Verlust für die lokale Szene

Ist Datteln kein gutes Pflaster für Künstler?

Renate Stepec ist Dattelnerin durch und durch. Ihr Herz schlägt für die Kunst. Weil sie in Datteln kein Ladenlokal für eine Galerie fand, ist sie nach Lüdinghausen ausgewichen.
Hoffen auf viele Besucher in ihrer Galerie: Renate Stepec und Jochen Walter. © Sebastian Balint

Drei Ladenlokale hat Renate Stepec (66) gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jochen Walter (66) in Datteln besichtigt und auch ihr Interesse bekundet, diese anzumieten. Ihr Plan: eine eigene Galerie, um ihre Kunst zu vermarkten. Doch sie erhielt für keines der Lokale den Zuschlag.

Dabei wäre sie sogar bereit gewesen, mehrere Monate Pacht im Voraus zu bezahlen. „Ich glaube, dass die Immobilienbesitzer meine Idee einfach nicht zu schätzen wussten“, sagt Renate Stepec rückblickend. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Datteln konnte der Künstlerin bei der Suche nach einem geeigneten Ort für eine Galerie nicht weiterhelfen. Jetzt eröffnet Renate Stepec ihre Galerie in Lüdinghausen.

Ladenlokal für die Galerie zufällig gefunden

Auf das Ladenlokal in der Lüdinghauser Innenstadt sei sie durch Zufall bei einem Spaziergang gestoßen, erzählt die 66-Jährige. Und irgendwie habe schon auf den ersten Blick alles gepasst, sagt sie. Sie notiert sich die Nummer, die auf einem Schild im Schaufenster des Ladenlokals hängt und meldet sich wenig später bei den Eigentümern. Und die zeigen sich grundsätzlich offen für die Idee der Künstlerin. Dennoch müsse sie sich um das Lokal bewerben. Es gebe noch weitere Interessenten.

„Uns ist es tatsächlich gelungen, uns gegen alle Mitbewerber durchzusetzen“, berichtet Renate Stepec mit durchaus stolzgeschwellter Brust. Im Dezember erhielt das Paar den Zuschlag. Wenig später wurde das Ladenlokal gemäß den Wünschen der beiden eingerichtet und gestaltet.

Renate Stepec hatte bereits in den 1970er Jahren erste Aquarell-Arbeiten angefertigt und sogar verkauft. Liebe zur Malerei? Nein, das sei nicht der richtige Ausdruck, um zu beschreiben, warum sie der Malerei so verfallen ist. Vielmehr handle es sich um einen inneren Drang, etwas aufs Papier, bzw. auf die Leinwand zu bringen.

Künstlerin will sich nicht auf eine Technik beschränken

Oft seien es Erinnerungen, die sie nicht immer zeitlich einordnen, ja nicht mal einem bestimmten Ereignis zuordnen kann. „Zum Beispiel dieser Strauß Blumen“, sagt Renate Stepec und zeigt auf eines der vielen Bilder in ihrer Lüdinghauser Galerie. „Dieses Arrangement habe ich genau so irgendwann in meinem Leben gesehen.“ Während sie dieses Bild gemalt hat, habe sie keine Idee gehabt, welchem Lebensabschnitt sie diese Erinnerung zuordnen soll. Mittlerweile hat sie diese Erinnerung zwischen Kindheit und Jugend eingeordnet. „Aber ich musste dieses Bild einfach malen“, sagt sie.

Renate Stepec hat sich auf keine bestimmte Technik festgelegt. „Das wird mir in Fachkreisen oft zum Vorwurf gemacht. Die sagen dann ‚Renate, du musst deinen eigenen Stil finden‘“, berichtet die Künstlerin. Früher habe sie das geärgert. Aber darüber sei sie mittlerweile hinweg. Sie wolle sich selbst weder technisch noch stilistisch einschränken lassen.

Denn sowohl die Technik, in der sie ein Bild anfertigt, wie auch der Stil seien das Ergebnis eines schwer zu beschreibenden Prozesses. So könne es vorkommen, dass sie mit einem Spatel beginnt, Farbe auf eine Leinwand aufzubringen und sich am Ende dann doch für einen Pinselstrich entscheidet. „Aber ich weiß, während ich male, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, versucht sie ihr Vorgehen zu beschreiben.

Jochen Walter gerät ins Schwärmen, wenn er über die Entstehung der Bilder seiner Lebensgefährtin spricht. Da ist von Magie und von Intimität die Rede. Zu beobachten, wie unter dem kritischen Auge und den Fingerfertigkeiten von Renate Stepec die Bilder Form und Gestalt annehmen, das mache ihn immer wieder aufs Neue sprachlos. Ab heute können interessierte Besucher persönlich die Kunst von Renate Stepec in Augenschein nehmen.

Galerie Stepec, Mühlenstraße 34, 59348 Lüdinghausen. Die Galerie ist mittwochs von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Donnerstags und freitags von 10 bis 13.30 Uhr und von 14.30 bis 17.30 Uhr. Samstags ist die Galerie von 10.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. Ebenso sind Besuche nach telefonischer Absprache unter 0176 22075518 möglich.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt