Innenstadt

Dattelner Trödel-Trupp rollt an: letzter Blick in das Deilmann-Haus

Nach 107 Jahren machte die Buchhandlung Deilmann 2021 dicht - die Bagger sollen bald rollen. Peter Döller (60) nahm nun Abschied von seinem historischen Elternhaus.
Peter Döller (li.) und Rainer Berkenhoff auf dem Dachboden des alten Deilmann-Hauses an der Hohen Straße. Sie haben einen alten Grundig-Zauberspiegel gefunden. © Fabian Hollenhorst

Mit Blick auf die Hohe Straße ist der 60-jährige Peter Döller direkt über der Buchhandlung Deilmann aufgewachsen. Bis 1997 hat er im Familienunternehmen, das sein Großvater Josef Deilmann 1914 gegründet hatte, im Verkauf der Schreibwaren gearbeitet. 1971 übernahm seine Mutter Aloysia Döller die Geschäfte, ehe 1996 seine Schwester Annette Lamprecht die Buchhandlung übernommen hatte und bis zuletzt führte.

Doch während noch beim Ausverkauf reger Betrieb im Erdgeschoss herrschte, war es im restlichen Haus schon länger still geworden. Bis 2011 lebte seine Mutter noch im Obergeschoss, berichtet Peter Döller. Seitdem war das historische Fachwerkhaus unbewohnt. Annette Lamprecht hat große Pläne für den ehemaligen Deilmann-Standort. Eine Gasse mit mehreren kleinen Geschäften soll entstehen. Und dafür sollen wohl schon in einem Monat die Bagger zwischen Hoher Straße und Heibeckstraße rollen. Für Peter Döller war es nun Zeit, Abschied von seinen Kindheitserinnerungen zu nehmen.

Möbel und alte Erinnerungen sind noch vorhanden

Im Gegensatz zur Buchhandlung waren Obergeschoss und Dachboden alles andere als leergefegt. Ein Großteil der Möbel steht noch in den Zimmern. Auch in Döllers altem Kinderzimmer findet sich noch ein alter Schrank mit Erinnerungen. Peter Döller ist froh, nicht alleine entrümpeln zu müssen. Mit seinem Kindergarten-Freund Rainer Berkenhoff kennt er einen Fachmann dafür. Der Sammler von alten Radios, Fernsehern, Grammofonen und Autos hat den richtigen Riecher, wenn es um alte Schätze geht.

Und so rollte nun quasi der Dattelner Trödel-Trupp vor dem Deilmann-Haus an. „Wenn ich früher bei Peter geklingelt habe, sagte seine Mutter immer, er sei nicht Zuhause“, sagt Berkenhoff schmunzelnd. Doch Peter Döller hatte sich davon nie aufhalten lassen und stieg kurzerhand über ein Fenster auf die Mülltonnen in den damals noch mit Bäumen bepflanzten Garten, um mit seinen Freunden zu spielen.

Der Charme längst vergangener Tage

Im ganzen Haus konnte Rainer Berkenhoff nun den Charme der 50er, 60er und 70er Jahre erkennen, der ihn so fasziniert. Und einen echten Jackpot landete er auf dem Dachboden des Hauses. Wo sich der Boden schon leicht durchbiegt und teilweise schon nachgegeben hat, versteckte sich ein alter Grundig-Fernseher. „Ein Zauberspiegel“, weiß Berkenhoff. „Den haben wir 1966 bekommen“, erinnert sich Peter Döller. Mitte der 70er Jahre wurde dieser dann durch einen Farbfernseher ersetzt, seitdem schlummerte er unter dem Dach. Und Rainer Berkenhoff musste erst einmal eine dicke Staubschicht entfernen, ehe er sein Objekt der Begierde genauer unter die Lupe nehmen konnte.

Auch alte Radios oder eine Polaroid-Kamera fallen Berkenhoff in die Hände. Für Döller hat das alles keinen Wert mehr. „Und bevor die Entrümpel-Truppe kommt, nehm ich es“, sagt Berkenhoff. Doch auch Döller ging nicht leer aus: alte Fotos von seinem Onkel und ein altes Spielzeugauto, mit dem Berkenhoff und er immer gespielt haben, sind nur zwei seiner Fundstücke.

Dattelner Historiker hat viele alte Bilder vom Deilmann-Haus

„1924 ist mein Opa in das Haus gezogen“, sagt Peter Döller. Zehn Jahre lang hatte Josef Deilmann im Haus schräg gegenüber, wo heute ein Imbiss mit Kiosk beheimatet ist, Bürobedarf sowie Feldpostschachteln oder Zigarren verkauft. Mit den Generationen veränderte sich das Angebot natürlich. Bei Annette Lamprecht gab es neben Büchern auch stets nette Deko- und Souvenir-Artikel zu kaufen.

Der Dattelner Hobby-Historiker Wolfgang Thimian hat zahlreiche alte Bilder vom Deilmann-Haus. „Es wurde 1890 erbaut und 1910 umgebaut“, sagt er. Mit den Jahren veränderte sich die Front der Buchhandlung immer weiter. Zuletzt mit der Übernahme von Annette Lamprecht, die eine Glasfront anbrachte.

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