Innenstadt

Messer-Attacke nach Kneipenbesuch in Datteln

Drei Dattelner wollten einen unbeschwerten Abend miteinander verbringen. Am Ende landen sie im Krankenhaus. Einer von ihnen mit einer Stichverletzung - von einem Messer im Rücken.
Ein 22-jähriger Mann aus Datteln wurde mit einem Messer verletzt. Er erlitt eine Stichwunde am Rücken. © picture alliance/dpa

Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden drei junge Männer im Alter von 18, 19 und 22 Jahren in der Nacht auf den 29. Mai bei einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe von fünf Männern so schwer verletzt, dass sie noch in der Nacht im Krankenhaus behandelt werden mussten. Zwar gibt es Zeugen für den Vorfall, doch die wollen zum Teil nicht aussagen. Es heißt, dass sie aus dem Umfeld der Tatverdächtigen bedroht werden.

Die drei Dattelner sollen am Abend des 28. Mai unterwegs gewesen sein, um gemeinsam etwas zu trinken. Schon während der Fahrt mit dem Bus soll das Dattelner Trio mit einer fünfköpfigen Gruppe junger Männer in Streit geraten sein, das bestätigt Polizeisprecherin Annette Achenbach auf Nachfrage unserer Redaktion. Die beiden Gruppen seien im weiteren Verlauf aber getrennte Wege gegangen, berichtet die Polizeisprecherin. Das Dattelner Trio habe anschließend einen unbeschwerten Abend in einer Kneipe verbracht.

Im Anschluss an den Kneipenbesuch habe sich die Gruppe dann wieder in Richtung Ahsener Straße bewegt, um dort die Heimfahrt mit dem Bus anzutreten. Auf dem Weg dorthin sollen die drei Dattelner abermals auf die fünfköpfige Gruppe getroffen sein, mit der sie zuvor schon aneinander geraten waren. Das Quintett soll das Trio angesprochen und provoziert haben, bestätigt Annette Achenbach. Im weiteren Verlauf soll der bis dahin verbal geführte Schlagabtausch schließlich eskaliert sein.

In der Nacht flogen nicht nur die Fäuste

Bei der anschließenden Schlägerei zwischen den beiden Gruppen soll es dann hoch hergegangen sein, denn es flogen nicht nur die Fäuste. Nach Informationen unserer Redaktion soll die fünfköpfige Männer-Gruppe bei der Auseinandersetzung einen Baseballschläger und sogar ein Messer eingesetzt haben. Auch das kann die Polizeisprecherin auf Nachfrage bestätigen.

Ein junger Dattelner verliert nach Informationen unserer Redaktion einen Zahn im Zuge der Auseinandersetzung. Der 22-Jährige erleidet sogar eine Stichwunde am Rücken, die ihm durch einen Mann aus der fünfköpfigen Gruppe mit einem Messer beigebracht worden sein soll. Annette Achenbach bestätigt die Stichverletzung.

Gegen 0.30 Uhr sei die Polizei dann von Zeugen alarmiert worden, erklärt die Polizeisprecherin. Weitere Details zu diesem Vorfall will Annette Achenbach aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Sie bestätigt aber, dass die fünf Tatverdächtigen der Polizei namentlich bekannt sind. Zeugen der Schlägerei hätten sich auch bei der Polizei gemeldet, sagt die Polizeisprecherin. Nach Informationen dieser Zeitung sollen einige dieser Zeugen telefonisch bedroht worden sein: Sie sollten nicht gegen die Tatverdächtigen aussagen, sonst könne ihnen etwas zustoßen.

Polizei verfolgt Null-Toleranz-Strategie

Annette Achenbach sagt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass der Polizei keine Meldungen über solche Drohungen vorliegen. Sie empfehle aber Zeugen, die sich bedroht fühlen, sich grundsätzlich bei der Polizei zu melden. „Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Strategie bei der Bedrohung oder Beeinflussung von Zeugen“, verspricht sie.

Den Hinweis, dass es sich bei den Tatverdächtigen möglicherweise um Personen aus dem kriminellen Clan-Milieu handeln könnte, will Annette Achenbach nicht kommentieren. Sie bestätigt aber, dass drei Männer aus der fünfköpfigen Gruppe nicht über die Deutsche Staatsbürgerschaft verfügen.

Es sei schwer, den Bürgern Verhaltensregeln für Situationen wie diese vom 29. Mai mit auf den Weg zu geben, sagt Annette Achenbach. „Es empfiehlt sich aber, selbst zurückhaltend zu bleiben, wenn sich jemand aggressiv verhält“, sagt die Polizeisprecherin. „Nicht weiter provozieren. Man sollte sich deeskalierend verhalten und versuchen, Abstand zum Aggressor herzustellen.“ Vor allem empfiehlt sie aber, „immer die 110 zu wählen, wenn man bedroht wird oder Angst hat.“ Denn oftmals beruhige sich eine solche Situation, wenn die Polizei dann hinzukommt. „Niemand wird es als Bagatelle abtun, wenn sich ein Bürger bei uns meldet“, verspricht Annette Achenbach. „Wir kommen lieber, um etwas zu verhindern, als hinterher eine Straftat aufnehmen zu müssen.“

Polizei empfiehlt, den Busfahrer mit einzubeziehen

Im Bus gebe es auch noch die Möglichkeit, den Busfahrer mit einzubeziehen.

Denn auch die Fahrer werden seit einigen Jahren regelmäßig darin geschult, mit Stress- und Gefahrensituationen umzugehen, bestätigt Christoph van Bürk, Pressesprecher der Vestischen Straßenbahnen GmbH. „Seit zweieinhalb Jahren haben wir Präventions-Teams auf unseren Linien im Einsatz. Und auch die Fahrer werden alle paar Jahre geschult.“ Dann geht es um Fragen wie: Was mache ich, wenn ich einen Aggressor im Bus habe? Mache ich die Tür auf oder zu? „Der Fahrer würde sie immer aufmachen“, erklärt van Bürk. „Denn der Aggressor muss in der Regel zwischen Aggression oder Flucht entscheiden. Bietet man ihm die Möglichkeit zur Flucht, nutzt er diese in der Regel.“ Zudem seien alle Busse mit Kameras ausgestattet, die bei Bedarf das Geschehen im Bus aufzeichnen.

Im Kreis Recklinghausen (inkl. Bottrop) seien im Jahr 2019 486 Straftaten begangen worden, die dem Bereich der Clan-Kriminalität zuzuordnen sind, erklärt Polizeisprecherin Annette Achenbach. Im Kreis Recklinghausen seien der Polizei 320 Tatverdächtige bekannt, die ebenfalls diesem Milieu zugeordnet werden. Durch „Nadelstiche“, wie etwa regelmäßige Razzien, will die Polizei den kriminellen Banden das Leben schwer machen.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt