Urlaubszeit

Dattelner Tierschutzverein fürchtet Abgabewelle im Sommer

Der Corona-Lockdown hat viele Menschen dazu bewogen, sich Haustiere anzuschaffen. Jetzt sind wieder mehr Freiheiten drin, auch Urlaub. Das Dattelner Tierheim fürchtet eine Abgabewelle.
Streicheleinheiten müssen sein: Birgit Blaschke, Vorsitzende des Dattelner Tierschutzvereins, mit Kaninchen Moritz. © Meike Holz

Ein Kaninchen und eine Katze sind zu Wochenbeginn beim Dattelner Tierheim an der Industriestraße abgegeben worden. Auch in den vergangenen zwei Wochen hat der Tierschutzverein einige Kleintiere aufnehmen müssen. „Es geht jetzt los“, sagt Vorsitzende Birgit Blaschke. Sie und ihre Mitstreiter, die das Tierheim betreiben, sehen das mit großer Sorge, fürchten eine Abgabewelle im Sommer.

Tierische Gesellschaft war im Lockdown gefragt

In Ferienzeiten hätten sie schon immer mehr zu tun gehabt, als sonst, bestätigt Blaschke, die sich seit elf Jahren in der Kanalstadt für den Tierschutz engagiert. Corona könnte diesen Umstand noch verschärfen. Denn: Tierische Gesellschaft war zu Lockdown-Zeiten äußerst gefragt. Die Tierheime waren teilweise leergefegt, so groß war die Nachfrage nach Kleintieren und Katzen, aber auch Hunden. Eine kurze Zeit lang sei auch das Dattelner Katzenhaus komplett leer gewesen, erklärt die Vorsitzende. Jetzt lässt die Pandemie wieder mehr Freiheiten zu, es gibt Bürotage statt Homeoffice, auch Reisen sind wieder möglich. Da stellt sich bei dem eine oder anderen, der einen tierischen Freund übereilt oder unüberlegt angeschafft hat, die Frage: „Wohin mit dem Haustier?“ Dann heißt es nicht selten aus Not und Scham: Endstation Tierheim.

Die Kapazitäten sind begrenzt

Für das Tierheim kann das ein großes Problem werden, schließlich sind die personellen, räumlichen und finanziellen Kapazitäten begrenzt. Drei Katzenräume und ein Kleintierhaus gibt es an der Industriestraße. Viele Tiere, die im Tierheim landen, seien zudem in einem schlimmen gesundheitlichen Zustand, sagt Blaschke. „Wir haben ja hauptsächlich Notfalltiere bei uns“, sagt Blaschke. Deren Versorgung ist aufwendig und teuer. Wenn dann noch eine Welle von „Sommertieren“ abgegeben wird, kann das schnell finanzielle Probleme für das Tierheim mit sich bringen. Natürlich sei es besser, die Tiere zum Tierheim zu bringen, als sie einfach irgendwo auszusetzen, sagt Blaschke. Auch das haben sie und ihre Kollegen in der Vergangenheit schon erlebt. Aber auch das Tierheim und die Mitarbeiter können an ihre Grenzen kommen, mahnt sie. Schließlich müssen die Katzen, Nager und Co. ja auch angemessen untergebracht und versorgt werden können.

Boomender Schwarzmarkt ist ein weiteres Problem

Neben der bevorstehenden Reisezeit bereitet Birgit Blaschke noch eine andere Entwicklung Sorgenfalten. „Wir haben derzeit keine Katzenbabys bei uns“, sagt sie. Das sei zu dieser Jahreszeit, in der viele Katzen Nachwuchs bekommen, besonders unüblich. „Das hab ich in elf Jahren noch nicht erlebt“, so die Vorsitzende. Sie vermutet, dass der Schwarzmarkt rund um Kleintiere im Moment extrem boomt. 400 Euro für Katzenkinder, die ungeimpft und ungechipt auf Internetplattformen angeboten werden – das ist keine Seltenheit, weiß die Tierschützerin. Bei solchen Online-Verkäufen werden die Käufer selten kontrolliert. Ob sie Zeit und Kenntnis haben, sich vernünftig um ein Tier zu kümmern, wird bei solch zwielichtigen Privatgeschäften kaum nachgehalten. Und nicht selten sind es dann genau diese Tiere, die irgendwann bei Birgit Blaschke und ihren Kollegen von Tierheim landen.

Das Dattelner Tierheim ist auf Spenden angewiesen:

Tierschutzverein Datteln e.V

Sparkasse Vest Recklinghausen DE86 4265 0150 0002 2921 67 WELADED1REK

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