparen, um so die Müllgebühren stabil halten, oder im Idealfall sogar senken zu können.

Denn der Trend auch in Datteln geht eindeutig dahin, dass die Bürger kleinere Müllgefäße bestellen, was sich negativ bei der Gebühreneinnahme niederschlägt – sprich, die Gebühren müssten eigentlich steigen. Das soll auch mit der neuen Müllabfuhr-Struktur und dem damit verbundenen Einsparpotenzial aufgefangen werden.

Viele Fahrten nach Herten werden überflüssig

Und so soll das Geld eingespart werden: Statt mit jedem Müllwagen einzeln zur Entsorgung nach Herten zu fahren, was jeweils mindestens 1,5 Stunden Zeit, Sprit- und Mautkosten verursacht, wird der Müll am Betriebshof in Container umgeladen. Möglich macht das eine Müllumladeanlage. Damit ist der KSD in der Lage, mittels eines Tandemzuges (Zugmaschine plus Anhänger) zwei Ladungen von Müllfahrzeugen (jeweils zehn Tonnen) in einer Fuhre zur AGR nach Herten zu bringen.

So können täglich mehrere Stunden Fahrtzeit nach Herten eingespart werden, in denen die Müllfahrzeuge stattdessen in Datteln eingesetzt werden können. Und das machte eben die neue Mülltourenplanung erforderlich. Mit dem neuen System kann laut KSD-Chef Frank Kuhs auch ein Müllwagen mit sämtlichen Folgekosten eingespart werden sowie drei Mitarbeiter, die andere Bereiche des KSD, z.B. Grünanlagen, personell entlasten können. Beim KSD rechnet man dadurch mit einer Einsparung im sechsstelligen Bereich.

Dringender Appell in Sachen Kartons

Unabhängig von der neuen Tourenplanung richtet der KSD einen dringenden Appell an die Bürger. Es geht ums Altpapier. Coronabedingt wird deutlich mehr online eingekauft. Was zu einem gestiegenen Karton-Aufkommen führt. Aber viele stellen diese Kartons einfach neben die Papiertonne, anstatt die Kartons zu zerkleinern und in die Papiertonne zu packen, bzw. sie am Recyclinghof zu entsorgen. Das führt zum einen dazu, dass der Müllwagen wegen der großen Kartonage den Papiermüll nicht so verdichten kann wie es zum Beispiel bei Zeitungen der Fall ist. Folge: Das Fahrzeug kann rund zwei Tonnen Papier- und Pappmüll weniger aufnehmen als normal. Zum anderen müssen die Müllwerker die Kartons einzeln in den Müllwagen werfen, was zum Problem wird, wenn die Kartons nass und matschig sind oder bei starkem Wind durch die Gegend fliegen.

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