Campingplatz

Feines Dinner in Datteln auf vier Rädern

Kommen Sie mit Ihrem Wohnmobil ins Jammertal und lassen Sie sich mit Köstlichkeiten aus Schnieders Küche verwöhnen. Dieser Einladung folgten am Samstag acht kleine Wohnungen auf Rädern.
Hetty und Manfred Surholt feierten stilvoll ihren 40. Hochzeitstag im Wohnmobil. © Martina Bialas

Der Parkplatz ist entsprechend vorbereitet und der erste Fahrer, Manfred Surholt aus Haltern, wartet gespannt mit seiner Frau Hetty auf die Dinge, die da kommen. Es dauert nicht lange und Kellner Hakan Gürsoy klopft an die Tür des Wohnmobils. Er bringt die Speisekarte, eine Stoff-Tischdecke und ein kleines Blumenbukett in einer Vase. Stilvoll soll es auf den wenigen Quadratmetern Innenleben zugehen.

Stilvoll den 40. Hochzeitstag feiern

Das Ehepaar strahlt, alles ist nach seinem Geschmack. Die Surholts feiern ihren 40. Hochzeitstag, dieser Abend ist ein Geschenk ihrer Kinder. Dazu gehört auch der Lieblingswein, ein Montepuciano d’Abruzo, mit dem das Paar auf einen gelungenen Abend anstößt.

Gürsoy eilt in die Küche zurück, hier agieren routiniert Küchenleiter Dirk Gelschefarth, Chef der Beilagen Alexander Bendig und Chef im Ring, Stephan Schnieder. Der Ton in der Küche ist rau bis liebevoll, jeder hat jeden im Blick und weiß, wann eine helfende Hand erforderlich ist. Das Trio freut sich über die Gäste und hofft, dass das der Start in eine beginnende Eröffnungsphase für die Gastronomie ist.

600 Gäste an einem Abend versorgen

600 Gäste kann das Schniederteam an einem Abend versorgen, jetzt geht es um 23 hungrige Menschen, die sich mit jeder Menge Vorfreude ihr individuelles Menü zusammenstellen. Surholts entscheiden sich für eine Antipaste-Platte, eine Currysuppe, eine Bärlauchpasta und die Lammkeule. Den Schlusspunkt setzen sie mit dem Dessert „Dreierlei Mousse mit Pralinenkeks“.

Ein VW-T3 im Military-Design

Gürsoy behält alles im Blick und eilt hin und her. Als prasselnder Regen einsetzt, greift er zum Regenschirm und schützt Speisen und Getränke, die sich auf seinen Tabletts befinden. Ein VW-Bulli T3 im Military-Design trifft ein und zieht die Blicke auf sich. In ihm sitzen Linda Weber und Felix Stachowski, die sich auch verwöhnen lassen möchten. Sie haben bereits eine Kerze angezündet und reagieren erfreut, als sie einen Gruß aus der Küche erhalten. Eine von Schinken ummantelte Jakobsmuschel, garniert mit einer getrockneten karamellisierten Zitronenscheibe. Eine Baguettescheibe, Salat und etwas Kresse runden das Geschehen ab.

Stephan Schnieder weiß, dass er mit diesen Abenden keinen Gewinn macht. Aber das ist auch nicht sein Anliegen, wie bei allen Gastronomen stehen für ihn glückliche Gäste im Vordergrund. Dafür kämpft das Team.

Zander mit Spargel – aber ohne Zander

Als die Bestellung „Zander mit Spargel, aber bitte ohne Zander eingeht“, lachen alle herzlich auf. Auch das ist möglich, die Zanderlücke auf dem Teller füllt sich auch mit Spargel. Die Speisekarte ist ausgewogen, jeder findet seinen Favoriten.

Schnieders vierjährige Tochter Laura mag auch die Gerichte ihres Vaters, Kartoffelpüree und knackige Salate und Gemüse gehören dazu. Das Gemüse aber bitte ohne Bechamelsauce. Die ist an diesem Abend auch nicht vorgesehen, ein Orangen-Feigendressing setzt hier besondere Akzente.

Das Tempo in der Küche nimmt zu, Schnieder drückt auf die Klingel, sobald wieder ein Hauptgericht auf heißen Tellern angerichtet ist. Gürsoy rotiert und auch Schnieder greift zu den Speisen, um sie zu servieren.

Warten auf politische Entscheidungen

In der Woche davor reisten Gäste im Pkw mit Pferdeanhängern an und ließen sich verwöhnen. Erfindungsreich sind alle geworden, Schnieder selbst darf seine Ideen nicht umsetzen. Er muss auf die neuen politischen Entscheidungen warten. Er hofft, dass er bald sein komplettes Team zurückrufen kann und dass es auch wieder zu ihm zurückkehrt. Hotelfachleute und -köche sind als Personal in Krankenhäusern sehr gefragt.

Hetty und Manfred Surholt schätzen den Service im Jammertal. „Wir haben so darauf gewartet, dass auch hier das Wohnmobil-Dinner angeboten wird.“ Kurz vor 21 Uhr leert sich der Parkplatz so langsam, in der Küche dagegen ist noch emsiges Aufräumen angesagt. Auch die nicht verbrauchten Lebensmittel müssen noch verarbeitet oder gelagert werden. Alles wie immer und doch irgendwie ganz anders.

1910 begann eine touristische Entwicklung

10 Hektar Land erhielten Theodor und Franziska Reddemann im Jahr 1846 in Erbpacht. 100 Jahre später ging es in den Besitz der Reddemanns über, der Namenswechsel Schnieder erfolgte 1918 durch Heirat. Um 1910 begann eine touristische Entwicklung mit der Errichtung von Stroh-Nachtlagern des deutschen Jugendherbergswerkes DJH. Der Besitz, mittlerweile in 6. Generation der Familie Schnieder betrieben, ist heute 40 Hektar groß. 270 Mitarbeiter kümmern sich um das Gesamtgeschehen. Das Wohnmobil-Dinner kann jeden Freitag und Samstag ab 17 Uhr und Sonntag ab 12 Uhr genossen werden. Reservierungen unter: Tel. 02363/3770 oder info@jammertal.de

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