Belobigung

Heldin vom Westrem: Auch der Ministerpräsident sagt Danke

Es war der 28. Mai 2020: Geistesgegenwärtig reagierte Janine Giese, als sie eine Rauchwolke im Flur ihres Hauses entdeckte und rettete so 21 Menschen. Dafür wurde sie jetzt geehrt.
Regierungspräsidentin Dorothee Feller (links) überreicht die Belobigungsurkunde an Janine Giese (rechts) aus Datteln. © Bezirksregierung

Als „Heldin vom Westrem“ ging Janine Giese in die Geschichte des Ortsteils Winkel ein. Und das Ganze hatte jetzt noch ein erfreuliches Nachspiel. Für ihre Rettungstat erhielt sie von Regierungspräsidentin Dorothee Feller in Münster eine öffentliche Belobigungsurkunde. Das ist eine Ehrenurkunde, ausgestellt von Ministerpräsident Armin Laschet, in der sich der Landesvater für ihre besondere Rettungstat bedankt. Die Staatskanzlei von NRW war durch Berichte in der Presse auf die Tat von Janine Giese aufmerksam geworden.

Urkunde bekommt einen Ehrenplatz

„Ich war schon sehr aufgeregt“, berichtet die Dattelnerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Für sie sei es etwas sehr Besonderes gewesen. Neben Janine Giese erhielten zwei weitere Personen von der Regierungspräsidentin eine Urkunde. „Ich bin sehr stolz darauf“, sagt sie, „die Urkunde bekommt in jedem Fall einen Ehrenplatz in unserer Wohnung.“ Für sie steht fest: „Ich würde jederzeit wieder genauso handeln.“ Anderen Leuten in ähnlichen Situationen empfiehlt sie, nicht wegzuschauen. „Natürlich kann es für einen selbst gefährlich werden, aber man sollte auch an andere denken.“

Vermutlich eine Gasexplosion verhindert

Weil sie umsichtig gehandelt hat, konnte Ende Mai 2020 Schlimmeres verhindert werden. Janine Giese hatte bei einem Kellerbrand an der Westremstraße sofort alle Nachbarn in ihrem Haus gewarnt und Hilfe alarmiert. Durch ihr Handeln konnte vermutlich eine Gas-Explosion verhindert und alle Bewohner rechtzeitig gerettet werden.

Zivilcourage bewiesen

„Sie haben mit ihrem Handeln ihren Nachbarinnen und Nachbarn wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie haben nicht weggeschaut, sondern Zivilcourage bewiesen“, sagte Regierungspräsidentin Feller in der Feierstunde. „Ich freue mich daher sehr, Ihnen heute für ihr vorbildhaftes Verhalten eine öffentliche Belobigungsurkunde übergeben zu dürfen.“

Rückblick: Janine Giese wuselte gerade in ihrer Wohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Westremstraße herum, als sie einen unangenehmen Geruch wahrnahm. Anfangs ging sie davon aus, dass einer der Nachbarn wieder mal Sachen im Garten verbrennt, schilderte sie seinerzeit gegenüber unserer Redaktion.

Im Keller kam ihr eine dicke schwarze Wolke entgegen

Sie sei dabei gewesen, die Wohnung der vierköpfigen Familie aufzuräumen. „Irgendwie war mir das nicht geheuer“, sagt sie. „Ich habe dann unsere Wohnungstür geöffnet und da kam mir der Rauch schon entgegen.“ Sie schnappte sich kurzerhand ihr Handy, um der Quelle des beißenden Geruchs und der Rauchwolke auf die Spur zu kommen. „Ich bin dann in den Keller gegangen und als ich die Kellertür öffnete, kam mir direkt eine dicke schwarze Wolke entgegen.“

Für ihr umsichtiges und schnelles Handeln dankten Janine Giese seinerzeit auch Christian Wojtys (l.) und Theo Berkel (2.v.r) von der Feuerwehr in Begleitung von Bürgermeister André Dora. Mit im Bild Ehemann Philipp-Christian.
Für ihr umsichtiges und schnelles Handeln dankten Janine Giese seinerzeit auch Christian Wojtys (l.) und Theo Berkel (2.v.r) von der Feuerwehr in Begleitung von Bürgermeister André Dora. Mit im Bild Ehemann Philipp-Christian. © Kalthoff © Kalthoff

Sie alarmierte über das mitgenommene Handy die Feuerwehr und machte sich augenblicklich daran, bei allen Nachbarn anzuklopfen. „Bei manchen auch mehrfach“, erinnert sie sich. „Ich wollte ja sichergehen, dass es auch alle rechtzeitig aus dem Haus schaffen.“ Sie habe einfach nur funktioniert, ohne groß nachzudenken, sagte sie damals.

Als die Feuerwehr eintraf, war das Haus schon geräumt

Ihre Kinder waren zum Zeitpunkt des Feuers zum Glück auch nicht zu Hause gewesen. Als die zuvor alarmierte Feuerwehr an der Westremstraße eintraf, war das Mehrfamilienhaus bereits geräumt, sodass die Einsatzkräfte direkt zum Löschen des Feuers in den Keller gehen konnten. Wie wichtig das schnelle Handeln der Dattelnerin war, zeigte sich kurze Zeit später. Denn im Raum nebenan stand die Gasanlage des Hauses. Das hätte schnell zu einer Katastrophe werden können. Kurz nach dem Einsatz dankten ihr auch die Feuerwehrspitze und Bürgermeister André Dora.

Öffentliche Belobigung

Eine Öffentliche Belobigung ist eine staatliche Anerkennung für eine Rettungstat. Die Anregung für eine öffentliche Belobigung oder für eine Rettungsmedaille kann jeder an die zuständige Bezirksregierung oder die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalens schicken. Dabei ist es hilfreich, Zeugen des Geschehens anzugeben, die den Tathergang möglichst genau schildern können. Die zuständige Bezirksregierung veranlasst die erforderlichen Ermittlungen und übersendet diese zusammen mit einer Stellungnahme zu dem Rettungsvorgang an die Staatskanzlei. Über die Anerkennung von Rettungstaten und öffentlichen Belobigungen entscheidet der Ministerpräsident.

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