Wochenkommentar

Eine Woche es Impfens – und keiner macht mit

Die Ostvest-Städte verzichten darauf, ihre Impfbemühungen trotz der sich ausbreitenden Delta-Variante zu intensivieren. Das sei Angelegenheit des Kreises. Die Infizierten leben aber vor Ort.
Jörn Tüffers ist Ressortleiter Ostvest. © privat

Nun endet sie, die „Woche des Impfens“. Es gab „niedrigschwellige Impfangebote ohne Terminvergabe an viel frequentierten Orten wie Einkaufsstraßen, Sportstätten oder Shopping-Centern“. Das war zumindest die Idee, als NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am 9. Juli die Parole ausgab: Wenn die Menschen nicht die Corona-Schutzimpfung aufsuchen, dann kommt sie einfach zu ihnen.

Sie haben davon nichts mitbekommen? Ich kann Sie trösten – es lag nicht an Ihnen. Es gab einfach kein Angebot. Wiegt man sich etwa in trügerischer Sicherheit, nachdem es zuletzt allenfalls eine Handvoll Infizierte gegeben hat, und allen voran Waltrop vor etlichen Wochen bundesweit Schlagzeilen machte, weil es als eine der ersten Städte die Null-Inzidenz erreicht hatte?

Nur Oer-Erkenschwick hält die Null

Dass die Pandemie sich sprunghaft entwickelt, ist ja nun hinlänglich bekannt. Mit dem Ergebnis, dass ausgerechnet die Vorzeigestadt Waltrop am Freitag (16.7.) einen Wert von 20,5 aufweist und Datteln nach Wochen erstmalig wieder zweistellig ist: 11,6. Allein Oer-Erkenschwick hält die Null.

Aber keine der drei Städte im Ostvest hat Anstrengungen unternommen, all jene zu erreichen, die zögern, die Bedenken haben, denen der Weg ins Impfzentrum nach Recklinghausen zu lästig ist, oder die der telefonischen Warteschlange bei ihrem Hausarzt einfach überdrüssig sind. Es sollte ein schnelles und unbürokratisches Angebot sein, das ein wenig an Bilder aus den USA erinnerte, wo sich Bürger an Tankstellen oder im Supermarkt hinten links bei den Chipstüten impfen ließen – und dann ihren Einkauf fortsetzen.

Städte verweisen auf den Kreis

Die sich rasant ausbreitende Delta-Variante braucht andere Antworten als durch ein bürokratisches Ungetüm wie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Genau deshalb hat Laumann die „Woche des Impfens“ ausgerufen.

Damit hat er aber offenbar die in der Ferienzeit allenfalls halb gefüllten Rathäuser überfordert – oder aber die Verantwortlichen dort fühlen sich gar nicht erst zuständig. Zwei Tage haben die Pressesprecher in Datteln und Oer-Erkenschwick benötigt, um eine Anfrage zu beantworten, wie Beteiligung an der Impfwoche vor Ort aussieht. Die gleichlautende Antwort: „Die seitens des Landes NRW angestoßene Impfkampagne richtet sich in erster Linie an Kreise und kreisfreie Städte. Gesonderte Maßnahmen sind nicht geplant.“ Aus dem Rathaus Waltrop hieß es zumindest zeitnah: Man befinde sich in der Abstimmung mit den lokalen Medizinern. Das dauert dann wohl noch an.

Also hat der Kreis den Schwarzen Peter. Es ist nicht bekannt, dass die Ostvest-Städte dort Anspruch angemeldet haben, das Impfen vor Ort zu forcieren.

So wird das nichts mit der Herdenimmunität!

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