Landwirtschaft

Getreideernte in vollem Gange: Wetterkapriolen bereiten Bauern Sorgen

Landwirt Heinz Boller ist froh, nach drei Dürre-Jahren in Folge wieder Positiveres von den Feldern berichten zu können. Doch Schnee im Februar und Starkregen hatten auch negative Effekte.
Trockene Böden waren in diesem Jahr nicht das größte Problem für die heimischen Landwirte in Datteln, sagt Ortsverbandschef Heinz Boller. © Kalthoff (Archiv)

Wenn diese über 100 Jahre alte Bauernregel Bestand hätte, dann müssten die Landwirte in diesem Jahr gute Erträge bei ihrer Ernte einfahren. „Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun und Fass“, lautet sie. Doch heutzutage sei diese Faustregel nicht mehr allzu aktuell, weiß Heinz Boller, Chef des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes in Datteln.

Denn, obwohl im Mai eine zunehmende Bodenfeuchte zu mehr ährentragenden Halmen am Getreide im Gegensatz zu den dünnen Beständen im vergangenen Jahr führte, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Ernte auch ertragreich sein wird, sagt Boller. Das liegt daran, dass im Gegensatz zur Entstehungszeit dieser Bauernregel heutzutage hauptsächlich Wintergetreide angebaut wird. Heißt: Auch die vorherige Winterwitterung hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Getreides und den späteren Ernteertrag.

Dicke Schneedecke „schnürt den Pflanzen die Luft ab“

Und hier schnürte die dicke Schneedecke im Februar den Getreidepflanzen förmlich die Luft ab, wie Boller beschreibt. Dies führte zum stellenweisen Absterben der Saat. Im März machten sich dann auch noch die vorangegangenen Trockenjahre im Boden bemerkbar. Die Bodenfeuchte lag deutlich unter dem langjährigen Mittel. Mit 190 Millimeter Niederschlag – also 190 Liter pro Quadratmeter – lag der Frühling dann aber nur knapp unter diesem Richtwert. Generell war der Frühling im Vergleich der vergangenen 30 Jahre seit 1991 etwas kälter, die Temperaturabweichung lag 1,9 Grad Celsius unter dem Durchschnitt. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2021 der kälteste April seit 1977 verzeichnet wurde. Für das Getreide bedeutete dies, dass Entwicklung deutlich langsamer vollzogen wurde.

Im Juni stand das Getreide unter Hitzestress

Anders sah es im Juni aus: Mit 19 Grad Celsius Mitteltemperatur folgte der zweitwärmste Juni seit 1881 und war damit um 2,7 Grad wärmer als im Mittel der vergangenen 30 Jahre. Ab dem 6. Juni wurde es dann richtig heiß. „Temperaturen über 30 Grad Celsius setzten das Getreide unter Hitzestress“, sagt Heinz Boller, „unter solchen Bedingungen wird die Kornfüllung eingestellt, was sich negativ auf den späteren Ertrag auswirkt.“ Hinzu kam eine „feuchtwarme Gewitterwitterung“ Ende Juni, die eine erhöhte Infektionsgefahr durch Pilzkrankheiten für das Getreide bedeutete. Nicht behandeltes Getreide weist dann Qualitätsminderungen auf. Das drückt nicht nur den Preis, sondern schränkt auch die Nutzung als Back- oder Futtergetreide ein.

Starkregen stoppt die Ernte der Wintergerste zwischenzeitlich

Mitte Juli startete dann die Ernte der Wintergerste. Doch die vergangenen Starkregenereignisse mit teils mehr als 50 Litern Niederschlag pro Quadratmeter machten den Bauern einen Strich durch die Ernte-Rechnung – sie musste unterbrochen werden. „Das Abtrocknen der Böden und Pflanzen musste erst abgewartet werden“, sagt Heinz Boller. Durch den Regen knickten die Halme der Wintergerste aber ein, viele Ähren hingen folglich nahe am Boden und wurden vom Mähdrescher nicht mehr erfasst. „Das erschwert die Ernte“, bilanziert Boller. Mittlerweile ist die Wintergerste geerntet. Weiter geht es für die Bauern mit den sogenannten Triticalen, einer Kreuzung aus Roggen und Weizen, sowie Roggen und Weizen separat.

Und welche Erträge brachte die Wintergerste in die Scheunen der Landwirte? Auf einem mittleren Niveau lag die Ausbeute laut Heinz Boller mit etwa sieben Tonnen Wintergerste pro Hektar Land. Bei anderen Getreidearten würde es besser aussehen, sagt der Chef des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Hier seien auch acht bis neun Tonnen möglich. „Bleibt zu hoffen, dass die derzeitige Gewitterlage nicht durch Starkregen zu Ertragsausfällen führt“, hofft Boller.

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