Friedhof

Dattelnerin muss nach Jahren für abgelaufene Grabstätte „nachzahlen“

Eine Leserin musste jetzt für eine seit Jahren abgelaufene Grabstätte auf dem Dattelner Hauptfriedhof nachzahlen. Was passiert, wenn die Frist von einem Grab verstreicht, ist klar geregelt.
In der Friedhofssatzung der Stadt ist die Nutzungsdauer von Grabstätten verankert. © dpa

Ihre Großmutter und ihre Mutter hätten in dem Familiengrab auf dem Dattelner Hauptfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden, berichtet die 85-jährige Dattelnerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Im Jahr 2013, erinnert sich die Seniorin, sei die Frist für das Grab abgelaufen. In der Regel ist die Nutzungsdauer eines sogenannten Wahlgrabs für 30 Jahre angesetzt.

Grabstein wurde 2013 entfernt

Grabsteine und Persönliches hätte die Familie 2013 von der Ruhestätte entfernt, sich zunächst gegen eine „Verlängerung“ entschieden. Doch auch in der Zeit danach bleibt das Grab für die Frau eine wichtige Anlaufstelle. Ein bis zweimal pro Woche kommt sie dorthin – und kann nicht mit ansehen, wie die Fläche verwittert. So pflegt sie das Grab weiter. Als sie das selbst nicht mehr schafft, beauftragt sie einen Friedhofsgärtner. Er hält das Grab sauber, setzt dezenten Blumenschmuck. Vor einiger Zeit dann sei quasi durch Zufall herausgekommen, dass sie das Grab noch „unterhalte“, so die Dattelnerin. Eine Rechnung der Stadt folgte auf dem Fuße. 1600 Euro musste sie jetzt rückwirkend von 2013 an bezahlen – für zehn weitere Jahre. Die Frist für das Grab läuft jetzt bis 2023. Sie hätte sich wohl auch dieses Mal gegen eine Verlängerung entscheiden können, so die Seniorin. Das habe sie aber nicht übers Herz gebracht – und den Betrag lieber bezahlt.

Manche Grabstätten kann man verlängern, andere nicht

Welche Möglichkeiten es gibt, wenn die Frist für ein Grab abläuft, ist in der Friedhofssatzung der Stadt Datteln klar geregelt. Wahlgräber zum Beispiel könne man verlängern, Steinplattengräber hingegen nicht. Im Normalfall werde der Nutzer der Grabstätte nach Fristablauf von der Stadt angeschrieben, erklärt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. Man könne sich dann für oder gegen eine Verlängerung entscheiden. Wer das Grab weiter unterhalten möchte, muss dieses aber mindestens für fünf Jahre tun. Wer sich dagegen ausspricht, gibt das Grab wieder an die Stadt zurück und muss damit rechnen, dass die Fläche jederzeit wieder neu belegt werden kann.

Entgegenkommen gewünscht

Die betagte Dattelnerin hätte sich ein wenig Entgegenkommen vonseiten der Stadt gewünscht, sagt sie. Von offizieller Seite hingegen ist der Fall klar, die Regeln gelten für alle Nutzer. „Das Grab wurde in Pflege gehalten, die Frau hatte Zugriff darauf“, erklärt Lehmanski. Sprich: Wer das Grab unterhält, muss auch dafür zahlen. Wahrscheinlich sei das Grab aufgrund der Pflege auch noch nicht neu belegt worden. Warum es nicht aufgefallen ist, dass sich die Frau quasi um eine Ruhestätte gekümmert hat, die ihr eigentlich gar nicht mehr „gehörte“ – das lässt sich wohl nicht mehr herausfinden.

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