Artenvielfalt

Hat es sich ausgeflattert? Naturexperte entdeckt wenig Schmetterlinge

Naturschützer schlagen Alarm: Die Vielfalt der Schmetterlingsarten schwindet. Das ist auch Ulrich Kamp vom Naturschutzbund Ostvest bereits aufgefallen.
Ulrich Kamp aus Oer-Erkenschwick hat diesen C-Falter in der Haard fotografiert. © privat

Wo sind sie geblieben? Das fragte sich Naturexperte Ulrich Kamp, als er bei strahlendem Frühlingswetter den ersten bunten Schmetterling, einen C-Falter, fotografierte. „Mitten in der Haard auf einem sonnigen Waldweg unweit des Katenkreuzes. Alles an Schmetterlingen, was ich vorher gesehen hatte, waren eilige Weißlinge – und von den wenigen bunten Fliegern sah ich sozusagen nur die Hacken“, berichtet Ulrich Kamp. Eigentlich hätte damit die Saison der Schmetterlinge starten müssen, doch „danach wurde es kalt, windig, regnerisch, und alle bunten Flieger begaben sich sozusagen in Fliegerdeckung, nahmen also irgendwo in einem sicheren Versteck eine weitere Auszeit“, erläutert Ulrich Kamp, Mitglied beim Naturschutzbund Ostvest. „Und so müssen wir nun auf wärmeres Wetter hoffen und dann sehen wir weiter, zumal die Situation aller Insekten, auch der Schmetterlinge, im Fokus vieler Naturliebhaber liegt.“

Artenvielfalt in Oer-Erkenschwick geht zurück

Naturexperten warnen bereits seit längerer Zeit: Die Anzahl der Tag- und Nachtfalter ist stark zurückgegangen. Es gibt weniger Individuen. Die Biomasse an Insekten schwindet. Die Artenvielfalt geht zurück. Der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Kunstdüngern, die effiziente Bewirtschaftung von Feldern durch Maschinen – es bleibt kaum noch „Unkraut“ stehen – sowie Oberflächenversiegelung, Städtebau, Flussbegradigungen, Moor-Trockenlegungen und ganz allgemein die Zerstörung der unterschiedlichsten Habitate sind Gründe für den Rückgang – bei Schmetterlingen, aber auch vielen anderen Insektenarten wie zum Beispiel Bienen.

Bestand reagiert auf veränderte Umweltbedingungen

Heimische Schmetterlinge sind in jedem Stadium ihrer Entwicklung (Ei, Raupe, Puppe, Falter) an oft sehr spezifische Umweltbedingungen gebunden. Da ist es logisch, dass dieser komplizierte Lebensprozess relativ sensibel auf vergleichsweise geringe Veränderungen der Umweltbedingungen reagiert. Zahlreiche unserer heimischen Schmetterlingsarten erscheinen daher bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Die Unterseite des C-Falters ist eher unscheinbar. © privat © privat

Schmetterlinge werden vor diesem Hintergrund als herausragende Bioindikatoren angesehen. Sie signalisieren uns aufgrund ihrer Empfindlichkeit ausgeprägt die Veränderung der Qualität der Lebensraumbedingungen. Veränderungen des Klimas lassen sich beispielsweise am geänderten Flugzeit- oder Überwinterungsverhalten ablesen. Durch langfristige Schmetterlings-Beobachtungen sowie deren systematische Erfassung und vergleichende Auswertung über Jahre hinweg können diese Veränderungen sichtbar gemacht werden. Genau da setzt auch das Projekt „Frühe Falter“ des Naturschutzbundes an, hier können Naturliebhaber Schmetterlings-Vorkommen melden.

Insektensterben wirkt sich auf Vogelbestand aus

Die Schmetterlings-Welt in das Blickfeld zu nehmen, hat nicht nur seinen eigenen Reiz, sondern kann dabei helfen, die Bedeutung der Schmetterlinge und ihrer Lebensräume als Nahrungsgrundlagen der Vogelarten besser kennenzulernen sowie die Auswirkungen von deren Wandlung auf die Vogelwelt wiederum besser zu erfassen und zu verstehen.

  • Der C-Falter (Polygonia c-album) trägt seinen eigenen Namen buchstäblich auf seiner Unterseite, nämlich ein kleines weißes C. Die Flügel sind stark gefurcht, Farbe der Oberflügel gelborange mit dunklen Flecken. Bevorzugtes Gebiet bei uns sind Waldränder und Buschland, Flugsaison ist von März bis Oktober. Der C-Falter fliegt in zwei Generationen, die erste mit einer hellbraunen, die zweite mit einer dunklen Unterseite, das C in den Unterflügeln ist bei beiden Generationen vorhanden.
  • Infos zum Projekt „Frühe Falter“: www.naturgucker.de
Lesen Sie jetzt