Mehr Leben für die Innenstadt: Gastro-Schwerpunkt für den Neumarkt

Redaktionsleiter Ostvest
Hier könnte nach Informationen unserer Zeitung Noah's Place einziehen. © Sebastian Balint
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In der Innenstadt tut sich etwas. Wo bis zum vorigen Jahr das markante hellgelbe Gebäude mit dem Steakhaus stand, haben die Arbeiten für einen neuen Komplex aus Wohnen und Gastronomie begonnen. Nach dem Abriss im vergangenen Jahr hatte sich lange nichts getan.

Investor Brahim Krasniqi aus Bocholt hatte das Grundstück am Neumarkt gekauft. Er kann sich zum einen vorstellen, dort ein Eiscafé einzurichten. Er selbst betreibt in Bocholt bereits mehrere Eisdielen. Es liege aber auch ein Angebot einer großen Brauerei für eine Systemgastronomie vor, sagte er vor gut einem Jahr bei der Vorstellung seiner Pläne.

Auch auf dem Gelände des ehemaligen Steakhauses tut sich etwas. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Baustart hat sich verzögert

Ursprünglich wollte Krasniqi im Mai mit den Bauarbeiten beginnen – daraus wurde aber nichts. Auch von seinen Plänen für eine Tiefgarage musste er sich wegen des hohen Grundwasserspiegels verabschieden.

Mit dem im Frühsommer eröffneten „Gogossi“ schräg gegenüber am Kreisverkehr zur Castroper Straße würde ein gastronomischer Schwerpunkt entstehen, den viele Dattelner vermissen. Diese Überlegung erhält umso mehr Nahrung dadurch, dass der Recklinghäuser Gastronom Uwe Suberg in der vergangenen Woche in der Recklinghäuser Zeitung angekündigt hat, einen Ableger seiner Kette „Noah‘s Place“ in der Kanalstadt zu eröffnen.

„Café Extrablatt“ war im Gespräch

Über den Standort möchte der 60-Jährige noch nicht sprechen, die Verträge seien noch nicht in trockenen Tüchern. Nach Recherchen unserer Redaktion handelt es sich um das ehemalige „Café Ceri“ am Neumarkt. Die frühere Inhaberin hatte den Standort im vorigen Jahr aufgeben, seitdem steht es leer. Ursprünglich sollte die Gastrokette „Café Extrablatt“ die Fläche übernehmen. Dafür wären aber bauliche Erweiterungen erforderlich gewesen. Deswegen und aus anderen Gründen hatten sich die Pläne allerdings zerschlagen.

Uwe Suberg fürchtet auch für seine Erlebnis-Gastronomie Noah’s Place weitere Umsatzeinbußen, wenn ab dem 11. Oktober Schnelltests privat bezahlt werden müssen. © SYSTEM © SYSTEM

Dieses Mal soll es aber klappen – mit „Noah’s Place“. Dem Vernehmen nach wird sich die geplante Gastronomie – anders als im Ceri – auf die untere Etage beschränken, und natürlich auf den Außenbereich.

Suberg hat das Konzept dafür mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Diana Brauckmann entwickelt. Es folgt der Idee des Weltenbummlers Noah, der von seinen Reisen von überall her nur das kulinarisch Beste mitbringt. Das spiegelt die Karte: kanadische Poutine, türkische Pide, Pasta, Schnitzel, trendige Bowls, Burger und vieles andere. Zum Genießen zwischendurch gibt es warme Belgische Waffeln, Kuchen und „verrückte Eiskreationen“. Ebenso vielfältig ist das Getränkeangebot: Dazu zählen Kaffee-Spezialitäten, Freaky-Shakes und exotische Cocktails.

Innen viel Holz und Pflanzen

Das optische Konzept zeichne sich durch „urbanes, gemütliches Deli-Design“ aus. Es gibt viele Pflanzen, farbige Kissen, Reiseführer aus aller Welt, viel Holz.

Seinen ersten „Noah’s Place“ hatte der Gastronom im vorigen Jahr im Marler Stern eröffnet, der zweite folgte vor wenigen Monaten in Gelsenkirchen. Nummer 3 wird im Palais Vest in Recklinghausen sein. Der vierte im Bunde soll dem Vernehmen nach in Datteln eröffnen. Suberg hat darüber hinaus zwei Standorte im Münsterland im Auge. In Recklinghausen betreibt er das „Suberg’s bei Boente“, das „Italian“ und die Gastronomie im Festspielhaus, in Haltern zudem das „Seeblick“.

Besichtigung der Baustelle im Palais Vest: (v.r.) Gastronom Uwe Suberg, der Erste Beigeordnete Ekkehard Grunwald und Palais-Manager Felix Veltel. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Das Konzept für „Noah’s Place“ als einen kulinarischen, kosmopolitischen Ganztages-Treffpunkt für Jedermann: Eine Mischung aus Restaurant, Café und Bar. Angesprochen fühlen soll sich eine bunte Zielgruppe, zu der alle gesellschaftlichen Gruppen und Generationen gehören.

In den vergangenen beiden Wochen, als sich der Sommer noch einmal von seiner freundlicheren Seite zeigte, konnte man eindrucksvoll sehen, dass Dattelner sich nach einem Platz im Freien und an der Sonne sehnen. Die Straßencafés entlang der Hohen Straße waren vollbesetzt.

Auch die Händler würden profitieren

Sobald die aber am frühen Abend schließen, ist die Innenstadt rasch wie ausgestorben. Zusätzliche Angebote am Neumarkt zu den bestehenden Kneipen und Restaurants könnten zur Aufwertung beitragen – andernorts gibt es dafür hinreichend Beispiele. Ein Blick in die Recklinghäuser Altstadt genügt. Davon würde auch der Einzelhandel profitieren.

Zum Jahresende schließt der Rewe in der Stadtgalerie. © Fabian Hollenhorst © Fabian Hollenhorst

Es sind viele kleine Schritte, die den Standort Datteln wieder attraktiver machen sollen – für Dattelner, aber auch für Auswärtige. So plant Wilfried Reckers, der Betreiber von „Nobby’s Schnellimbiss“, einen regelmäßigen Feierabendmarkt am Tigg. Mit einem ähnlichen Konzept hat er bereits in Haltern Erfolge gefeiert.

Rewe schließt zum Jahresende

Im kommenden Jahr sollen außerdem Konzepte vorgelegt werden, wie die Stadtgalerie umgebaut und besser mit der Innenstadt verknüpft werden kann. Die Shoppingmall verliert allerdings zum Jahresende seinen Ankermieter. Rewe gibt seine Filiale auf. Die Wirtschaftsförderung zeigte sich vor Monaten zuversichtlich, dass es keinen längeren Leerstand geben werde und ein anderer Lebensmittelmarkt die Fläche beziehen werde. Konkret war das aber noch nicht. Über den Fortgang schweigt man sich aus.