Amtsgericht Recklinghausen

Freundin belogen und Auto kaputt gefahren: Gefängnis

Ein Mann aus Datteln geht auf Diebestour und belügt monatelang seine Freundin. Jetzt ist die Geduld der Richter zu Ende.
Hinter diesen Fenstern des Amtsgerichts Recklinghausen ging es um das Schicksal des 34-Jährigen aus Datteln. © Jörn Hartwich

Es war eine Spritztour mit gewaltigen Folgen: Vor rund fünf Monaten hat sich ein Mann aus Datteln heimlich den Wagen seiner Freundin geschnappt, zwei Unfälle gebaut und anschließend so getan, als wenn nichts gewesen sei. Weil er außerdem auf Diebestour war, muss er nun ins Gefängnis. Am Montag ist der 34-Jährige am Amtsgericht Recklinghausen zu einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt worden – ohne Bewährung.

Betonpoller gerammt

Es war der 25. Februar 2021, als der Angeklagte mit dem Auto seiner Partnerin auf der Friedrich-Ebert-Straße einen Auffahrunfall baute. Weil er noch nie einen Führerschein besessen hatte und nicht erwischt werden wollte, setzte er den Wagen sofort zurück, rammte einen Betonpoller und war verschwunden.

Zeugen hatten den Unfall allerdings beobachtet und sich das Kennzeichen notiert.

Die Spur führte natürlich zur Freundin des 34-Jährigen, die ihr Auto nicht bewegt hatte und aus allen Wolken fiel. Sie erstattete umgehend Anzeige gegen Unbekannt – wegen Diebstahls ihres Autos.

Erst wenige Minuten vor Prozessbeginn erfuhr sie schließlich die ganze Wahrheit. Entsprechend angefressen nahm sie im Gerichtssaal auf den Zuschauerplätzen Platz. Doch schon eine halbe Stunde später nahm sie ihren Freund wieder in die Arme.

Drogen-Rückfall

Der Angeklagte hat vor Gericht alles auf einen Drogenrückfall geschoben. Seit rund acht Jahren will er Heroin konsumieren, war nach eigenen Angaben zwischendurch aber immer mal wieder weg von den Drogen.

Anfang des Jahres soll es dann einen Rückfall gegeben haben. In dieser Zeit stahl er außerdem einen Elektrohobel aus einem geparkten Auto, fuhr Bus ohne Ticket. Aktuell will er wieder drogenfrei sein.

Eine Therapie hat der 34-Jährige noch nie gemacht. „Ich habe immer gedacht, ich schaffe es ohne“, sagte er den Richtern. Doch das sei wohl nicht der Fall. Deshalb wolle er sich jetzt auch um Hilfe bemühen.

„Kopf in den Sand gesteckt“

Genau das hatte sich der Dattelner aber auch schon früher vorgenommen. In den letzten zweieinhalb Jahren ist er bereits zweimal verurteilt worden – auch wegen Diebstahls. Dabei haben ihm die Richter jedes Mal eine Bewährungschance eingeräumt. Die festgelegten Sozialstunden hat er bis heute nicht abgeleistet.

Wenn er jetzt nicht sofort eine Drogentherapie beginnt, muss er damit rechnen, dass die Bewährungsstrafen widerrufen werden. Dann müsste er für insgesamt vier Jahre und drei Monate in Haft.

„Er hat den Kopf in den Sand gesteckt“, sagte sein Verteidiger Jens Tuschhoff im Prozess. Doch jetzt habe er nicht nur beschlossen, reinen Tisch zu machen, sondern auch sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Der Abend in Datteln

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