Physikerin der Woche

Dattelnerin steht ihre Frau in einer Männerdomäne

Das Physikstudium gilt in Deutschland häufig weiterhin als männliche Domäne. Aber es gibt Ausnahmen. Die gebürtige Dattelnerin Marie Schmitz ist eine solche.
Marie Schmitz in ihrem Labor in Dortmund: Die Dattelnerin ist Physikerin der Woche geworden. © Schmitz

Die 29-Jährige ist aktuell sogar Physikerin der Woche. Der Arbeitskreis Chancengleichheit (AKC) vertritt die Interessen von Physikerinnen aller Karrierestufen und in der Öffentlichkeit und stellt seit 2018 die Physikerin der Woche vor. Für Marie Schmitz ist das eine „coole Aktion“, die zeige, wie vielfältig sich Frauen einbringen können.

Chancengleichheit ist ihr wichtig

Chancengleichheit im Beruf ist ihr sehr wichtig. Mit der Aktion werde ein großes Netzwerk erreicht, das die Sichtbarkeit von Frauen in den sogenannten Mint-Fächern fördert. „Ich kriege immer die Krise, wenn jemand sagt, das ist typisch Mann oder typisch Frau“, sagt Marie Schmitz, die gerade ihre Doktorarbeit in Physik schreibt. „Ich war auch nie das typische Mädchen. Nichts mit Rosa und so“, lacht die 29-Jährige. Frauen könnten auch in Wissenschaft und Technik mithalten. „Man kann als Frau das schaffen, wenn man es möchte“, macht sie anderen Mut, diesen Weg zu gehen, wenn man es möchte.

Aktuell ist die Doktorarbeit in der Mache

Bei Marie Schmitz zeichnete sich früh ab: Physik ist ihr Ding. Sie hat 2011 am Comenius-Gymnasium ihr Abi gebaut. Leistungsfächer waren Mathe und Physik. Nur eine andere Mitschülerin hatte sich auch für die Kombination entschieden. Nach dem Abi studierte sie an der TU Dortmund, fing zunächst mit Mathe und Physik an, stellte dann aber fest, dass Physik mehr ihr Ding ist und wechselte Haupt- und Nebenfach. Nach Bachelor und Master will sie bis zum Jahresende ihr Doktorarbeit fertig haben.

Grundlegende Fragen des Lebens

Was fasziniert sie an Physik? „Physik behandelt grundlegende Fragen des Lebens. Sie behandelt alles von subatomaren Problemen bis hin zu riesigen Galaxien. Ich habe mich schon immer für Technik interessiert“, erzählt sie. Vielleicht auch etwas der Einfluss von Papa Klaus. „Der hat schon immer für sein Leben gerne gebastelt“, sagt die junge Frau.

Aktuell befasst sie sich mit experimenteller Festkörperphysik. Sie untersucht atomare Strukturen mit Röntgenstrahlen. „Grundlagenforschung“, sagt sie.

Marie Schmitz beweist auch noch auf einem anderen, eher männergeprägten Gebiet, dass sie ihre Frau steht.

Die einzige Frau im Löschzug

Sie ist im Löschzug 3 der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, und das seit dem 13. Lebensjahr. „Ich bin die einzige Frau im Löschzug“, erzählt sie. Aber das macht ihr keine Probleme. Und sie packt mit an. „Man kann sich als Frau nicht nur die Rosinen rauspicken.“ Und sie freut sich schon auf kommende Woche. Dann gibt es nach monatelanger Corona-Pause wieder einen Übungsabend. Aktuell hat sie schon an dem Atemschutztraining teilgenommen. „Man merkt schon, dass man nach der Pause nicht mehr so fit ist wie vorher. Aber das wird schon“, gibt sie sich optimistisch.

Gleichberechtigung muss in beide Richtungen funktionieren

Mit Blick auf Chancengleichheit steht sie einer Frauenquote skeptisch gegenüber. „Ich glaube, eine Quote könnte helfen, Gleichberechtigung zu erreichen. Die ist noch nicht da. In Führungspositionen arbeiten viel zu wenig Frauen. Andererseits sollte man auch nichts erzwingen, damit eine Frau nur wegen der Quote den Job bekommt und dann von den Kollegen dumm angeschaut wird.“ Gleichberechtigung müsse in beide Richtungen stattfinden. So wie es aussieht, wird Marie Schmitz aber wohl keine Frauenquote benötigen, um einen Job zu bekommen. Nach der Doktorarbeit will sie in die Wirtschaft. „Mit Wissenschaft habe ich mich lange genug beschäftigt“, sagt die 29-Jährige.

Frauenanteil ist gestiegen

Obwohl Physikerinnen in vielen verschiedenen Forschungsbereichen arbeiten und damit wesentlich zum wissenschaftlichen Fortschritt in Deutschland beitragen, gilt das Physikstudium häufig weiterhin als männliche Domäne. Der Frauenanteil bei den Physikbachelor-Absolventen ist laut Studierendenstatistik zwar auf 21 Prozent gestiegen, aber in den Karrierestufen nach der Promotion (Frauenanteil 22 Prozent) fällt er deutlich ab. So liegt der Anteil von Physikprofessorinnen laut Statistischem Bundesamt deutlich unter 10 Prozent.

Um zu zeigen, dass das Physikstudium und der Beruf der Physikerin in der Forschung auf allen Karrierestufen für Frauen allemal eine mögliche und hervorragende Berufswahl ist, stellt der Arbeitskreis Chancengleichheit der DPG mit seiner Initiative „Physikerin der Woche“ jeden Montag eine Physikerin in Deutschland oder eine deutsche Physikerin im Ausland und ihr jeweiliges Forschungsgebiet vor.

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