Antrag von CDU und Grünen

Mangel an Kita-Plätzen: Heißt die Lösung nun doch Düppelstraße?

2018 wurde ein Kita-Neubau an der Düppelstraße von der Politik beschlossen, 2019 wieder gekippt. Aufgrund von erwartetem Platzmangel bringen CDU und Grüne den Standort wieder ins Spiel.
André Tost (CDU, li.) und Marco Zerwas (Grüne) an der Einfahrt zur Düppelstraße. Eine Sackgasse soll ihr Antrag für eine Fünf-Gruppen-Kita im hinteren Bereich der Lohschule nicht werden. Am Ende der Straße ist der OGS-Anbau der Lohschule zu sehen. © Martin Pyplatz

Nach aktuellem Stand ist der erwartete Bedarf an Kita-Plätzen in Datteln im Jahr 2022 nicht gedeckt. Es mangelt laut aktuellem Stand an rund 100 Plätzen, nachdem der Beigeordnete der Stadt Datteln, Dirk Franke, in der vergangenen Woche bestätigt hatte, dass es mit dem von städtischer Seite groß angekündigten „Haus der Familie“ bis zum nächsten Sommer nichts werden wird.

Die Plätze in der darin enthaltenen Fünf-Gruppen-Kita waren weiterhin Bestandteil der Bedarfsplanung des kommenden Jahres. Während Franke und Jugendamtschef Peter Wenzel auf die Bremse getreten hatten, weil nicht sicher sei, ob alle Eltern auch wirklich einen Platz in Anspruch nehmen werden, fordern CDU und Grüne jetzt Lösungen. Per Antrag an den Jugendhilfe- sowie Stadtentwicklungsausschuss fordern sie nun eine Fünf-Gruppen-Kita am Standort Düppelstraße neben der Lohschule.

Die Düppelstraße wurde schon einmal von der Politik beschlossen

Neu ist diese Idee nicht, sie war 2018 sogar schon per Beschluss im Rat auf den Weg gebracht worden. Doch seitdem ist nicht alles rund gelaufen in Sachen Kita-Bedarfsplanung. Denn 2019 kippte der Jugendhilfeausschuss das Neubau-Projekt wieder auf Drängen der Stadt. Jugendamtschef Peter Wenzel argumentierte, dass der geplante Kita-Bau entbehrlich sei, da mit einem DRK-Waldkindergarten sowie dem Ausbau des Kindergarten Marienau in Horneburg „ideale Alternativen“ geschaffen worden seien.

Doch diese Auffassung änderte sich knapp ein Jahr später, als plötzlich doch wieder Bedarf an Kita-Plätzen im Innenstadtbereich ab dem Jahr 2021 prognostiziert wurde. Auch 2020 wurde schon ein Fehlbedarf für das Jahr 2022/23 von insgesamt 129 Plätzen – 49 Plätze im U3-Bereich und 80 im Ü3-Bereich – prognostiziert. Also wurde abermals eine Fünf-Gruppen-Kita beschlossen. Doch anders als beim Beschluss zwei Jahre zuvor war die Düppelstraße vom Tisch. Stattdessen präsentierte Bürgermeister André Dora (SPD) im Sommer 2020 die großen Pläne zum „Haus der Familie“, in dem neben der Kita auch verschiedene soziale Dienste vom Jugendamt und weitere Familienangebote ein neues Zuhause finden sollen. Die Kritik folgt nun knapp ein Jahr später.

Haus der Familie: Nur ein Mittel im Wahlkampf?

„Die Hochphase der Kommunikation zu diesem Projekt war im Herbst 2020 – kurz vor der Wahl“, betont CDU-Fraktionsgeschäftsführer André Tost. Wollte Dora mit dem Projekt also nur für seine Wiederwahl werben? „Ich glaube nicht, dass es ausschließlich Wahlkampf und ein Hirngespinst war“, sagt Tost. Aber die Realisierung sei eben nicht so schnell umsetzbar, wie noch vor der Wahl kommuniziert wurde. Schließlich rückte erst jetzt, ein Jahr bevor das Projekt an den Start gehen sollte, Dirk Franke damit raus, dass eine Realisierung innerhalb eines Jahres nicht machbar sei.

CDU und Grüne nehmen das nun zum Anlass, wieder auf die Düppelstraße zu pochen. Im Zuge ihres Antrags schauten sich Tost und Grünen-Ratsherr Marco Zerwas die Gegebenheiten vor Ort nochmals genau an. Platz sei hier vorhanden, sind sich beide einig, als sie über den Schulhof der Lohschule blicken. „Mit ein wenig baulicher Veränderung vielleicht noch mehr“, sagt Tost, während er den Toilettentrakt, der das alte Schulgebäude mit dem OGS-Anbau verbindet, betrachtet. „Dahinter befindet sich noch Grünfläche“, sagt er. Marco Zerwas ergänzt: „Und ob auf dem Schulhof alles versiegelt sein muss, kann auch infrage gestellt werden.“

Doppelte Nutzung der Räume durch Kita und OGS

Zerwas könnte sich ein „intelligentes Raumkonzept“ am Standort vorstellen. Denn auch OGS-Plätze sind an der Lohschule seit längerer Zeit Mangelware. „Es könnten Räume entstehen, die durch eine Kita-Belegung vormittags und eine OGS-Belegung nachmittags schließlich ganztägig genutzt werden könnten“, sagt Zerwas. Immer nur die anstehenden Bedarfe kurzfristig zu decken, da sind sich beide Lokalpolitiker einig, könne auf lange Sicht nicht der Anspruch von Datteln sein. „Wir wollen als Stadt wachsen, es werden Neubaugebiete wie am alten Ostringstadion geplant, da ist es nicht schlimm, mehr Kita-Plätze zur Verfügung zu haben“, sagt André Tost. „Außerdem müssen die Gruppen nicht bis auf den letzten Platz ausgelastet werden“, ergänzt Zerwas. Die von Dirk Franke ins Spiel gebrachten Container-Lösungen stoßen den beiden Ratsvertretern jedenfalls sauer auf. „Übergangslösung – dieses Wort mit Kinderbetreuung zu nennen, ist nicht zu fassen“, wird Tost deutlich.

Auch der Standort für das Haus der Familie ist ein Streitpunkt

Die Forderung nach einer neuen Fünf-Gruppen-Kita sei als Ergänzung zum weiterhin bestehenden Plan vom „Haus der Familie“ zu verstehen, machen Tost und Zerwas deutlich. Hier sei die Planung bislang kaum fortgeschritten. Doch während die Stadt wohl den Standort der ehemaligen Ringschule am Südring ins Auge fasst, haben CDU und Grüne ganz andere Vorstellungen. „Aus der Innenstadt heraus ist das der einzige Ort in Datteln, von dem aus mit dem Mühlenbach auch Wasser gesehen werden kann“, sagt Marco Zerwas. Daher pochen die beiden Lokalpolitiker auf Wohnbebauung an dieser Stelle. „Das ist ein Filetstück in Datteln“, sagt Tost. Viel eher könnten sich beide einen Standort im Bereich des Stadtbads und dem Sportpark Mitte zwischen Realschule und Comenius-Gymnasium vorstellen. „Dort wären sogar schon die Spielgeräte vorhanden und müssen nicht noch gebaut werden“, verweist Zerwas auf den Sportpark Mitte.

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