„Ruhrpottmöwen“

Einwände gegen Taubenschlag: Keine Baugenehmigung der Stadt Datteln

CDU und Grüne forderten per Ratsbeschluss eine schnelle Umsetzung eines Taubenschlags in der Innenstadt. Eine Baugenehmigung gibt es von der Stadt für beide möglichen Standorte nicht.
Die Tauben in Datteln suchen tagsüber Futter auf dem Neumarkt © Martin Pyplatz

Seit Jahren macht der Verein „Ruhrpottmöwen“, der sich um das Wohl der Stadt-Tauben in Datteln sorgt, gleichzeitig aber auch Eier austauscht, damit die Population nicht weiterhin stark ansteigt, auf ein drohendes Tauben-Problem aufmerksam. Ein Großteil der Tauben, die zumeist am Neumarkt auf Futtersuche sind, hatte sich im Hochhaus am Südring eingenistet, das bekanntlich jahrelang leer stand. Nun soll dort saniert werden – die Tauben mussten ausziehen. Die Tierschützer der „Ruhrpottmöwen“ stellt das vor große Herausforderungen: Um Eier austauschen zu können, damit die Tiere sich nicht stark vermehren, müssen die ehrenamtlichen Helfer des Vereins wissen, wo die Tauben nisten.

Den unvermeidbaren „Auszug“ aus dem Hochhaus wollten die Tierschützer nutzen, um sie in einen Taubenschlag in direkter Innenstadtnähe umzusiedeln. Die Sorge war groß, den Überblick zu verlieren, wenn die Tauben überall in der Stadt verteilt sind. Mit ihrem Anliegen stieß der Verein eigentlich auf offene Ohren bei der Stadtverwaltung – doch die Standort-Frage ist seitdem Streitpunkt zwischen den beiden Parteien. Ein Taubenschlag am Ehrenmal war den „Ruhrpottmöwen“ zu weit weg, wegen in den kommenden Jahren geplanten Veränderungen am Schemm, war die Verwaltung vom favorisierten Standort des Vereins nicht begeistert.

Politik forderte schnelle Lösung mit Ratsbeschluss und Fristen

Hinter dem Vorhaben der „Ruhrpottmöwen“ stehen auch CDU und Grüne. Beide Parteien übten Druck auf die Verwaltung aus und agierten als treibende Kräfte dabei, einen Taubenschlag per Ratsbeschluss einzufordern, für dessen Errichtung sie ein Zeitfenster bis Ende August vorgegeben hatten. Diese Frist ließ die Stadt Datteln verstreichen. Für den von der Stadt angedachten Neubau eines Taubenschlags sollten die Anwohner der beiden möglichen Standorte am Schemm und an der Friedrich-Ebert-Straße befragt werden. Dies dauerte ebenfalls bis Ende August.

Nun gab Bürgermeister André Dora (SPD) den Ratsvertretern einen Überblick über das Ergebnis der Bürger-Einwände. „Grundsätzlich wird die Errichtung eines Tauben-Hauses befürwortet“, sagte er, „allerdings, bei den Standorten sind sehr viele Ablehnungen gekommen.“ Es sei darauf hingewiesen worden, dass die Standorte nicht den Vorgaben des Deutschen Tierschutzbundes für die Errichtung eines Taubenschlags erfüllen, führte Dora aus. „Und das führt dazu, dass wir seitens der Bauordnung keine Baugenehmigung in Aussicht stellen können.“

Die Stadt will sich nun an das Veterinäramt sowie an den Deutschen Tierschutzbund wenden, wie aktuell die Vorgaben für die Errichtung sind. Auch der Austausch mit Nachbarstädten soll nochmals gesucht werden.

Kritik der „Ruhrpottmöwen“ an Bürgermeister André Dora

Dass diese Neuigkeiten nicht zu Freudensprüngen bei den Tierschützern führen werden, war zu erwarten. „Ruhrpottmöwen“-Vorsitzende Stefanie Hellinger kritisiert, dass es sich bei den Aussagen des Tierschutzbundes um Empfehlungen für den Idealfall handle. „Wo gibt es schon den Idealfall?“, fragt sie in einer E-Mail, die sie im Anschluss an die Sitzung an Bürgermeister Dora geschickt hat. Sie fordert, sich lieber an erfolgreichen Umsetzungen anderer Städte zu orientieren. Eine entsprechende Liste mit Kontaktdaten habe sie bei der Stadt eingereicht.

Ein Satz von André Dora stieß den Tierschützern besonders sauer auf: Wenn es ein Tauben-Problem geben sollte, wolle die Stadt das auch gelöst bekommen, sagte der Bürgermeister. „Gehen Sie mit geschlossenen Augen über den Marktplatz? Also für sehr viele Bürger ist das Tauben-Problem deutlich sichtbar, nicht nur für uns“, schreibt sie. Sie frage sich, wie groß das Problem erst werden müsse, damit reagiert wird. Sie glaube, viele Sorgen der Eigentümer an den Standorten könne der Verein mit seinen Argumenten ausräumen. Dafür gab es aber zum Teil keine Möglichkeit.

Der Abend in Datteln

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt